Mittwoch, 3. März 2010

Rosenkranz

Das ist sie also, die Kandidatin, die den amtierenden österreichischen Präsidenten herausfordern will.

Was sagt uns dieses Bild? Wir sehen eine nette Dame - sie könnte unsere Nachbarin sein - die sich liebevoll um ihr Enkelkind kümmert. Eine adrette Person.

Verheiratet ist sie mit einem Mann, dessen Kleinstpartei wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verboten worden ist. Sie selber sieht sich am liebsten als mutige Mutter, die es wagt, Klartext zu sprechen. Wer die Existenz von Gaskammern im Dritten Reich anzweifelt, wird von der netten Mutter insofern unterstützt, als solche Aussagen als Teil der Meinungsäusserungsfreiheit uminterpretiert werden. Geschichtliche Tatsachen mutieren so zu Mutmassungen, Annahmen und Imaginationen.

Was besonders beunruhigend ist: die Dame dürfte, begleitet vom Gefechtslärm der Kronenzeitung, ein ganz nettes Resultat erzielen, Horrorszenarien gehen bis zu 35 % Stimmenanteil aus.

Bilder können lügen, manipulieren, in die Irre leiten.
Die Dame sieht doch so nett aus.
Ein Wolf im Schafspelz.
Braunhemden laufen kaum mehr herum.
Und betrunkene Neonazis sieht die adrette Bürgerschaft auch nicht gerne.
Aber nette Damen, die sich so liebevoll um ihre Enkelkinder kümmern und so nett lächeln, sieht man gerne. Sie könnten unsere lieben Nachbarinnen sein - allzeit bereit zu einem kleinen netten Schwatz.
Die hässliche Fratze des Faschismus kann in der Tat ganz bieder daherkommen.
Da braucht es keine Kampfstiefel mehr, keine Braunhemden und schwarze Ledermäntel.
Eine Grossmutter genügt.
ps: Anna hat mich zu diesem Beitrag inspiriert.

Kommentare:

  1. 35%???
    ich werde wieder sprachlos sein vor scham über mein volk...

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  2. Die 35% sind natürlich spekulativ, man wird sehen. Es es zu befürchten, dass "die mutige Mutter" viele Frustrierte ansprechen wird, sog. Verlierer und dergleichen mehr.

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  3. Gut, dass du das schreibst, hier in Deutschland habe ich von dieser Frau noch nicht gehört.

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  4. die 35% wurden von herrn strache prognostiziert, wie ich heute gelesen habe. ich hoffe nicht, dass das ernstzunehmen ist.

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  5. @Anna: ich hoffe es auch nicht, und Hr. Strache ist ja ohnehin nicht ernst zu nehmen. Bloss: in diesem Fall dürfte er wohl, leider, nicht ganz daneben liegen. Aber gut, wir werden es ja sehen. Aber ich befürchte, dass die Dame ein gutes Resultat erzielen wird.

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