Dienstag, 26. Juni 2012

Von der Zufriedenheit

Heute kriege ich Post, in der es sinngemäss heisst: ach komm, nimm nicht alles so schwer.
Schau um dich herum und bedenke, was alles abgeht auf dieser Welt.
Da sind doch die Probleme, die du wälzest, letztlich Luxusprobleme.

Ich kann dem gar nicht widersprechen.
Natürlich geht es mir gut, wenn ich mich mit jenen vergleiche, denen es -materiell- weniger gut geht.
Ich leide nicht an Cholera, noch schlafe ich unter Brücken, noch hungere ich.
Einverstanden.
Aber, Hand aufs Herz, soll mich diese Erkenntnis nun glücklicher machen?
Soll ich täglich frohlocken?

Auch wenn mir das alles objektiv einleuchtet
und ich sagen muss
ja, stimmt, die Menschen in Syrien oder in der Sahelzone haben andere Probleme zu bewältigen.
Es macht mich trotz allem nicht glücklicher.
So wie es wohl jenen nicht glücklicher macht,
der halbblind ist und sich sagen lässt:
dein Nachbar ist ganz blind. Sei also zufrieden mit deinem Schicksal.

Demzufolge hiesse dies:
fehlende Einsicht? Fehlende Tugend und Bescheidenheit?
Westlich-individualistische Masslosigkeit gar bezüglich "Glückserwartungen"?

Mag sein.
Doch auch diese Erkenntnis führt mich nicht weiter.
Und lässt mich doch nur im Kreise drehen. 

1 Kommentar:

  1. Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.

    Liebe Grüße,
    Nati

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