Dienstag, 18. Dezember 2012

Am Grab und anderswo


Ich komme nicht oft zu deinem Grab. Ich weiss, dass du das auch gar nicht möchtest. Weil du ohnehin nicht da bist, wo ich dich suchen würde. Es gibt Tage, da frage ich mich, wo du sein magst. Oder ist man dann einfach ganz weg, bloss noch Erinnerung, wenn überhaupt? Ja, und dann gibt es Tage, da denke ich überhaupt nicht an dich. Heute Abend jedoch musste ich spontan an dich denken, scheinbar grundlos. Und in solchen Momenten denke ich oft an die zahlreichen gemeinsamen Episoden. Du warst schon ein schräger Vogel und bewegtest dich jenseits der Konformität. Weisst du noch, damals in Diano-Marina (immer wieder!)? Ha, und später in Berlin und Budapest. Und überhaupt, unsere Mittagessen in unserer Heimatstadt...unsere kleinen Fluchten. Du im Engadin, schlotternd. Nun, heute Abend werde ich beim Essen an dich denken, weil ich weiss, dass du just mein heutiges Essen sehr schätzen würdest. Und später proste ich dir zu, augenzwinkernd. Tout ira bien. 

Kommentare:

  1. So schön!
    Ich gehe auch kaum zu Gräbern. Dort finde ich nichts und niemanden.
    Aber ich weiß nicht, wo sie sind. Ich denke mir aus, sie seien um mich herum und überall....
    Gruß von Sonja

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  2. Sehr besinnlich...

    Die Gräber "meiner" Leute sind alle ziemlich weit weg und so komme ich selten dazu, auf den Friedhof zu gehen. Obwohl, mit Sohnemann geh ich manchaml hier bei uns. Er geht gern auf den Gottsacker - er ist immer sehr an den Kindergräbern interessiert und will wissen, woran denn die Kinder gestorben sind... irgendwie makaber, dass er das gern tut, oder?

    Bisous de la Romandie ;-)

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  3. Danke für Eure lieben Kommentare!

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  4. Ich gehe nur selten zum Grab meines Vaters. Es kommt mir acht Monate nach seinem Tod noch immer surreal vor, dass er nicht mehr da ist. Gerade jetzt fehlt er mir als kluger Ratgeber und es erschüttert mich, wenn ich seinen Namen auf dem Holzkreuz lese. Es ist auch nicht so, dass ich das Gefühl hätte, dass er mir dort näher wäre als sonst. Irgendwie seltsam. Hast Du es nach dem Tod Deines Vaters anders erlebt?

    Eine Frau mit medialen Fähigkeiten hat mir gesagt, dass es ihm sehr gut gehe, da wo er jetzt sei. Und dass wir uns eines Tages ohnehin alle wieder treffen würden. Er sei bloss vorausgegangen. Diesen Gedanken finde ich tröstlich und deshalb glaube ich daran.

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    1. Danke für Deine Zeilen. Ja, ich habe das ganz ähnlich erlebt. Nur dass ich anfänglich häufiger auf dem Friedhof war als jetzt. Weil ich es offensichtlich brauchte.

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