Samstag, 2. Februar 2013

Von Seelenruhe und Seelenfrieden

Anonym kommentiert und fragt:
Kommen in der Oper auch innere Ruhe und innerer Frieden vor?

Seelenruhe?
Seelenfrieden?
Der Zugang zum den inneren heiligen Raum?
Ein Wissen, das weit tiefer als Gefühle geht?
(...) 
Bestärkst Du Deine Tochter auch darin durch Türen zu gehen, die dem Begreifen über den Intellekt verschlossen sind?

Mozarts Musik öffnet uns einen Raum, dessen innere Architektur uns immer wird verschlossen bleiben, weil sie sich letztlich einer rationalen Betrachtung immer wieder zu entziehen vermag. Wir ahnen zwar, dass hier "etwas" ist, das weit über das hinausgeht, was wir üblicherweise in der Musik wahrnehmen und durch all unsere Sinne erleben können. Ja, ich gehe so weit zu sagen, dass bei Mozart der Schlüssel zum Zugang zum inneren heiligen Raum, wie Du so treffend und schön formulierst, vorliegt. Man muss ihn nur aufnehmen und das Schloss betätigen, um Zutritt zu erlangen. Manche mögen Mozart -oder überhaupt Musik- nur oberflächlich zur Kenntnis nehmen, weil sie nicht gelernt haben, sich jenem inneren Raum zu öffnen: nur wer über einen Empfänger verfügt, wird auch die Signale zu registrieren vermögen. Umso mehr müssten Kinder möglichst früh mit Musik konfrontiert werden, weil Kinder noch ganz offen sind und unmittelbaren und ungefilterten Zugang zu ihr finden.
Manche sagen, Mozarts Musik sei göttlich. Ich kann damit wenig anfangen und spreche lieber vom Mysterium, das wir durch seine Musik erahnen können. Gewiss, die Musik etwa eines J.S. Bach vermag Ähnliches zu vollbringen. Und doch glaube ich, dass die Seele des Menschen in der Musik Mozarts ihren adäquaten, ja vollkommenen Resonanzraum gefunden hat und darin badet, leidet und triumphiert.

Und noch dies:
Der Gorilla, der den kompliziertesten Computer erfindet und bedient, ist mir durchaus geläufig. Aber der Gorilla, der die g-moll-Sinfonie von Mozart schreibt (...), gibt es nicht.
N. Hornoncourt

Kommentare:

  1. Ja, sehe ich auch so.
    Wobei Musik natürlich nur e i n Zugang unter sehr vielen ist.

    Den Begriff Göttlichkeit lehne ich nicht ab. Es ist ein Wort, ein Platzhalter für jenes Unbenennbare, wie Mysterium es auch ist -

    Große Künstler werden davon durchströmt; es fließt in sie hinein und wieder aus ihnen heraus, sie sind in Berührung damit...womit auch immer....
    Wen wundert's, dass wir "seelig" sind, wenn unsere Seele sich darin wiedererkennt, wenn wir sie lassen.

    Ja, es ist gut, seine Kinder dafür sensibel und offen zu halten.

    LG

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  2. Ich liebe die Musik von Mozart (wer liebt sie nicht) und habe sie noch nie verstandesmäßig analysiert. Würde nicht viel bringen, weil das, was ich bei hören erlebe viel weiter reicht...
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  3. Musik, wirklich gute, ernsthafte Musik ist immer ein Seelenbild. Wie schön, die Resonanz zu spüren und mich dann auch eins zu fühlen mit dem, der die Musik geschaffen hat! Wer mich in dieser Hinsicht am meisten berührt? Rachmaninov, Klavierkonzert No. 2.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag, B.

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    1. Liebe B.
      Rachmaninov...ist für mich schwere Kost. Ich muss in der Stimmung sein, um mich dieser Musik stellen zu können. Ich bleibe unberührt von ihr, merklich distanziert. Meistens zumindest.
      LG

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