Sonntag, 24. Februar 2013

Fragen vor dem Sterben

Meine alte Mutter erzählt in letzter Zeit viel über ihre Kindheit.
Über mangelnde Liebe, die sie als Kind erfuhr,
über sehr einfache Verhältnisse in einer kleinen Stadt.
Vielleicht
wenn der Tod naht
will sich die Seele darauf vorbereiten,
und der Mensch befragt sich
intensiv
nach seinem
gelebten
und ungelebten Leben
und
nach dem,
was ihn schmerzte,
freute.
Ich vermute, dass das unbearbeitete,
mithin also das verdrängte,
bisher kaum ausgesprochene und
als Defizit wahrgenommene Leben
sich in diesen Momenten
eine adäquate Sprache sucht, um sich mitzuteilen.
Zu erklären, wie es damals war oder
hätte auch sein können.
Ich höre zu, versuche zu verstehen.
Nie zuvor hörte ich diese Geschichten in dieser
intensiven Form
und in ihrer erstaunlichen Detailtreue. 

Kommentare:

  1. Lieber Peter,
    ich weiß ja nicht, wie alt Deine Mutter ist, aber ich glaube schon, dass man in höherem Alter öfter nachdenkt; über gelebtes Leben und wahrscheinlich auch über die entgangen Möglichkeiten, die einem dann in eine ganz anderes Leben versetzt hätten !
    Ich finde es schön, wenn sich Deine Mutter mit Dir darüber austauschen möchte, hör zu und behalte es in Deinem Innersten, denn irgendwann wirst Du sie nur noch in Gedanken reden hören.
    Die Zeit rennt sehr schnell dahin, ich kann es aus Erfahrung bestätigen.
    Liebe Grüße
    Jutta

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    1. Liebe Jutta, Danke für die lieben Zeilen. Meine Mutter ist 90 Jahre alt...und ist bei bester Gesundheit.
      Herzlich. P.

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    2. "90 und bei bester Gesundheit" da will ich mal gratulieren.
      Da gibt es einige Jahre auf die sie zurückblicken kann, In den letzten 90 Jahren gab es ja auch einen gewaltigen Wandel in unser aller Leben. Ich bewundere Menschen die das alles er- und überlebt haben.

      lieben gruss
      sue

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