Dienstag, 28. Februar 2012

Wieder Gantenbein

Kurz vor dem Einschlafen aufgeschnappt:

Noch jede Frau, die er umarmt hatte, fühlte sich geliebt; jede aber, die er wirklich zu lieben begann, sagte ihm früher oder später, dass er, wie alle Männer, von Liebe keine Ahnung habe.
Max Frisch, Mein Name sei Gantenbein

Gute-Nacht-Lied

Wäre gerne in diesem Lied der besungene König, oh ja.

Auf dem Pissoir

In wenigen Sekunden können Erinnerungen, die zum Teil weit in die Jugend oder gar Kindheit zurückreichen, scheinbar aus heiterem Himmel aktiviert werden. Dies passiert mir vornehmlich auf dem Pissoir, wenn ich also stehend pinkeln muss und etwas zu viel Alkohol im Blut habe. Dann werden längst vergessen geglaubte oder bewusst verdrängte Bilder/Erlebnisse/Begegnungen etc. wieder höchst lebendig, besetzen mich (positiv oder negativ) mental und/oder emotional und lassen mich in andere Zeitdimensionen und, mehr noch, in andere emotionale Räume reisen. Und dann, plötzlich, wenn die Blase leer ist, ist die kurze Reise in die eigene Biographie beendet, und die Gegenwart holt mich jäh wieder ein.

So letztmals am Samstagabend geschehen, als mich ein Bruchteil der sogenannten Vergangenheit auf dem Pissoir überfallartig einholte und durchschüttelte. Meine Begleiterin sah es mir nicht an, nachdem ich von der Toilette zurück an den Tisch kam, dass ich in diesen wenigen Minuten mental auf einer weiten Reise unterwegs und dabei noch immer etwas benommen von den Bildern und den damit einhergehenden Emotionen, die sich in meinem Kopf breit gemacht hatten, war. Nein, ich verriet ihr nicht, wohin mich diese Reise (zeitlich und örtlich) hinführte, sie hätte es ohnehin nicht verstanden. Nur ich habe es sehr wohl einordnen können.

Die Gegenwart kann sehr brüchig sein. 

Montag, 27. Februar 2012

Gute-Nacht-Lied

Anna Ternheim, schon wieder. Ihre Musik berührt mich in letzter Zeit auf eigentümliche Weise.

Es ist, wie es ist

Wenn dieser Satz von Erich Fried zumindest in gewissen Lebensphasen - also höchstens temporär und nicht als in Stein gemeisselte Wahrheit!- seine Berechtigung haben mag, kann ich ihn dennoch je länger je weniger ertragen. Ich habe mich heute beim Denken dieses Satzes ertappt, mehr noch, ich habe ihn auch in einer Mail verwendet, und zwar im affirmativen Sinn.

Später, auf dem Nachhauseweg, packte mich so etwas wie Wut, indem ich dachte: Nein, das kann es nicht sein, dieses es ist, wie es ist. Denn dieser Satz, so wie ich ihn verstehe und so wie er häufig zur Anwendung kommt, ist letztlich ein defätistischer Satz, resignativ daher kommend und ohne Perspektive. Er verharrt im Hier und Jetzt und will trösten und uns sagen: lass es sein, es ist halt so, wie es ist. Das, was ist, soll sein und bleiben, wie es ist? Also: akzeptieren, was ist? Zu welchem Preis aber? Und vor allem: wem nutzt eine solche Haltung? Weil Leben Wandel bedeutet und damit das Potenzial in sich trägt, Veränderungen herbeizuführen, will ich diesen Satz nicht einfach hinnehmen.

Denn:
Können wir das wirklich wollen für unser Leben, uns mit dem begnügen, was vermeintlich ist? Wo bleiben da die Utopien, die Hoffnungen, die Perspektiven? Mir ist das trotzige genug ist nicht genug eines Konstantin Wecker dann doch lieber, weil es -durchaus mit einem Hauch Pathos und Naivität- etwas Rebellisches in sich trägt, das die sogenannten Tatsachen nicht akzeptieren will und damit eine Hoffnung in Gegenwart und Zukunft transportiert, indem es uns sagt: probiere es aus, lass dich nicht klein kriegen!

Ich weiss bzw. ahne aber sehr wohl, dass ich mich wieder werde erwischen lassen von diesem es ist, wie es ist, weil es irgendwie auch bequem ist und uns von einem aktiven Handeln -Handeln auch gegen Widerstände, innere wie äussere!- entbindet. Umso mehr werde ich diesen Satz und die mit ihm einhergehende Resignation trotzig ins Pfefferland wünschen, so ich die Kraft dazu haben werde.

Alternativ könnte man den Satz wohlwollend annehmen im Sinne von: ich akzeptiere in Demut, was ist, namentlich aus Liebe. Doch dies genügt mir einfach nicht, es sei denn, man könne mich vom Gegenteil überzeugen.
**
Nachtrag (Danke, Paderkroete):
es ist, was es ist.
Ich verstand aber (jetzt, nach kurzem Nachdenken, aus mir bekannten Gründen): wie es ist.
Ich versöhne mich mit dem Originalsatz von Fried und merke, dass ich so etwas wie einen freud'schen Versprecher begangen habe, was einiges über mich aussagt. Nun dann!
Ein Freud’scher Versprecher (nach Sigmund Freud), auch Lapsus linguae genannt, ist eine sprachliche Fehlleistung, bei der ein eigentlicher Gedanke oder eine Intention des Sprechers unwillkürlich zu Tage tritt.

Heute Morgen 4 Uhr : Morgestraich - vorwärts marsch!

Der heutigen Morgenpresse entnommen:

Ungefähr 2 Grad kalt und trocken wars, als im Basler Stadtzentrum die Strassenbeleuchtung erlosch und ein Raunen durch die Menschenmenge (mehrere Zehntausende) ging. Die Tambourmajore riefen «Morgestraich - vorwärts marsch!», und die Cliquen begannen, im Takt der Trommel- und Piccolomärsche ihren prachtvoll leuchtenden Laternen durch die Strassen zu folgen.

Gelebte und tradierte Kultur. Wer noch nie dabei war, muss es mindestens einmal erlebt haben.

Sonntag, 26. Februar 2012

Gute-Nacht-Lied

Subtile Klänge zum Einschlafen eines begnadeten Musikers. Grossartig.

Wer A sagt....

Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war, zitiert Miss Passiflora Bertolt Brecht.

Ja, das mag absolut zutreffend sein. Nur muss im gleichen Atemzug die Frage aufgeworfen werden, warum jener, der einsieht, dass A. falsch war, in einem ersten Anlauf
dennoch das sogenannt Falsche gesagt hat. Aus Irrtum? Aus Leichtsinn? Oder vielleicht auch deshalb, weil er intuitiv A. sagen musste, um etwas in Erfahrung zu bringen (über sich selbst oder über andere), um etwas zu lernen, das ihn weiterbringt? Und das vermeintlich falsche A kann in einer bestimmten Lebenssituation durchaus richtig gewesen sein.

Wer nichts riskiert, gewinnt nichts. Und wer in seinem Leben nie stolpern will, der soll kriechen - denn nur dann wird er 
nie ein falsches A sagen und damit nie stolpern. Ich meine: lieber A. sagen auf die Gefahr hin, sich zu irren, als schweigend und in Knechtschaft stets das Richtige tun zu wollen. 

Samstag, 25. Februar 2012

Was ist Glück?


Glück, Glückssuche, Glücksmomente....zur Zeit lese ich viel Wilhelm Genazino. Ich habe ein interessantes Gespräch mit Genazino hier gepostet. Wer Zeit und Lust hat, dem kann ich diese Sendung wärmstens empfehlen. 

Pro Kuh 5300 Franken

Lieber gibt die Schweiz pro Bauernhof 51'000 Franken aus. Pro Kuh sind das 5300 Franken: Drei Kühe sind heute der Schweiz gleich viel wert wie eine Studentin oder ein Student. Und das im 21. Jahrhundert...

schreibt die Basler Politikerin und Parlamentarierin Anita Fetz. Nun, die Zahlen habe ich nicht nachgeprüft und lasse sie mal so stehen. Wir Schweizer mögen aber ganz offensichtlich Kühe, die geben immerhin Milch her für die Butter- und Käseproduktion. Studierende haben da einen schwierigeren Stand und rentieren halt etwas weniger, zumindest während ihrer Ausbildungszeit, deshalb der Wettbewerb zwischen ihnen und den produzierenden Kühen um die knappen Finanzen. 

Ich nehme das Ganze mal achselzuckend zur Kenntnis und stelle fest, dass das Absurde allgegenwärtig sein kann. 

Baumelnder Haarzopf

Heute Morgen beim Joggen überholt mich eine junge Frau in rasantem Tempo. Ich schaue ihr nach und bin fasziniert von ihrer Grazie und ihrem baumelnden blonden Haarzopf, der sich rhythmisch hin und her bewegt und meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Sie schaut mich liebevoll-keck an und lächelt dabei, doch mit ihrem Tempo kann ich nicht mithalten, zumal ich in jenem Moment seit rund 45 Minuten unterwegs bin. Ohnehin, so denke ich mir, erinnere ich sie wohl an ihren Daddy, so lasse ich es lieber sein und nehme an diesem spontan inszenierten und unausgesprochenen Wettlauf nicht teil. Und während ich noch sinniere und in zügigem Tempo laufe, sehe ich sie und ihr baumelnder Zopf schon bald nicht mehr. Schade. 

Freitag, 24. Februar 2012

Einfach ein Abendessen

Heute Abend bekoche ich sie und öffne zum Essen einen schweren Burgunder. Ich will einen gemütlichen Abend, mehr nicht. Nur keine falsche Nähe zulassen, die man spätestens am darauffolgenden Morgen bereut. Kerzen werde ich daher keine anzünden. 

Donnerstag, 23. Februar 2012

Schöne Grüsse aus Schweden

Und zum Einschlafen schlichte, schöne, besinnliche Töne. Was ich diese Nacht wohl träumen werde?












Tun, was richtig ist

Notiert vor dem Einschlafen: 
Man soll sich nie von der Moral daran hindern lassen, zu tun, was richtig ist.

Tagesbilanz

Bilanz des heutigen Tages: durchzogen.
Beruflich zufriedenstellend (namentlich eine erfolgreiche Sitzung, d.h. eine mit handfesten Resultaten, was leider nicht der Normalfall ist), privat soweit okay (etwas zu viel Wein getrunken, Mittags ungesunde, aber feine Kost, wenig körperliche Bewegung, Sex=0, abends Übelkeit, danach wieder einmal in der Badewanne gelegen bei einem Lavendelbad. Jetzt dafür umso müder).

Anders gesagt: die Banalität des Alltags durchlebt, ohne dass irgend etwas Nennenswertes passiert wäre. Morgen werde ich meine Tochter an den Kinderumzug begleiten und ganz offiziell den Narren spielen können. 

Mittwoch, 22. Februar 2012

Der Sapperlot-Mann von Anna

Anna scheint sich am Samstag in Wien mit einem (Fernweh?)Schweizer, genauer: mit einem Berner treffen zu wollen.

Die Indizien sprechen ganz klar dafür, denn wer sagt schon "Sapperlot"?! Eben.

Also, liebe Anna, überrasche den Sapperlot-Mann Deinerseits mit einem urberndeutschen Liebessong von Polo Hofer. Wetten, dass er Dir spätestens nach den ersten Takten begeistert zurufen wird: Sapperlot, Anna, wohär kennsch Du das? Eben. Und ja, viel Spass!

Verbundenheit und Schmerz

Morgenrot hat, einmal mehr, einen schönen und tiefgründigen Beitrag verfasst, in dem es unter anderem heisst: "Jemanden lieben, tiefe Zuneigung verspüren, ist nicht abhängig vom Handeln des geliebten Menschen. Sie bleibt, weil das Gefühl tief im Inneren ist, zu einem gehört und nicht danach fragt, ob gewollt oder gebraucht. Es bleibt einfach in seiner ganzen Intensität und fühlt sich gut an". Ja, das kann ich unterschreiben, nur dass ich bezüglich der damit einhergehenden Gefühle andere Erfahrungen mache: es fühlt sich nicht immer gut an. Manchmal fühlt es sich im Gegenteil einfach nur verschissen an, dass man es abwählen möchte, diese tiefe und vom konkreten Handeln der geliebten Person unabhängige Zuneigung. Heute Abend verspüre ich diesbezüglich eine seltsam anmutende Leere ohne Verzweiflung. Dafür bin ich dankbar.

Dienstag, 21. Februar 2012

Joggen

Joggen als Therapie - nach einem anstrengenden Tag eine knappe Stunde im Wald joggen -auf teilweise gefrorenem Boden- tut einfach nur gut. Ich habe mich ausgekotzt (Pardon) und sah knapp vor 18 Uhr die Abendsonne, die wie ein Feuerball über dem Wald hing. Da atmete ich tief durch und versöhnte mich mit dem heutigen Tag.