Sonntag, 17. November 2013

Liebessehnsucht

Liebessehnsucht, 
die Krankheit, 
die man selbst engen Freunden verschweigt, 
für die es keine mildernden Umstände gibt, 
auch kein aus dem Lateinischen abgeleitetes Wort, 
ein Krebs mit unsichtbaren Metastasen in Augen, 
die einen Blick suchen, 
Händen, die zwei andere Hände vermissen. 
Bodo Kirchhoff, die Liebe in groben Zügen, S. 429. 

Was gäbe es da zu ergänzen?
Vielleicht dies
dass dieser Krebs,
so es einer ist,
universal ist
und dem Menschen innewohnt,
ihm auferlegt wird,
ein Leben lang,
eine Sucht, vielleicht,
gegen die es garantiert
keinen erfolgreichen Entzug gibt.
Und wenn der kalte Entzug einsetzt,
wird die Sucht nur noch schmerzhafter,
unerträglicher, wir ringen nach Luft,
Freier Fall ins Nichts.
Und gäbe es eine Chemotherapie
gegen diesen Krebs,
wer wollte
dennoch
nicht
auf ihn verzichten?

Kommentare:

  1. Und nicht einmal eine feste Partnerschaft ist ein wirksames Heilmittel dagegen...

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    1. interessante Aussage - ist sie demzufolge so süchtig machend, diese Liebessehnsucht ?

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    2. Manchmal denke ich, es ist eine Sehnsucht, die von einem anderen Menschen gar nicht gestillt werden kann. Vielleicht ist es eine Sehnsucht, die weit über unsere irdische Existenz hinausweist (ohne dass ich sie jetzt religiös verbrämen möchte).

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    3. Ich möchte übrigens noch ergänzen, dass der Kommentar von 07:16 Uhr noch nicht dastand, als ich meinen verfasst habe. :-)

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    4. ...offenbar folgten wir aber einem ähnlichen Impuls.
      :)

      LG Gerlinde

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  2. Es wohnt eine tiefe Sehnsucht im Menschen,
    die das Göttliche selber ist.

    Gott drängt in uns zur Entfaltung und zum Erwachen. In uns Menschen stellt sich das Erwachen des Göttlichen dar als Verlangen nach Geborgenheit, Sicherheit und Heimat.

    Es ist die Sehnsucht, heim zu kommen, den Platz zu finden, wo alles gut ist, wo man geliebt und angenommen ist.

    Der Mensch erfährt aber sehr bald im Leben, dass kein Mensch dem Menschen diese letzte Sicherheit geben kann, auch nicht der liebste. Es bleibt diese unüberbrückbare Trennung, diese Heimatlosigkeit, bis er sein wahres Selbst gefunden hat, besser, bis sein wahres Selbst durch alle Verkrustungen und Fehlentwicklungen hindurchbrechen kann.

    Menschen machen sich also auf den Weg zu Gott, weil sie diese tiefste Sehnsucht in sich tragen, die letztlich die Sehnsucht Gottes nach sich selber ist.

    Willigis Jäger (* 1925)

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