Donnerstag, 14. März 2013

Randnotizen aus dem Alltag

Was mir heute Abend nach dem heutigen Tag so alles durch den Kopf geht (unstrukturierte Wiedergabe, da meine Gedanken ebenso undiszipliniert im Kopf herum schwirren):

  • Der neue Chef des Investment Bankings bei der UBS erhält als "Antrittslohn" (wie bitte??) die bescheidene Summe von 25 Mio Franken. Das sei branchenüblich, lese ich in den Wirtschaftsnachrichten. In welcher absurden Welt leben die dort? 
  • Der Herr Steinbrück setzt sich neuerdings und wortgewaltig für den Mindestlohn ein von 8.50 Euro die Stunde. Ausgerechnet Steinbrück, der ihn in den Jahren zuvor ablehnte. Jetzt, als Möchtegern-Bundeskanzler, ist er, oh Wunder, dafür. Steinbrück, ein Wendehals und Opportunist ohne Rückgrat. 
  • Politik ist für mich ein notwendiges Übel. Morgens beim Frühstück und später im städtischen Bus lese ich nur am Rande politische Berichterstattung. Weit interessanter ist das Feuilleton. Das lenkt mich auch ab und lässt mich vor allem abtauchen in andere Welten. Manchmal bin ich ein Weltflüchtiger. 
  • Ich liebe es, morgens durch die städtischen Gassen zu schlendern, weil ich dann die Zeit so intensiv zu spüren glaube und wie sie mir davon läuft und ich ihr bloss noch nachhechle. Manchmal, wenn ich Zeit habe oder ich mir die Zeit nehme, sitze ich gegen 10 Uhr immer in derselben Kneipe und bestelle meinen Espresso mit einem Glas Wasser. Mein ehemaliger (und in der Zwischenzeit pensionierter) Deutschlehrer sitzt meistens auch dort, so dass wir uns vornehmlich über literarische Neuerscheinungen unterhalten können. Und wenn ich dann auf die Uhr schaue und ich mich von ihm verabschiede, kann es gut und gern 11 Uhr sein. 1 Stunde Kaffeepause, die ich mir im Grunde der Dinge gar nicht leisten kann. Ich tue es trotzdem, so unvernünftig wie ich bin.
  • In mir sitzt eine tiefe (und letztlich diffus bleibende) Sehnsucht, die, ich weiss es genau, nie zu stillen sein wird. Eher müsste ich sie zu zähmen versuchen.
  • Ende Monat etwas mehr Geld auf dem Konto zu haben wäre nicht schlecht. Gelingen will es mir aber nicht. Dann tröste ich mich mit der Einsicht, dass ich noch mehr Steuern bezahlen würde
  • Die Menschen in unseren Breitengraden sind in der Regel humorlos, genauer: sie wollen für sich sein. Im Café, im Bus, wo auch immer. Ein spontanes Schwätzchen kommt selten zustande.
  • In einem Zimmer meiner Wohnung liegen Bilder von mir herum, die mich als Kind zeigen. Manchmal schaue ich sie mit einem Lächeln an. Melancholisch werde ich jedoch nie dabei, zum Glück. Meine Tochter mag die Bilder und sagt mir immer wieder, wie sehr wir uns gleichen. Sie weiss, was ich gerne höre. 
  • Ich sträube mich oftmals, abends rechtzeitig ins Bett zu gehen. Lieber hänge ich noch etwas herum, lese hier und dort, höre Musik oder spiele Gitarre, schreibe oder starre in die dunkle Nacht. Vermutlich aus Angst, im Schlaf irgend etwas zu verpassen.
  • Morgen ist Freitag....ich freue mich auf das Wochenende. 

Kommentare:

  1. Diese Randnotizen gefallen mir sehr gut.
    Ich überlege mir gerade, ob ich nicht
    jeden Tag so beenden möchte. Es ist ein
    toller Ablauf des Tages.
    Abendgrüße schickt dir
    Irmi

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  2. Zu dem einen Punkt: Heimweh haben und nicht wissen, nach was.........kenn ich auch- und einige andere Punkte, wie das mit dem Lieberlesen von Kultursachen...
    Gruß von Sonja

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    1. Liebe Sonja, genau oder ähnlich ergeht es mir: Heimweh ohne klare Destination.

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    2. wie in verkehrte Zeit gesetzte Romantiker?

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  3. Zu dieser Sehnsucht las ich eben gerade im Zeitmagazin, dass alle Menschen sie in sich tragen: die Sehnsucht nach einem Leben, das sie niemals leben werden. Und es stand dabei, dass die Psychologen es für gut hielten, dass es diese Sehnsucht gebe, weil sie uns helfe, dem grauen Morgen zu widerstehen.

    Und ich lese auch lieber Feuilleton als Politik.

    Ein wundervolles Wochenende wünsche ich dir!

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    1. Das wünsche ich Dir auch, liebe Schattentänzerin. Wie gerne würde ich mit Dir eine Runde Tango tanzen.

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    2. Haben vielen Dank für die charmante Aufforderung zum Tanz, lieber Peter! Kurioserweise laufe ich tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit an einem Tangosalon vorbei, und jeden Tag wieder weckt der rauschende, rote Vorhang, der die Scheiben verhüllt, meine Lust und meine Neugier auf diesen Tanz. Allerdings liegen meine Tanzstundenkenntnisse weit zurück, und der "echte" Tango birgt wohl auch ein paar Geheimnisse, die in der Tanzstunde nicht vermittelt werden.

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    3. Liebe Schattentänzerin, in meinem Quartier hat es auch einen Tangosalon, bei dem ich immer wieder vorbei komme und dabei den Wunsch in mir verspüre, es wieder einmal zu tun, ihn zu tanzen. Ich würde Dir raten, es mir nachzutun, denn Tango, wer wüsste es nicht, ist ja viel mehr als bloss ein Tanz. Ob dessen Geheimnisse anlässlich einer Tanzstunde vermittelt werden, bleibt eine offene Frage. Es braucht dazu schon eher den richtigen Tangopartner. Und ach ja: man geht immer allein zum Tango - und geht immer wieder auch allein nach Hause. Wer dies nicht begriffen hat, hat den Tango nicht begriffen.

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