Dienstag, 2. Februar 2010

Mut zur Entscheidung

Eine email an mich führt mich dazu, über Entscheidungen nachzudenken.

Wir sind in unserem Alltag ständig mit Entscheidungsoptionen konfrontiert: soll ich dieses tun, jenes unterlassen? Oft sind es banale Entscheidungen, die wir im Alltag treffen müssen, und oftmals entscheiden wir intuitiv und vielfach auch unbewusst. Es gibt jedoch Lebenssituationen, die eine bewusst aktive Entscheidung von uns abverlangen. Und in solchen Lebenssituationen sind wir oftmals hilflos, schieben die Entscheidung vor uns hin, verhalten uns passiv und lassen demzufolge zu, dass "die Umstände" für uns entscheiden und uns damit bevormunden. Auch in der Politik ist dieses Phänomen bestens bekannt und wird da und dort mit "aussitzen" umschrieben ("System Kohl").

Ich bin überzeugt, dass der Mensch vor allem dann leidet, wenn er nicht aktiv entscheidet und damit zum Spielball der Umstände wird. In einer solchen Konstellation sieht er sich dann auch (gerne) als Opfer der Umstände ("ich bin ein armer Kerl"). Ich kenne dieses Gefühl sehr wohl. Es ist ein, pardon, verschissenes Gefühl, ein Gefühl der Ohnmacht und oftmals auch der Verzweiflung. Ich habe lernen müssen (und muss weiter daran arbeiten), dass aktives Entscheiden die unabdingbare Grundvoraussetzung eines gelungenen Lebens ist. Ich muss und will mich bewusst für diese oder jene Option entscheiden.

Die Frage lautet nicht, was ich vom Leben erwarten darf, sondern: was erwarte ich vom Leben? In einem beruflichen Kontext habe ich diese an sich banale Erkenntnis einmal mehr erfahren dürfen/müssen. Ich werde niemandem gerecht, nicht zuletzt auch mir nicht, wenn ich passiv den Fluss des Lebens an mir vorbei ziehen lasse. Tue ich es dennoch, leide ich, treibe ich irgendwo hin und bin damit nicht Steuermann meines Lebens. Eine doch beängstigende Perspektive.

Aktiv und bewusst entscheiden heisst demgegenüber, den Weg der Freiheit zu wählen - Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit (Hegel).

Kommentare:

  1. Dein Post trifft es, vorallem als Mensch, der es allen recht machen und selbst nicht leiden möchte, entsteht in der beschriebenen Situation das Gefühl, das Leben lebt mich und nicht ich das Leben. Ohnmacht entsteht, jedoch aus einer altbekannten Situation, der Kindheit, der Konditionierung. Die Lebensaufgabe ist, dies zu erkennen. Ist es auch Lebensaufgabe, dies in jedem Falle zu durchbrechen. Bedingungslos?

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  2. @autum. Ich denke, dass die Beantwortung Deiner Frage am besten Du selbst erbringen kannst. Wie sieht es bei Dir aus bezüglich Deinem Leidensdruck? Wie gehst du mit Deiner Situation um?

    Kompromisse müssen wir alle eingehen - wie weit geht Deine Kompromissbereitschaft? Was wirst Du dereinst vermissen, wenn Du Bilanz über Dein Leben ziehen wirst: Wirst Du Deine aktiven Entscheidungen bereuen, oder jene, die Du passiv hingenommen hast?

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