Sonntag, 3. Februar 2013

Lügen

Gefühle sind oftmals Lügen, vor allem wenn sie ihre Nahrung aus Begebenheiten vergangener Zeiten beziehen. Wir konstruieren und glauben, es sei so gewesen. Ja, wir brauchen unsere Geschichten, damit wir unserer Gefühle sicher sind. Geschichten, die wir uns zurechtlegen und ex post Gefühle -welcher Art auch immer- in sie pumpen. Nicht immer, aber oft. Je älter man wird, vermutlich umso intensiver. Wir lieben die Lüge, so wir sie überhaupt durchschauen und verwechseln sie mit Leben. 

Kommentare:

  1. Ich finde den Begriff der Lüge an dieser Stelle ziemlich hart, weil er voraussetzt, dass es im subjektiven Erleben so etwas wie Wahrheit gäbe. Doch das, was wir erleben, ist immer nur eine Konstruktion, ein Ausschnitt aus der Wirklichkeit, gefiltert durch unsere Erfahrungen, Überzeugungen, Vorlieben und Abneigungen. Das, was wir Wirklichkeit nennen, ist immer nur eine Geschichte, die wir selbst geschrieben haben. Nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart.

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    1. Lüge mag etwas hart sein, ich meinte damit, dass wir oftmals dazu neigen, das Vergangene, das wir als unsere Geschichte bezeichnen, allzu selektiv als Teil unseres Lebens anzueignen.

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    2. Aber ist es denn nicht ein Teil unseres Lebens? Etwas, das wir durchlebt und durchlitten haben, das Spuren in unserer Seele hinterlassen hat - was, wenn nicht dies, ist Teil unseres Lebens? Oder meinst du damit, dass wir über dem Schwelgen in der Vergangenheit das Erleben der Gegenwart vergessen?

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    3. Doch, es ist Teil unseres Lebens. Aber sobald wir über unsere Geschichte (bzw. über das, was wir als unsere Geschichte annehmen)nachdenken, interpretieren wir, stellen wir Mutmassungen an, und wir glauben an unsere Geschichte und damit an unsere Spuren, die wir, vielleicht, so -oder vielleicht doch ganz anders- durchlebt haben.

      Gute Nacht, liebe Schattentänzerin, ich verabschiede mich heute von Dir mit Max Frisch (aus: mein Name sei Gantenbein):
      "jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält"

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    4. Max Frisch spricht mir an dieser Stelle aus der Seele, lieber Peter, genauso wie ich deine eigenen Gedanken dazu nachvollziehen kann. Das einzige, was mich irritierte, war die negativ gefärbte Konnotation des Ganzen.

      Wobei du sicher im Sommerkönig einen großen Unterstützer fändest. Er hat sich immer gegen meine Sicht der Dinge aufgelehnt und sich dagegen gewehrt, dass ich meine Wahrnehmungen als "Geschichte unserer Beziehung" abspeichere, weil sie so stark von dem abwichen, was er selbst gefühlt und erlebt hat.

      Einen guten Start in die Woche wünsche ich dir!

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  2. Schöne Besprechung, Eure!
    Ohne Überschrift leben geht auch.
    Irgendwann ist es eh nicht mehr auseinanderzuhalten, das Lügenleben. Halte mir aber die Lebenslüge fern...

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    1. Ist sie denn....immer und konsequent fernzuhalten, die Lebenslüge - auch und gerade in den kleinen Dingen des Lebens? Lügen...kann man auch in Gefühlen, Parallelwelten und dergleichen mehr. Und viele kleine Lügen ergeben irgend wann auch eine Lebenslüge.

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  3. *Nicht was wir aufschreiben
    was wir verschweigen
    ist das Siegel auf unseren Briefen...*

    Kürzlich hier gelesen:

    http://muetzenfalterin.wordpress.com/2013/02/02/unsere-zweiundzwanzig-versuche-glucklich-zu-sein/


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