Freitag, 27. Mai 2011

Warum ich das Graue mag

.. dein Blog wird immer grauer ... Dabei dachte ich noch vor ein paar Tagen, dass ich dir wünschte du könntest das Bild (den Header) so zeigen, wie es in Wirklichkeit ist - nämlich farbig.

Ich frage mich bei schwarz/weiß Bildern oft, was den Menschen dazu treibt, freiwillig und mutmaßlich das Schöne auszublenden. Vielleicht hast du mir eine Antwort darauf?

Ein Fotograf, der hauptsächlich schwarz/weiß Bilder macht, sagte: "Grau ist die Farbe, die alle anderen in sich enthält. Nur die Mischung aus allem macht es grau. Außerdem lenkt grau von nichts anderem ab." Doch nach ein paar Tassen Kaffee und Geplauder wurde er ehrlicher und sagte, dass er sich weigerte, das Bunte der Welt zu sehen, denn es käme ihm angesichts seiner Herzschmerzen wie ein Hohn vor ...

Dabei ist es doch Trost! Peter, du beschreibst in den wundervollsten Farben die Natur, das Engadin beispielsweise - tut es nicht gut, sich an die schönen Bilder zu erinnern? Ist es nicht wundervoll zu wissen, dass die Natur uns ihre schönen Farben zeigt, ganz gleich wie gut oder schlecht wir drauf sind?
Selbst eine Stadt im Regen ist niemals ganz grau. Genauso wenig wie unser Inneres - irgendwo ist immer Licht, irgendwo ist immer Bunt - wir müssen es nur sehen wollen.

Ich wünsch dir ein schönes Wochenende, das dich mit irgendetwas Gutem und Buntem überrascht :)

Liebe Grüße,
Ju

Liebe Ju
Herzlichen Dank für Deine Bemerkungen!!

Vorerst einmal will ich gleich eines vorwegnehmen: Das Bild (Header) tausche ich gleich aus, weil ich glaube, dass das jetzige Bild in der Tat etwas suggeriert, was nicht zutreffend wäre: dass ich die Welt mit ausschliesslich pessimistischen Augen erlebe. Ich wähle neu ein Bild aus dem Bergell, dem südlich des Engadins liegenden Tal im Kanton Graubünden, aus. Es zeigt, welche wunderbaren Herbstfarben im Bergell zu bestaunen sind. Da kann ich mich jeweils beim Wandern und Sein nicht genug satt sehen. Vor allem auch: Der Herbst ist eine Phase des Übergangs. Tagsüber kann es noch schön warm sein, abends dann und in der Nacht kühlt es ab. Tagsüber scheint mal die Sonne, dann aber regnet es wieder, und ein zäher Nebel zieht auf. So mag ich den Herbst, weil er alles andere als langweilig ist - mal mit Licht, dann mit Schatten. Nach der üppigen Zeit des Überflusses bereitet sich die Natur auf härtere Zeiten vor: diese Spannung macht das Leben lebenswert.

Gleichzeitig halte ich fest: Grau empfinde ich als schöne Farbe, und nicht wenige Kleider von mir sind grau. In meiner Wohnung findest Du keine weissen Wände und Decken, sondern solche in einem sehr hellen Grau, was zum Holzboden einen angenehmen Kontrast schafft. Grau ist zwischen schwarz und weiss angesiedelt und lässt damit grundsätzlich gegensätzliche Interpretationen zu: mal neigt das Grau dem schwarzen Grundton (Pessimismus), dann aber dem weissen (Optimismus), ganz im Sinne von Goethes Farbenlehre: "Nannten wir das Schwarze den Repräsentanten der Finsternis, das Weiße den Stellvertreter des Lichts, so können wir sagen, daß das Graue den Halbschatten repräsentiere, welcher mehr oder weniger an Licht und Finsternis teilnimmt und also zwischen beiden inne steht" (Satz 249).

Je nach dem, wie ich mich mental fühle, kippt es mal auf die eine, dann auf die andere Seite. Oder aber, und dies ist meistens der Fall, bin ich im Grau zu Hause, also beheimatet, weil es in mir grau und nur grau ist, also halbschattig. Auch liege ich im Freibad lieber im Halbschatten, pure Sonne mag ich nicht. Und so ergeht es mir auch im Leben: das Grau erlaubt eine gewisse Distanz zur Welt und schützt damit vor allzu himmelhochjauchzenden Stimmungen, es soll mich aber auch daran erinnern, dass das Leben bunt sein kann und ich deshalb nicht zu Tode betrübt sein muss.

Nochmals herzlichen Dank für Deine Bemerkungen, die mich zum Nachdenken animierten und, nicht zuletzt, uns ein zauberhaftes Bild aus dem wunderschönen Bergell bescheren. Dir alles Liebe !

Kommentare:

  1. oh wow - das freut mich jetzt aber :)

    ... und nun verrat ich dir was: ich mag grau auch :))) allerdings deswegen, weil es andere Farben umso mehr leuchten lässt :)

    Am meisten gefällt mir an deinen Worten, dass du dich positioniert hast, und dir das gut zu tun scheint.

    Liebe Grüße
    Ju

    (PS: und es ist erst Freitag - das mit dem Buntem am Wochenende kommt noch :)

    AntwortenLöschen
  2. Danke !!
    Das Bunte folgt noch, dessen bin ich mir fast sicher. Am Sonntagabend gibts den Don Giovanni - hach, das wird die Seele erfreuen.
    Dir ein schönes, gutes WE! Liebe Grüsse, P.

    AntwortenLöschen