Samstag, 20. August 2011

Distanziert

Ich stelle mir vor:

Dann und wann erhält er von ihr eine sms. Sie sind keineswegs aufdringlicher Natur, vielmehr kleine Grüsse, zwischen den Zeilen aber, sachte verpackt, ein Verlangen nach ihm. Dies wiederum macht ihn kribbelig, weshalb er die sms nicht umgehend beantwortet. Er wird sie später beantworten, aber mit der gebotenen zeitlichen und emotionalen Distanz. Er braucht jetzt vor allem seine Ruhe, seine Musik, seine Bücher. Und ein kleines Stück der aus dem Herzen geborenen Lebensfreude seines Kindes.

Und dann, einmal mehr, die bohrende Erkenntnis:

es fühlt sich sonderbar an, neben einem Menschen zu liegen, den man nicht begehrt. Er liegt da, aber das Herz macht keine Sprünge, es fühlt sich vielmehr so an, als würde er eine Excel-Tabelle im Büro erarbeiten, also emotionslos, teilnahmslos (was nicht mit Lieblosigkeit verwechselt werden darf) und ohne jegliches inneres Feuer. Er hütet sich in solchen Momenten davor, Bilder aus seiner inneren Welt aufzurufen, Bilder voller Sinnlichkeit, Bilder voller gelebter Erinnerungen, Bilder von seltenen Augenblicken der bedingungslos bejahenden Zweisamkeit, Bilder des gelebten Lebens. Aber die Bilder sind doch da, sie berühren sanft sein Herz und lassen ihn für einen Moment alles vergessen.

Er entscheidet nicht, weil er wohl entscheidungsschwach ist.
Damit entscheidet er aber doch.
Er hat nicht den Mut des konsequenten Handelns.
Will nicht verletzen.
Und verletzt doch.

Er wird handeln müssen.

1 Kommentar:

  1. Oh Gott ,das ist so nah an meinem denken und fühlen,das sich mein ganzer Körper in Gänsehaut einhüllt.Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl ,wenn man durch dieses lesen in seinen eigenen Spiegel schaut.
    Feststellen muß,das ein handeln unabdingbar ist.
    Liebe Grüße,
    Bella

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