Samstag, 27. August 2011

eigentlich...

Heute morgen habe ich für ein Weilchen die Wohnung ganz für mich. Ich geniesse die absolute Ruhe, und die Balkontüre ist weit offen, damit die kühle Luft (endlich!) die viel zu warmen Räume abkühlen kann. Und ich lese mich kreuz und quer durch meine Bücher. Kafka lasse ich zur Zeit ruhen, zu labyrinthisch sind mir seine Zeilen in diesem Augenblick.

Stattdessen:

Eine kleine widerliche Unruhe verhindert, dass ich einschlafen kann. Vermutlich habe ich doch wieder ein bisschen Angst vor dem Augenblick, wenn Traudel die Wohnung betritt. Obwohl ich weiss Gott lange genug mit ihr zusammenlebe fürchte ich immer noch, dass ich eine dauerhafte Anwesenheit eines Menschen eigentlich nicht aushalte. Auf diesem eigentlich beruht das halbe Leben! Ich habe den Beruf eines Wäschereigeschäftsführers, aber eigentlich drängt es mich nach ganz anderen Dingen. Ich lebe in einer grossen dreckigen Stadt, aber eigentlich möchte ich ganz woanders leben. Ich lebe mit Traudel zusammen, aber eigentlich...nein, diesen Gedanken traue ich mich nicht zu denken. Und ich habe ihn doch schon gedacht. Prompt ist es wieder soweit: Ich muss eine Katastrophe anschauen, ohne sie zu verstehen.

das Glück in glücksfernen Zeiten, dtv München, 2009, S. 18

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