Sonntag, 4. Juli 2010

Vom Schreiben

Wenn ich einen Text zu schreiben beginne, weiss ich im Grunde der Dinge nicht, wohin mich die Reise jeweils hinführen wird. Natürlich beginne ich das Schreiben mit einem Grundgefühl (Angst, Trauer, Freude, wie auch immer), entsprechend gefärbt wird der Text dann auch ausfallen. Aber das effektive Endergebnis ist mir beim Auftakt des Schreibens nicht bekannt, ebenso wenig die Selbsterkenntnis, die ich aus meinen eigenen Texten allenfalls gewinnen kann - wenn es denn überhaupt eine Selbsterkenntnis gibt (was an sich Ziel des Schreibens wäre). Meine Texte können mich auch ratlos zurücklassen, aber ich bin in jedem Fall erleichtert, wenn ich meinem Drang folge und schreibe. Dies ist auch heute Morgen nicht viel anders.

Meine Tochter ist für zwei Wochen an der Ostsee mit ihrer Mama. Ich werde während dieser Zeit arbeiten und meinen Alltag so gut wie möglich gestalten. Danach werde ich Ferien machen und mit meiner Tochter nach Sils-Maria fahren. Ich habe die Absicht, dort an einer Schreibwerkstatt, die jeweils morgens unter der Leitung der Schweizer Schriftstellerin Gabrielle Alioth stattfinden wird, teilzunehmen. Einen besseren Ort kann ich mir für eine solche Tätigkeit nicht vorstellen. Meine Tochter wird in der gleichen Zeit vom hoteleigenen "Kindergarten" betreut werden, nachmittags werden wir dann zusammen wandern gehen, Spielplätze hoch in den Alpen aufsuchen, Teile des Bergells durchwandern, im Fextal nach Rehen und anderen Waldtieren Ausschau halten, Musik hören, spielen, vorlesen, malen, dem Geläut der Pferdekutschen zuhören, im wunderbar kühlen Silsersee baden...neuerdings darf sie abends mit mir auch in die Hotelbar kommen - selbst dort wimmelt es im übrigen von Kindern in ihrem Alter, auch abends :-).

In den letzten Tagen verspürte ich intensive Glücksgefühle, welche andauern. Ich geniesse dies und bin unendlich dafür dankbar, meiner Seelenverwandten begegnet zu sein.

Kommentare:

  1. Lieber Peter,
    zwei auffallende Dinge:
    1. Deine Beschreibung des Schreibens vollziehe ich oft nach. Liest du gelegentlich deine Blogeinträge? Ich eigentlich zur Zeit nicht. Der Erkenntnisgrad sollte sich einstellen, den ich im übrigen in weitaus größerem Maße bei Kommentaren verspüre. Da kommt für mich eine ganze Menge rüber.
    2. Glückwunsch, du feierst ein freudiges Ereignis. Beziehst du die Glücksgefühle ausschließlich darauf?
    Lieben Gruß
    autumn

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  2. Lieber autumn
    1. Wenn ich schreibe, befreie ich mich. Im Idealfall komme ich dabei einen (wenn auch nur kleinen) Schritt weiter in Richtung Selbsterkenntnis. Kommentare sind mir natürlich auch wichtig, sie können weiterführen, im besten Fall "beunruhigen" und damit anstacheln, weiter nachzudenken.
    2. Die Glücksgefühle führe ich vor allem darauf zurück, richtig, aber ich geniesse auch sonst den Augenblick, und sei es auch dann, wenn ich den Kühlschrank reinige. Glücksmomente sind ein Geschenk. Was ich zusehends lerne: die Frage nach der Zukunft nicht mehr zu stellen. Es geht letztlich nur um das Hier und Jetzt, Zukunft ist im Grunde der Dinge eine Chimäre.
    Ich wünsche Dir eine gute Zeit, liebe Grüsse, Peter

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