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Sonntag, 8. November 2015

Vom Montag zum Sonntag

Aufstehen,
Strassenbahn,
Büro,
Essen,
Arbeit,
Essen,
Schlafen,
Montag,
Dienstag,
Mittwoch,
Donnerstag,
Freitag, Samstag, Sonntag,
immer derselbe Rhythmus -
das ist sehr lange ein bequemer Weg.
Eines Tages
aber
steht das Warum da,
und mit diesem Überdruss,
in dem sich Erstaunen mischt,
fängt alles an
Albert Camus

Donnerstag, 7. November 2013

Albert Camus

Heute vor 100 Jahren geboren: Albert Camus.
Und ich lese im heutigen Feuilleton der NZZ:

(...)
immer im Wissen und mit der Trauer um das Vorläufige menschlicher Existenz; doch immer auch mit der Gewissheit, dass wir nichts anderes haben, was deshalb auch Quelle der Freude und der Erschütterung durch die Erfüllung im Augenblick sein soll.

Ich unterstreiche es doppelt und dreifach mit gelbem Stabilo Boss.
Und ich nehme ihn wieder hervor, l'homme révolté. 
Es tut gut, ja es tut so gut, ihn zu lesen.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Jennifer

Zufällig im Netz gefunden.
Und geheult wie ein kleines Kind.
Ich muss
ganz offensichtlich
dünnhäutig sein.

Albert Camus:
Die höchste Form der Hoffnung ist die überwundene Verzweiflung.

Und noch dies, weil es meine aktuelle Stimmung unheimlich exakt erfasst

Donnerstag, 1. November 2012

Entfremdung

Unterwegs notiert:
Am Abend holte Maria mich ab und fragte mich, ob ich sie heiraten wolle. Ich antwortete ihr, das wäre mir einerlei, aber wir könnten heiraten, wenn sie es wolle. da wollte sie wissen, ob ich sie liebe. Ich antwortete, wie ich schon einmal geantwortet hatte, dass das nicht so wichtig sei, dass ich sie aber zweifellos nicht liebe 
Albert Camus, der Fremde

Hier spricht nicht jemand, dem alles gleichgültig ist.
Vielmehr ist es Ausdruck purer Entfremdung.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Der Fremde

Notiert beim Lesen im städtischen Bus:
Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiss es nicht. Aus dem Altersheim bekam ich ein Telegramm: «Mutter verschieden. Beisetzung morgen. Vorzügliche Hochachtung.» Das besagt nichts. Vielleicht war es gestern.
Albert Camus, der Fremde

Montag, 31. Mai 2010

das kurze Glück des Moments

Spätnachmittags, die Sonne scheint für einen kurzen Moment, ansonsten viele Wolken, windig. Meine Stimmung entspricht ziemlich genau der aktuellen Wetterlage.

Vor allem: ich fühle mich leer, nicht hoffnungslos, aber müde in einem umfassenden Sinn. Wenn ich Leere empfinde, kann ich auch nicht schreiben, alles ist blockiert, das strukturierte Denken fällt schwer. Mögen all meine Wünsche in Erfüllung gehen: gut gemeinte, standardisierte Sätze, die Trost zu spenden versuchen. Allein, ich glaube je länger je mehr, dass das glückliche Leben (stark individuell und im umfassenden Sinn verstanden) schwer zu finden und vor allem selten ist. Anhaltendes Lebensglück gehört ins Reich der (kindlichen?) Phantasie, daher bereite ich mich darauf vor, (wieder vermehrt) das Glück des Moments schätzen zu lernen, kurze, euphorische Augenblicke zu erleben, die allesamt in eine vorübergehende Zufriedenheit münden (wäre dies allenfalls das Lebensgefühl Drogenabhängiger?), da jene Augenblicke eben Augenblicke sind und keinen anhaltenden Charakter haben, vielmehr entziehen sie sich unserer Existenz, kaum sind sie aufgetaucht, einer Sternschnuppe oder einem Regenbogen gleich.

Um wenigstens kurze glückliche Momente zu erleben, braucht es viel Selbstreflexion und Selbstbeobachtung: was macht mich tendenziell glücklich, was unglücklich? Weshalb bin ich in jenen Situationen glücklich, in anderen nicht? Aber auch: akzeptieren, dass Glück letztlich ein Geschenk und ein Mysterium ist, es kann, wie A., aus dem Nichts plötzlich auftauchen, um alsbald wieder im Nichts zu verschwinden (das liest sich jetzt so locker, in Wahrheit ist es eine Erfahrung, die auch weh tut). Dazu kommt: der Mensch kann nicht alles, seine Macht ist endlicher Natur. Kann ein zufriedenes Leben auch gelebt werden jenseits von Glücksgefühlen? Camus kommt mir in den Sinn, der dazu aufrief, uns (selbst) Sysiphus als glücklichen Menschen vorzustellen. Ich gestehe, dass ich noch nicht so weit bin, mir diese Vorstellung definitiv anzueignen (zeitweise aber schon, wenn ich gänzlich niedergeschlagen bin). Noch rebelliere ich zeitweise dagegen - allein, wie lange noch?

Doch selbst die kurzen Momente des Glücks sind rar, wenigstens in meinem Leben. Wenn meine Tochter über die Schönheit eines Falters strahlt, macht mich dies glücklich. Es gäbe noch andere Beispiele, gewiss. Aber ich merke, dass mir dies alles doch nicht genügt, ich möchte mehr vom Leben. Werde ich es vorfinden, dieses spezifische Glück, das eben doch etwas länger anhalten sollte als bloss einen Augenblick? Diese Frage treibt mich an und führt mich zeitweise an den Rand der Verzweiflung.