Samstag, 21. Juli 2012

Dialog spätabends in der Innenstadt

Ich stelle mir vor:

Innenstadt.
Regen.
22 Uhr.
Eine junge Frau quatscht mich an und will Kleingeld, um angeblich zu telefonieren.
Ich zögere nicht und gebe ihr das Geld, wortlos.
Sie bedankt sich euphorisch.
Keine 5 Minuten später eine Frau, die übel nach Alkohol riecht.
Und mich um Geld bittet.
Um zu telefonieren, rufe ich ihr zu.

Fortsetzung gemäss Option 1:
Woher wissen Sie das?
Ich sehe es Dir an - warum siezt Du mich?
(schwankt leicht) Weil Du so aussiehst.
Aha, Wie sehe ich denn aus?
(zögert) wie ein Mann, den man siezt.
Ach so. Wie viel brauchst Du für Dein Telefon?
(wie aus der Pistole geschossen) 1 Franken
Habe nur 50 Rappen.
(beinahe begeistert) oh, das ist lieb, damit kann ich kurz telefonieren.
Sonst noch Wünsche?
(zögert) kann ich bei Dir duschen? 
Du duzt mich.
Darf ich das nicht?
Doch doch. 
Nur duschen. Dann gehe ich wieder.
(zögert) ich möchte ehrlich gesagt nicht. Lieber nicht. 
Ich bin dir wohl nicht nobel genug.
Ach komm.
Bitte.
Ich bin, weisst du, nicht die Heilsarmee.
Schade (und sie zieht von dannen).


Option 2:
(...)
Nur duschen. Dann gehe ich wieder.
Ach ja?
Ja. 
(überlegt kurz) Okay. 
Wirklich?
Ja, wirklich.
Ich will aber nichts von dir.
Ich auch nichts von dir. Ich tue es aus purer Empathie.
Was sagst du?
Vergiss es. 
Was ist jetzt mit der Dusche?
Ja, ist okay.
Will aber nichts von dir.
Du wiederholst dich.
Danke, komme gerne.
Der Bus kommt. Beide steigen ein. Wortlos. 

Kommentare:

  1. Wieso würde ich zu Option 1 tendieren?
    Ganz spontan.
    Hmm.

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    1. Option 1 ist naheliegender, realistischer wohl. Ausdruck von Ängstlichkeit? Egoismus? Oder eher von Nüchternheit?

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  2. Und welche Option bevorzugst Du selbst?

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    1. Das ist abhängig von meiner Tagesform. Bin ich in guter Stimmung, dann Option 2 - vielleicht.
      Ich müsste die Situation mal ausprobieren und dann schauen, wie ich reagiere..."krieg raus, wer du bist, und schnüffle nicht Gott hinterher, denn was die Menschheit ist, begreifst du am besten...an dir" (gefunden bei Wolf Biermann, Alexander Pope (1688-1744) zitierend bzw. auf den Punkt gebracht).

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