Donnerstag, 8. Juli 2010

Spätabends

Heute Abend habe ich wieder dieses spezifische Gefühl von Traurigkeit in mir. Ist es wirklich Traurigkeit, oder ist es vielmehr Melancholie? Wenn ich das Gefühl näher beschreiben müsste, muss ich nach Worten und Erklärungen ringen. Was es nicht ist kann ich dagegen benennen: es ist keine depressive Traurigkeit, es ist auch keine verzweifelte Traurigkeit. Es ist vielmehr ein nachdenklicher Zustand über meine (aktuelle) Lebenssituation. In Verbindung mit meiner Sehnsucht ergibt sich daraus ein Gefühl, nicht in seiner Mitte zu sein, das Gefühl, dass etwas ganz Elementares nicht in meiner Nähe ist, das Gefühl (einmal mehr, ich mag es nicht!), den Zug zu verpassen, das Gefühl, etwas Vorgefundenes nicht aufnehmen zu können - kurzum und salopp formuliert: das Gefühl, den Lottoschein mit den 6 richtigen Zahlen nicht einlösen zu können. Ich grüble nun nicht darüber nach, ich stelle meinen emotionalen Zustand einfach fest, ich kann ja dieses Gefühl nicht einfach per Knopfdruck abbestellen.

Ich weiss sehr wohl, dass ich mich immer wieder selber widerspreche, indem ich im Zusammenhang mit meiner Sehnsucht vielfach auch von Demut und Akzeptanz spreche, doch kann ich diese Haltung nicht immer einnehmen, es packt mich manchmal schlicht diese Traurigkeit, die ich in solchen Momenten auch gar nicht deckeln mag, weil sie sonst im Untergrund munter weiter brodelt. Lieber lasse ich sie zu, ohne sie zu verdammen. Ich muss lernen, mit ihr umzugehen (statt sie verdrängen zu wollen mit Durchhalteparolen), ja diese Traurigkeit als Teil meiner Selbst zu akzeptieren.

Ganz abgesehen davon: nur wer die Traurigkeit kennt, wird die fröhlichen Momente des Lebens angemessen zu schätzen wissen.

Kommentare:

  1. Es erstaunt mich immer wieder, wie Du mit wenig Worten sowviel Gefühl beschreiben kannst!

    Ich wünsche Dir viel Kraft!

    Herzliche Grüsse.
    Geneviève

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  2. Danke für die Blumen :-), auch Dir alles Gute!

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