Dienstag, 29. Januar 2013

Vom einfühlsamen Freund, oder: eine kleine Polemik

Aufgeschnappt und zitiert (in: Magazin des Opernhauses Zürich, 02/Seite 12):

Das eigene Leben reflektierend und ständig bemüht, sein Handeln und Fühlen sensibel wahrzunehmen, nach aussen zu kehren und zu optimieren, hat sich der Mann auf einer ewigen Metaebene verheddert, von der er nicht wieder herunterkommt. Auf die junge Frau wirkt die neue männliche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy (...). statt fordernd zu flirten, gibt er sich als einfühlsamer Freund. Er achtet auf sich, ist höflich, lieb, immer gepflegt und gewaschen, benutzt Parfums und Crèmes, macht Diäten und hört wunderbar melancholische Mädchenmusik (...). Spiegeln gleich stehen sich die Geschlechter gegenüber und hyperreflektieren ihre Beziehung zu Tode, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Diese Zeilen stammen von Nina Pauer, der Autorin des Buches "wie wir vor lauter Kommunizieren unser Leben verpassen". Wie soll ich diesen (postfeministischen??) Beitrag interpretieren? Als Plädoyer für den starken Mann (braun gebrannt dank Solarium - Skilehrertyp für Arme), bitte sehr mit obligatem Drei-Tages-Bart und pseudo verwaschenen Jeans, lässigem Hüftschwung (gut eingeübt vor dem häuslichen Spiegel im Schlafzimmer) und mit ausrangierter Zigarette zwischen den Mundwinkeln (sie wissen schon: die Marlborowerbung von anno dazumal)? Der nicht lange fackelt (man muss ja nicht immer reden) und dessen intellektuelles und moralisches Niveau irgendwo (Ballermann?) und irgendwann (spätestens mit 16) auf der Strecke geblieben ist? Der verdammt genau weiss, was er will (und sei es bloss das eine) und auf Heavymetal oder Jürgen Drews steht?

Ich frage.
Und ich staune ein bisschen.
Gerade im Kontext der jüngsten Debatten.
Was wird eigentlich "vom Mann" erwartet?
Soll er vielleicht verschiedene Gesichter haben?
Allenfalls je nach Tages- und Nachtzeit?
Mal Macho, dann sanft, dann Vater des gemeinsamen Kindes (so vorhanden), dann Freund, dann Draufgänger, dann was denn noch?
Oder nichts von dem oder alles von dem ein bisschen?

Ich glaube schon, dass man von einer Orientierungskrise sprechen kann.
Von einer männlichen, ja - und gewiss auch von einer weiblichen.
**
Und hier noch
als Gutenachtkuss (ist das fordernd genug?), liebe Nina Pauer,
wunderbar melancholische Mädchenmusik.
I like it!

Kommentare:

  1. Die in den Ländern mit Burkas haben in dieser Richtung keine Probleme.-(Habe heute früh beim Traumperlentaucher, in meiner Blogroll, gelesen)
    Was für eine schöne Musik!
    Gruß von Sonja

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  2. Nina Pauer hat es eben nicht so mit der Metaebene, ihr Problem! Ich denke, es gibt genug Frauen, die sich über einen einfühlsam reflektierenden Partner freuen würden... - ich jedenfalls wäre so eine.
    Liebe Grüße und einen schönen Tag, Betty

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  3. Wird oder wurde das von Männern von ihren Frauen in unseren Breitengraden nicht auch erwartet: Die Mütterliche, die Kollegiale, die Geliebte und Hure usw.? von meinem Freund/Partner fände ich es auch schön, wenn er mehrere Facetten von sich zeigen könnte.

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    1. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Aber ich kann dennoch nicht dauernd switchen, mal zärtlich, dann dominant, dann lieblich, dann frivol, gelegentlich aufmerksam, dann egoistisch, später fürsorglich, darauf dem Kleinkind die Windeln wechseln, um gleich darauf Sex mit der Frau zu zelebrieren. Oder auch andersherum, vielleicht sollte der Sex am Anfang stehen, das Baby kann ja warten. Es lebe der flexible Mensch !

      Ganz schön anspruchsvoll !

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  4. Es geht ja auch nicht darum, dass alle Facetten mal in 24 Stunden dran kommen. Die Prioritäten sind natürlich gesetzt, heisst, was im Alltag gemacht sein muss, muss halt gemacht sein. Aber zwischendurch mal eine andere Seite von sich zeigen, eine Überraschende, egal welche, mal die Fantasie spielen lassen, würde keinem schaden. Ich mein ja nicht, dass du das machen sollst, aber ab und zu aus dem "eigenen Trott oder der Lethargie", auszubrechen, könnte doch wohl interessant sein. Und mal ganz ehrlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Frauen von den Männern erwarten, sich wirklich in jeder Situation anzupassen. So weit sind wir auch schon, dass wir dann mal zu uns selber sagen, er ist ja halt nur ein Mann, was wir auch gar nicht böse meinen.

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  5. Hallo Peter,
    es kommt doch nur ein megastylischer, obercooler Marlborow-Typ,der nicht zwingend braungebrannt sein muß,in Frage, also zumindest zum Kinderzeugen. Für alle anderen gewünschten Charakter- und Wesenszüge schlage ich einen jeweils passenden "Ausweichmann" vor, denn einer kann nicht alles. So einfach ist das.
    lg Kerstin

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    1. Deshalb schlage ich schon lange die Polygamie vor.

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  6. Ehrlich, diese Diskussion erreicht nicht mein Verstehen.

    Es ist doch scheißegal wer was sagt, was *die* Frauen wollen.
    Wer soll das überhaupt sein, *die*Frauen?
    Und überhaupt wen kümmert's?
    Und warum?

    Die Frau die zu Dir passt, passt zu Dir.
    So wie Du bist, bist Du prima.
    Wenn Du anders gemeint wärst, wärst Du anders.

    Wie viele Runden soll man sich hier im Kreis drehen?
    Und vor allem wozu?
    Was sollen solche Diskussionen ändern?
    Dein Leben?
    Dich?

    Komm schon...

    LG

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    1. Sich im Kreis zu drehen gehört oftmals zu meinem Leben. Zu Deinen übrigen rhetorischen Fragen will ich jetzt einfach mal schweigen.
      PS: wer bist Du?

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  7. Wer ich bin?
    Wie meinst Du das?
    Mensch, weiblich...

    Wir kennen uns nicht, wenn Du das meinst.
    Ich les' halt nur Dein Blog.
    Aber ich kann es auch lassen.
    :-)

    LG

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    1. Ich wollte nur dies in Erfahrung bringen, was Du mir jetzt geschrieben hast. Mehr nicht. Also: bleib hier - ich will Dich nicht vertreiben :-).
      Schönes WE!

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