Donnerstag, 1. April 2010

Was gut täte

In einem Kommentar meint autum, ich hätte eigentlich ein schönes Leben. Nun gut, im Grunde der Dinge hat er ja Recht, mir geht es gut, ich bin gesund, meine Tochter ist gesund, glücklich (das vor allem zählt) und munter, materiell geht es mir auch gut, ich bin körperlich und geistig fit. Vermutlich führe ich ein Leben, das viele andere auch führen, unspektakulär zwar, aber soweit okay. Vermutlich führe ich in einer gewissen Art und Weise auch ein Eheleben, wie viele andere auch, nur mit dem Unterschied, dass wir örtlich getrennt voneinander leben und darüber hinaus keinen Sex miteinander haben - aber letzteres dürfte in vielen Ehen der "Normalfall" sein, nur spricht niemand gerne darüber, aus Scham vermutlich.

Was mir gut tun würde, fragt autum im erwähnten Kommentar weiter. Vordergründige Antwort:
ich habe das Singleleben (soweit ich überhaupt mein Leben als Singleleben bezeichnen kann) satt, ich möchte, wie jeder normale Mensch auch, eine Partnerin, genauer: eine Lebenspartnerin an meiner Seite haben. Eigentlich ein ganz trivialer Wunsch, nichts Extravagantes, sondern ein menschliches Bedürfnis nach Wärme uns Verlässlichkeit.

Hintergründige Antwort:
ich bin nicht naiv und weiss, dass dadurch meine existenziellen Fragen und Ängste sich nicht in Luft auflösen würden. Die zeitweise nagende Unruhe und die bisweilen kaum in Worte zu fassende Sehnsucht lösten sich nicht in Luft auf, die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod wäre nach wie vor stark präsent, die melancholische Grundstimmung bliebe auch weiterhin wohl Teil meiner Selbst - Partnerin hin oder her. Wenn ich auch dann und wann einer Frau begegne, mit der ich eine Nacht lang zusammen bin, so mag mich dies eine Zeit lang "in Laune" halten, aber danach bleibt ein schales dumpfes Gefühl zurück. Ich will über Gott und die Welt reden können, will intellektuelle Nahrung und nicht bloss "Spass", namentlich weil Spass vergänglich ist und weil "nur Spass" letztlich hohl wirkt und mich schrecklich langweilt. Und bei all dem weiss ich auch, dass meine Exfrau eine wichtige Bezugsperson bleiben wird, nur schon aus dem schlichten Umstand, dass wir ein gemeinsames Kind und damit eine gemeinsame Verantwortung haben. Und wir kennen uns seit über 20 Jahren - gemeinsam Erlebtes verbindet, das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Was übrig bleibt ist Freundschaft (Frisch): ich stelle mir einen Holztisch vor, schön und schlicht dekoriert, darauf zwei Gläser Rotwein (vorzüglich aus dem Burgenland), Schinken aus dem Piemont, Essiggurken, dunkles Brot, Käse (Appenzeller), Früchte (Birnen, Erdbeeren, Himbeeren), gute Gespräche, im Hintergrund Musik von Bach oder Mozart, sanfte Berührungen (auch nur im übertragenen Sinn) und das Gefühl, einer Seelenverwandten gegenüber zu sitzen. Ob das zu viel verlangt ist?

Kommentare:

  1. Nein Peter, das ist nicht zu viel verlangt, glaube ich nicht. Dann muss nur die Richtige noch kommen, die all diese Dinge, die du bevorzugst, auch mag...denk daran, für jeden Topf gibts einen Deckel;-)

    Ein schönes Osterfest, ein sonniges dir..

    LG; Rachel

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  2. @Rachel, danke für Deinen Kommentar. Du hast ja schon Recht, aber es kommt mir halt doch immer wieder so vor wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Oder wie die Suche nach Ostereiern :-).
    Ich wünsche auch Dir ein schönes Osterfest !

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  3. grins, also Ostereier lassen sich leichter finden...die Nadel im Heuhaufen zu suchen wird schon schwieriger...
    lächel...eine Nadel im Heuhaufen, das klingt für mich auch so, dass du die Prioritäten sehr, sehr hoch gesetzt hast, ich hoffe, diese *Nadel* wird deinen Ansprüchen gerecht...ach, du weißt schon wie ich das meine;-))

    lach, jetzt wünsch ich dir aber nicht zum dritten Mal schöne Ostern;-)))

    Aber ich danke dir!!!

    herzlich, Rachel

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  4. Lieber Peter,
    hoffentlich empfindest du meine Frage, was dir fehlt und wie es dir besser gehen könnte, nicht als zu eindringlich, investigativ. Mich machte nur betroffen, weil du so unendlich traurig wirkst. Ich weiss, wovon ich spreche, manchmal fühlt man sich untröstlich. Besonders hervorheben möchte ich deine Erwähnung "melancholisch" als Abgrenzung zu depressiv, das ist sehr wichtig. Melancholisch ist ein Wesenszug, Depression eine Krankheit. Ich denke, du - genauso wie ich - bist nicht depressiv. Ist unser Schicksal, oft im Trübsal stecken zu bleiben?
    Du findest deinen Weg, das, was jetzt so schwer ist, muss wohl sein. Wachstumsschmerzen?
    Ich höre dir weiter zu.
    Lieben Gruß
    autum

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  5. @Rachel und autum, vielen Dank für Eure Beiträge. Ja, autum, Wachstumsschmerzen, das ist eine schöne Umschreibung. Depressiv bin ich definitiv nicht, ich weiss, was eine Depression ist, davon kann bei mir keine Rede sein. Aber ich bin melancholisch, traurig, wie auch immer, aber es gibt viele Momente der Freude, Tochter und Mozart sei Dank:-).
    Liebe Grüsse und, autum, ich höre auch Dir gerne weiter zu.

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