Montag, 6. Februar 2012

Was Sterbende bereuen

Ich bin heute in der Tagespresse auf den Blog von Bronnie Ware, einer australischen Pflegefachfrau, aufmerksam geworden. Sie hat in intensiven Gesprächen Sterbende in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet und darüber Protokoll geführt. Dabei ging es in den Gesprächen darum, die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, zu ergründen.
In ihrem Blog hat sie die Ergebnisse ihrer Ergebnisse veröffentlicht.
Eigentlich ist nichts Überraschendes dabei herausgekommen. Oder wundert sich wirklich jemand darüber, was uns Sterbende hierzu berichten?

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben
2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet
3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken
4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben
5. Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein-

Wie schrecklich muss es sein, wenn man am Ende seines Lebens zum Schluss kommen muss, man habe sein Leben nicht gelebt? Man habe seine Gefühle nicht konsequent zum Ausdruck gebracht und sich nicht erlaubt, glücklich zu sein? Bronnie Ware bringt es hierzu auf den Punkt: "Wenn Menschen realisieren, dass sich ihr Leben dem Ende neigt, ist es einfach zu sehen, wie viele Träume unerfüllt verpufft sind. Die meisten der Sterbenden, die ich begleitet habe, hatten nicht einmal die Hälfte ihrer Träume verwirklicht und mussten mit der Gewissheit sterben, dass sie selber dafür verantwortlich waren: Weil sie gewisse Entscheidungen gefällt oder eben nicht gefällt hatten. Statt auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören, hatten sie das Leben gelebt, das andere von ihnen erwartet hatten". Ich denke, dass dem nichts beizufügen ist.

Und ja, ich ertappe mich im Alltag, dass ich nicht konsequent genug bin, selber für die Verwirklichung meiner Träume Verantwortung zu übernehmen. Ja, Herrgott nochmal, statt auf die eigenen Bedürfnisse zu hören.....tun wir Dinge, die wir eigentlich gar nicht möchten, und tun es trotzdem, dem Partner zuliebe, der Familie, der Religion, was auch immer. Oder, ebenso verhängnisvoll, wir tun Dinge nicht, die wir gerne täten, aber wir unterdrücken unsere Bedürfnisse und Wünsche, auch hier: dem Partner zuliebe, der Familie, der Religion....wir wissen zwar viel vom Leben - und begreifen dennoch wenig.
Sind wir alles Masochisten des eigenen Lebens? 

Kommentare:

  1. Du kannst leben ...und ich meíne LEBEN wie du willst ..es werden IMMER unerfüllte Träume dabei sein! Auch wenn Du keinen Partner hast ...keine Religion für dich hast .....selbst wenn du GANZ für dich alleine bist ....alle Träume wirst du trotzdem oder gerade deswegen niemals leben können ..is numal so ...oder?!

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    1. Nein - ich antworte auf Deine Frage mit Biermann: das kann doch nicht alles gewesen sein !

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  2. ich werde meine letzten lebensstunde sicher nicht damit verbringen, über verschüttete milch zu weinen. jede entscheidung, die man je getroffen hat, jeder traum, der je geplatzt ist, jedes glück, das man geopfert hat, hatte zu irgendeinem zeitpunkt des lebens seine guten gründe. damit will ich meinen frieden machen, wenn ich einmal sterbe.

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  3. Wer Verantwortung übernimmt, kann nicht einfach so in den Tag hineinleben, wie es ihm gefällt - denke ich.
    Wenn Du Verantwortung für Kinder, Tiere, Menschen ... and so on hast, dann wirst Du Prioritäten setzen müssen. Im günstigen Fall gibt Dir das was Du tust wieder eine Menge zurück und Du bereust es nicht, sondern würdest es wieder so machen.
    Vielleicht fehlt uns manchmal die Gabe, in kleinen Dingen das "Glück" zu sehen/finden.
    Wonach sollen wir auch noch streben, wenn wir keine Träume mehr haben ..... nur das Maß der Dinge - das ist manchmal nicht im Gleichgewicht .....

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  4. Also ich denke, die Leute KONNTEN es eben nicht besser. Sie bereuen, dass sie es nicht besser KONNTEN, aber so war es eben. Also nicht bloß eine Willensentscheidung sondern eine Frage des Vermögens. Solche Sachen muß man LERNEN und ERFAHREN. Einige Menschen können das so, müssen dafür andere Sachen lernen. Eine Frage des Charakters, aber den kann man eben nicht einfach so abschütteln wie etwas Schnee auf der Schulter.

    Und alle Träume kann man nicht verwirklichen. Jede Entscheidung ist im wesentlichen nicht eine Entscheidung FÜR etwas, sondern vor allem auch eine Entscheidung GEGEN viele Alternativen. Das sollte man sich bewußt machen.

    Und manchmal schützt man sich auch durch Übernahme von Verantwortung und Pflichten davor, einige Träume anzugehen, weil man unbewußt Angst davor hat, zu scheitern und ein "erzwungener Verzicht" leichter zu tragen scheint als ein befürchtetes Versagen.

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