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Sonntag, 23. Dezember 2012

An diesem vierten Advent

Viele sind jetzt in Furcht wegen der bevorstehenden Weihnachtstage. Weil sie allein sind und nicht wissen, wie sie den morgigen Abend verbringen sollen. Die inszenierte Besinnlichkeit trägt zusätzlich zu diesen Ohnmachtsgefühlen bei. Und es ist nicht jedermanns Sache, an den namentlich von kirchlichen Kreisen organisierten "offenen" Weihnachtstagen mitzumachen. Die Weihnachtszeit ist eine schöne, aber eben auch eine emotionsbeladene Zeit, eine Zeit nicht nur der Freude und der Besinnlichkeit. Nicht alles, was die Kulissen uns vorgaukeln, ist bekanntlich zum Nennwert zu nehmen. 

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Verzweifelt auf der Suche nach Liebe

Man stelle sich folgende Geschichte vor:

Eine Frau, 47 Jahre alt, alleinstehend, lernt auf einer Internetplattform einen Mann aus Südafrika, wie er erklärte, kennen. Sie nimmt mit ihm Kontakt auf, worauf sich bald ein intensiver Mail-Austausch entwickelt. Er liebe sie, schreibt er kurz nach der ersten Kontaktaufnahme, und wiederholt dies gebetsmühlenartig. Und ja, er wolle sie heiraten.

Die Frau glaubt ihm und will ihn bald sehen. Da teilt ihr der Mann mit, er brauche dringend Geld für seine kranke Mutter. 5'000 Euro wären schön. Und sie schickt ihm dieses Geld ohne lang zu zögern, worauf er sich überschwänglich bedankt. Wenige Tage später bittet er um nochmalige Überweisung, dieses Mal sollten es 8'000 Euro sein, er brauche das Geld, weil ihn die Polizei bedrohe und er sich einen Anwalt leisten müsse. Die Frau zögert wiederum nicht und rundet den Betrag grosszügig auf 10'000 Euro auf.

Und danach war Funkstille.
Kein Besuch aus Südafrika, keine Heirat, nichts.
Dafür ein Verlust von 15'000 Euro.
Und ein abruptes, ja brutales Ende einer gigantischen Illusion.

Wohlgemerkt: dies hier ist keine Kopfgeburt meiner Phantasie. Diese Geschichte trug sich vor wenigen Wochen real zu - nicht irgendwo, sondern in meiner näheren Umgebung. Als ich davon hörte, war ich schlicht sprachlos. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, dass er sich auf solche Täuschungen einlässt? Oder naiv, grenzenlos naiv. Die Frau sprach unmittelbar nach der ersten virtuellen Kontaktaufnahme gar davon, dass sie "in einer Beziehung" lebe. Sie glaubte fest daran, dass dieser Südafrikaner -er kann ebenso gut aus den USA stammen oder aus einem Provinznest in Deutschland oder woher auch immer- sie tatsächlich heiraten wolle. Sie haben doch so oft auch per Skype miteinander diskutiert, sich ausgetauscht und geturtelt, bis die Leitungen zu glühen begannen.

Stattdessen: ein halbwegs ausgeplündertes Konto.
In der Zwischenzeit ist die Frau erwacht.
Und ist daran, diese groteske Episode zu verarbeiten.
Was soll man da sonst noch sagen? 

Mittwoch, 26. September 2012

Einsamkeit

Notiert:
In der Einsamkeit finde ich den Menschen. In den Massen kann ich ihn nicht mehr finden. Es gibt Einzelgänger, die wirklich isoliert sind, und es gibt Pseudo-Einsame. Die wirklichen Einzelgänger sind in ständigem, mystischem oder realem Kontakt mit dem Universum.
Ionesco

Dienstag, 3. April 2012

Beseeltes Schweigen

Zum Beispiel
eine Stadt gemeinsam erleben.
Durchwandern.
Dieses und jenes erleben.
Eine Kirche vielleicht.
Ein Museum.
Ein Restaurant.
Eine Brücke.
Eine Allee.
Shopping.
Später
im Konzertsaal.
Doch was
wenn man wohl dasselbe sieht
und dennoch das Wesentliche anders erlebt?
Wenn man
nicht dieselbe Sprache spricht, obwohl beide Deutsch sprechen?
Was
wenn kein emotionaler Austausch möglich ist
ob dem
was man sieht
vernimmt
spürt
hört
mutmasst
riecht?
Dann
bleibt bloss dumpfe Einsamkeit zurück
getarnt als Zweisamkeit.

Und das pure Gegenteil
wäre
ein nicht geäusserter Gedanke
blosse Andeutungen
beseeltes Schweigen
kleinste Berührungen.
Die alles erklären
und jedes gesprochene Wort
überflüssig machen.

Donnerstag, 8. März 2012

Momente grenzenloser Einsamkeit

Es gibt Momente absoluter und grenzenloser Einsamkeit. Ich spreche, einmal mehr, nicht von jener Einsamkeit des Alleinseins oder der Zweisamkeit. Ich spreche vielmehr von jener Einsamkeit, die sich in bestimmten Situationen manifestiert und durch die man "einfach durch muss". Das können ganz banale Alltagssituationen sein, die uns schlicht zu erschlagen drohen. Oder Stimmungen auch, deren Kern nicht oder nicht umfassend mitteilbar sind. Solche Momente sind schwierige Momente, und die damit einhergehende Einsamkeit manifestiert sich vor allem dann besonders intensiv, wenn das Gegenüber (Partner, Freund, was auch immer) schlicht nichts versteht (im umfassenden Sinn gemeint) von dem, was gerade ansteht und uns in beinahe unerträglicher Weise beschäftigt. In solchen Momente möchte man doch lieber ganz allein sein, weil es die einzig erträgliche -und wahrhaftige- Lebensform ist. 

Mittwoch, 8. Februar 2012

Emily, allein

Vielleicht muss man sich irgendwann mit dem sog. Lebenskompromiss abfinden.
Akzeptieren, was wirklich möglich ist und was eine lächerliche Illusion bleibt.
Akzeptieren, dass die Wahlmöglichkeiten faktisch beschränkt sind.
Akzeptieren, dass gewisse Lebenskonstellationen ganz offensichtlich unverrückbar sind und bleiben.

Und ja:
nicht alle wollen ihr Leben wirklich leben. Die Furcht vor der Freiheit ist stärker.
Und die Bequemlichkeit, natürlich.
Nun ja.

Ich lese (als Gegengift zu all dem?) "Emily, allein".
Schon nach den ersten Zeilen muss ich sagen: eine schöne traurige und doch hoffnungsvolle Geschichte.
Auf dem Klappentext steht dies:
Emily Maxwell, eine Witwe, deren Kinder längst eigene Familien gegründet haben, führt ein ziemlich unspektakuläres Leben, allein mit ihrem Hund. Dann und wann trifft sie sich mit ihrer Schwägerin zum Essen, aber das ist es dann auch schon. Als die bei einem gemeinsamen Frühstück zusammenbricht, wird für Emily alles anders. Sie verbringt ganze Tage damit, Besuche ihrer Enkel aufwendig zu planen, sie kauft sich ein kleines Auto, lernt, die bislang noch nie erfahrene Unabhängigkeit in vollen Zügen zu geniessen. Auf einmal offenbart ihr das Leben neue Möglichkeiten. Eine alte Frau wie Emily meint jeder zu kennen, und doch wurde sie selten so einfühlsam und treffend porträtiert.

Stewart O'Nan zeigt uns ihre kräftig in alle Richtungen ausschlagenden Gefühle des Bedauerns, des Stolzes, der Trauer, der Freude in völlig überraschenden Zusammenhängen. Indem er das scheinbar Gewöhnliche als etwas Aussergewöhnliches enthüllt und sich heiter, ergreifend mit ernsten Themen wie Einsamkeit, Alter und nahem Tod befasst, schärft er den Blick des Lesers, sein Verständnis.


Ich unterstreiche:
auf einmal offenbart ihr das Leben neue Möglichkeiten. 

Vielleicht muss man ein Leben lang auf jene neuen Möglichkeiten warten. 
Auf wenn sie sich gar nie offenbaren sollten. 

Mittwoch, 11. Januar 2012

Abends auf dem Nachhauseweg

Nach der Arbeit gehe ich meistens zu Fuss nach Hause. Oftmals, wenn ich dann im abendlichen Strassenverkehr stehe und unter der Strassenlampe beim Fussgängerstreifen warte, bis ich die Strasse überqueren kann, verspüre ich so etwas wie existenzieller Ekel. Einsamkeit ergreift mich, auch wenn ich mit Kollegen unterwegs bin - darum geht es nicht.

Es ist vielmehr eine tief in mir schlummernde Einsamkeit, die sich in jenem Moment bemerkbar macht. Dieses Gefühl habe ich nur in Städten, in den Bergen passiert mir das nicht. Vermutlich deshalb, weil Berge erden und unumstösslich sind. Unerschütterlich stehen sie da und trotzen der Zeit. Abendlicher Strassenverkehr erinnert mich demgegenüber an die absolute Vergänglichkeit und permanente Rastlosigkeit. 

Dienstag, 13. Dezember 2011

nach einem anstrengenden Tag

Das war heute ein 13-Stunden-Tag, nicht einmal beim Mittagessen hatte ich meine Ruhe, da war small talk angesagt. Zu Hause angekommen will ich nur noch meine Ruhe, die Rechnungen im Briefkasten ignoriere ich für den Augenblick.

Und dann frage ich mich, ob ich einsam sei. Ich verneine die Frage, obwohl ich die existenzielle Einsamkeit sehr wohl kenne, aber darum geht es mir hier nicht. Ich denke vielmehr, dass die grösste und schmerzlichste Einsamkeit in unglücklichen Zweierbeziehungen zu finden ist, wenn dort kein Diskurs stattfindet, der auf vertrauter Basis erfolgt, wenn der Humor vom Gegenüber nicht verstanden wird, wenn, kurz gesagt, mein Gegenüber letztlich ein Fremder bzw. eine Fremde bleibt, obwohl die Beziehung seit Jahren, ja seit Jahrzehnten existiert. Ja, existiert, aber nicht gelebt wird, wenn Schweigen als Bedrohung oder als Normalzustand empfunden wird bzw. wenn vertrautes Schweigen ein Fremdwort bleibt. Und wenn abends im Bett jeder seinen eigenen Weg geht und nur noch Platz vorhanden ist für ein Gute-Nacht-Kuss ohne Berührung des Herzens, geschweige denn der Seele.