Mittwoch, 28. Dezember 2011

Das imaginäre Strassenfest

Ich liebe es, beim Gehen durch mein Quartier einen Blick durch die offenen Fenster der Wohnungen zu erhaschen. Ich sehe in Küchen, Wohnzimmern, Kinderzimmern oder auch in Büros, sehe, wie Menschen gerade am Kochen sind, am Abwachen, Essen, Fernsehen und dergleichen mehr. Oftmals stelle ich mir vor, wer diese Menschen sind, was sie tun, fühlen, denken und wie sie ihr Geld verdienen. Viele dieser Menschen, die um mich herum wohnen, kenne ich nicht. Bei diesem Gedanken nehme ich mir manchmal vor, dereinst mit einem kleinen OK ein Strassenfest im Sommer zu organisieren. Einfach mal die Strasse von der Polizei sperren lassen, lange Tische auf die Strasse stellen, etwas zu trinken und zu essen organisieren, die Leute rechtzeitig darauf aufmerksam machen, und der Rest würde sich dann spontan ergeben. Doch ich weiss genau, dass ich auch nächsten Sommer dies nicht tun werde, namentlich aus Bequemlichkeit oder weil ich mir denke: ach, was soll das überhaupt? Und doch juckt es mich, hinter die Fassaden zu schauen. Vielleicht werde ich mich doch aufraffen können und mich dabei allenfalls von allerlei Zufälligkeiten des Lebens überraschen lassen.

Oftmals kennt man das weit Entfernte, das Exotische und sogenannt Fremde besser als das Nahe, das auf eigentümliche Art und Weise fremd bleibt. Es lohnt sich aber, glaube ich, vermehrt wieder das zu suchen und zu finden, was unmittelbar vor der Türe steht. 

Kommentare:

  1. Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht,
    dann geht er schweigend mit ihm aus der Nacht.
    Aber die Worte, eh jeder beginnt,
    diese wolkigen Worte, sind:

    Von deinen Sinnen hinausgesandt,
    geh bis an deiner Sehnsucht Rand;
    gib mir Gewand.

    Hinter den Dingen wachse als Brand,
    dass ihre Schatten, ausgespannt,
    immer mich ganz bedecken.

    Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
    Man muss nur gehn: Kein Gefühl ist das fernste.
    Lass dich von mir nicht trennen.
    Nah ist das Land,
    das sie das Leben nennen.

    Du wirst es erkennen
    an seinem Ernste.

    Gib mit die Hand.

    Rainer Maria Rilke

    ... Diese Gedicht gehört zu den mir liebsten - ich stolperte kürzlich wieder darüber.
    Mir schien, als könne es an dieser Stelle passen!

    Wenn du das wirklich willst - warum TUST du es nicht einfach?? Geh bis an deiner Sehnsucht Rand!
    Ich komme im Sommer kontrollieren! *lacht*

    Ich wünsche dir einen eleganten, weil geschmeidigen Jahreswechsel - dein Blog gehört zu denen, die das Leben bereichern können. :-)
    Und grüß dein Tochter-Kind unbekannterweise - ich glaube zu wissen, was sie für dich bedeutet!

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Britta, herzlichen Dank für das schöne, besinnliche Gedicht von Rilke. Es ist schon so: es geht ums Tun und nicht ums Siegen (Wecker), das gilt auch im übertragenen Sinne für ein Strassenfest. Und Merci für die lieben Grüsse, die ich gerne ausrichten werde :-). Alles Liebe, P

    AntwortenLöschen