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Freitag, 10. September 2010

stille Liebe

Das Wochenende steht bevor.
Das spätsommerliche Wetter lockt in die Berge.
Wo immer ich sein werde
was immer ich auch tun mag
mit wem ich auch sein werde
trage ich sie in meinem Herzen.
Und wenn ich meinen Lebensweg gehe
weiss niemand von ihr.

Stille Liebe, omnipräsent.
Hoffnungslos: ja
Perspektiven: keine
trotzdem
ich kann nicht anders
ich habe mir das nicht ausgesucht
es ist, wie es ist.
Rebellion: zwecklos
mit dem Schicksal hadern: zwecklos
jedoch bewusst mit der Situation umgehen
das hiesse
annehmen, was ist
und wenn es sein muss
eine Runde lang Tränen vergiessen, weil alles andere ungesund ist.
Und dabei das Geschenk erkennen, das mir das Leben
in Form dieser Begegnung gegeben hat.

Mozart hören
nicht jenen verzuckerten Mozart
sondern jenen, der aufs Minimum reduziert wird
und damit umso wuchtiger zur Geltung kommt
und mich an den Rand des Erträglichen treibt.

Und nochmals Biermann zitierend:
glückliche Liebe, die gibts nie

Dienstag, 31. August 2010

unerfüllte Liebe

Ausgangspunkt meiner nachfolgenden Zeilen ist ein Beitrag von Anna.
In ihrem Blog schreibt sie heute unter anderem folgendes:

was geht in dir nur vor?
dass du dir einbildest, sehnsucht haben zu dürfen?
nach mir.
grausam gönn ich dir deine sehnsucht.
du sollst wissen, wie weh sie tut.
ich, für mich, will keine sehnsucht mehr haben.
genug ist genug.
deshalb tauche ich jetzt mal unter.
dorthin, wo deine sehnsucht mich nicht erreichen kann.

Anna liebt einen verheirateten Mann, einen Mann, von dem sie weiss, dass er seine Familie womöglich nie verlassen wird.

In beiden brennt das Feuer, die Leidenschaft und die Sehnsucht.

Und Anna gönnt ihm gar die brennende Sehnsucht, er soll wissen, wie sich das anfühlt. Nicht nur sie soll ob der Sehnsucht leiden, nein, auch er soll spüren, wie sich der Schmerz anfühlt. Und Anna will untertauchen, mag diese Sehnsucht nicht mehr aushalten, mag für seine Sehnsucht nicht erreichbar sein.

Anna und ich haben eine Gemeinsamkeit.

Wir lieben eine verheiratete Person und wissen, dass sie in ihrer Ehe bleiben wird, aus welchen Gründen auch immer.

Anna rebelliert gegen diese Lebensumstände.
Ich beginne, diese Lebensumstände zu akzeptieren.
Als Prozess - Rückschläge eingeschlossen.

Nicht, dass ich dies von Anfang an gekonnt hätte.

Ich litt.
Und jetzt?

Aus dem stechenden Schmerz ist eine wärmende Sehnsucht geworden.
Aus dem Schrei der Sehnsucht ist ein zärtliches Flüstern geworden.
Aus der Hoffnungslosigkeit Einsicht in die Notwendigkeit.

Weil Liebe auch akzeptieren bedeutet.
Weil Liebe Verzicht bedeutet.
Weil Liebe letztlich bedingungslos ist.

Wenn ich gar ahne, dass sie glückliche Momente mit ihrem Mann verbringt,
so erfüllt mich dies nicht zwingend mit Eifersucht.
Manchmal zwar schon.
Aber ich beginne, mich für sie zu freuen.
Weil es ihr gut geht.
Und weil ich weiss, dass man auch zwei Menschen lieben kann
ein jeder auf seine Weise.
Wider das Entweder-Oder-Denken

Ich will nicht missverstanden werden:
Ich bin kein Held.
Ich rebelliere zeitweise gegen diese monströsen Lebensumstände,
die ein Zusammenführen nicht erlauben.
Auch in mir brennt die Sehnsucht.
Und die Leidenschaft.
Und ich höre ihn nachts, den entfernten Zug, wie er vorbei rast und mir sagen möchte: komm, steh auf!
In mir machen sich Phantasien breit.
Ein nächtliches Telefonat, in welchem sie mir sagt:
mein Mann und ich trennen uns.

Und doch

auch wenn es nie so sein wird, und davon gehe ich zweifelsfrei aus -
sind und bleiben wir miteinander verbunden.
Können nicht die Finger voneinander lassen.
Ein Wochenende ohne Kontakt ist ein verlorenes, tristes Wochenende.
Zwei Menschen, die sich auf mysteriöse Weise kennen gelernt haben
und genau spüren, dass sie sich lieben.
Und dies immer wieder bezeugen.
Und dennoch nie zusammen kommen

Liebe heisst loslassen
Liebe heisst, den Schmerz der Abwesenheit zu ertragen
Mehr noch: Liebe heisst, den Augenblick zu geniessen, die pure Gegenwart.
Vor allem auch:
Liebe heisst zu würdigen, dass man sich überhaupt begegnet ist.

Glückliche Liebe, die gibt's nie

Die Kraft nicht, noch die Schwäche, nichs hat der Mensch auf Dauer,
sein Herz verblüht und breitet er dann die Arme aus,
kommt dabei an der Mauer ein Kreuz als Schatten raus.
Er lebt sein Leben hin, kaum krallt er sich sein Glück,
schon hat er es erwürgt!
Verlust ist sein Gewinn,
glückliche Liebe, die gibts nie.

Wolf Biermann

Sonntag, 4. Juli 2010

Vom Schreiben

Wenn ich einen Text zu schreiben beginne, weiss ich im Grunde der Dinge nicht, wohin mich die Reise jeweils hinführen wird. Natürlich beginne ich das Schreiben mit einem Grundgefühl (Angst, Trauer, Freude, wie auch immer), entsprechend gefärbt wird der Text dann auch ausfallen. Aber das effektive Endergebnis ist mir beim Auftakt des Schreibens nicht bekannt, ebenso wenig die Selbsterkenntnis, die ich aus meinen eigenen Texten allenfalls gewinnen kann - wenn es denn überhaupt eine Selbsterkenntnis gibt (was an sich Ziel des Schreibens wäre). Meine Texte können mich auch ratlos zurücklassen, aber ich bin in jedem Fall erleichtert, wenn ich meinem Drang folge und schreibe. Dies ist auch heute Morgen nicht viel anders.

Meine Tochter ist für zwei Wochen an der Ostsee mit ihrer Mama. Ich werde während dieser Zeit arbeiten und meinen Alltag so gut wie möglich gestalten. Danach werde ich Ferien machen und mit meiner Tochter nach Sils-Maria fahren. Ich habe die Absicht, dort an einer Schreibwerkstatt, die jeweils morgens unter der Leitung der Schweizer Schriftstellerin Gabrielle Alioth stattfinden wird, teilzunehmen. Einen besseren Ort kann ich mir für eine solche Tätigkeit nicht vorstellen. Meine Tochter wird in der gleichen Zeit vom hoteleigenen "Kindergarten" betreut werden, nachmittags werden wir dann zusammen wandern gehen, Spielplätze hoch in den Alpen aufsuchen, Teile des Bergells durchwandern, im Fextal nach Rehen und anderen Waldtieren Ausschau halten, Musik hören, spielen, vorlesen, malen, dem Geläut der Pferdekutschen zuhören, im wunderbar kühlen Silsersee baden...neuerdings darf sie abends mit mir auch in die Hotelbar kommen - selbst dort wimmelt es im übrigen von Kindern in ihrem Alter, auch abends :-).

In den letzten Tagen verspürte ich intensive Glücksgefühle, welche andauern. Ich geniesse dies und bin unendlich dafür dankbar, meiner Seelenverwandten begegnet zu sein.

Dienstag, 22. Juni 2010

Das Ende der Illusionen (II)

Ich bin heute von manchen Illusionen befreit worden. Intuitiv wusste ich, dass eine Beziehung zu A. nicht zustande kommt, zu kompliziert die Lebensverhältnisse, zu kompliziert die Ausgangslage, zu gross die räumliche Distanz und die damit einhergehende Ortsgebundenheit auf beiden Seiten usw. Und dennoch, ich hielt lange diese Illusion aufrecht, wohl deshalb, weil ich eine starke Anziehung verspürte - und immer noch verspüre, also wollte ich so lange wie nur möglich mit dieser Illusion leben, weil sie mir so gut tat, also log ich mich selber an, ich wollte der für mich bitteren Wahrheit nicht ins Auge schauen, obwohl die Faktenlage und die Hinweise mich hätten wachrütteln sollen. Ich bin nun dazu aufgerufen, mich emotional zu trennen und Abschied zu nehmen von jenen Gefühlen und Hoffnungen, die ich in den letzten Monaten mit mir herum schleppte. Es tut weh, vor allem tut es deshalb weh, weil ich das Gefühl habe, den Schein mit dem 6er im Lotto nicht einlösen zu können. Gibt es im Leben die Möglichkeit, ein zweites Mal einen 6er im Lotto zu erzielen? Diese Frage will ich mir nicht stellen, ich will sie ignorieren, weil sie mir Angst macht.

Von der Vernunft her weiss ich: ich muss nun los-lassen-können und von meinen Illusionen Abschied nehmen. Aber das Herz und die Seele wollen da nicht so richtig mitmachen, sie rebellieren dagegen und betreiben ein Oppositionsspiel, zeigen sich also uneinsichtig. Ich trage nun einen Kampf in mir aus, einen Kampf "Kopf versus Gefühl". Ich weiss, dass der Kopf gewinnen muss, die Einsicht in die Notwendigkeit führt nach Hegel zur Freiheit. Aber das wird seine Zeit brauchen.

Das Erlebte prägt mich, A. ist gewissermassen zu einem Referenzpunkt geworden. Ich will den Kontakt zu ihr nicht abbrechen, ich wüsste nicht warum. Es tut mir gut, mich mit ihr auszutauschen. Warum oftmals nur dieses entweder-oder? Nein, wenn Menschen sich etwas zu sagen haben und sich gegenseitig den Spiegel vorhalten, auf dass sie zu mehr Selbsterkenntnis kommen, sollten sie eine solche wertvolle Beziehung nicht abbrechen, im Gegenteil, sie sollen sie pflegen. Für mich wird dies zumindest anfänglich ein Balance-Akt sein, ich werde immer wieder Rückfälle haben und Anfälle von Sehnsucht und Melancholie entwickeln, ich werde das Schicksal beklagen und dann und wann im Sumpf des Selbstmitleids baden, weil ich diese Beziehung emotional auf eine neue Basis stellen muss, auf eine Basis einer platonischen Beziehung.

Unter dem Strich bin ich unendlich froh, ihr begegnet zu sein, denn sie hat mein Herz geöffnet und meine Seele berührt. Dass daraus keine Liebesbeziehung wird, beelendet mich im Grunde der Dinge, aber ich muss dies akzeptieren. Ich nehme in diesem Zusammenhang zur Kenntnis, dass in mir heftige Gefühle zum Ausbruch kommen können, dass ich eine innere Wärme verspüre, bloss wenn ich an sie denke. Keine Frage: ich lebe und bin definitiv keine Frostbeule. Manchmal möchte ich eine solche sein, weil ich mir denke, dass man dann ungetrübt(er) durchs Leben zieht. Es steht mir ein harter Weg bevor, ein Weg des Abschiednehmens von meinen Illusionen. Dabei wird auch ein Stück Hoffnung sterben. In solchen Situationen fühle ich mich einsam und oftmals unverstanden.

Samstag, 19. Juni 2010

Akzeptanz

Ich bin heute mit meiner Mutter essen gegangen. Sie ist mürrisch geworden, unzufrieden, nichts ist ihr gut genug. Ja, meine Mutter ist eine unangenehme Person geworden, vermutlich hat es mit dem Alter zu tun. Sie ist in einem gewissen Sinn wohl "altersfrustriert". Dabei könnte sie zufriedener sein, wer kann schon mit 86 noch in der eigenen Wohnung leben, praktisch ohne externe Hilfe? Sie ist gut zu Fuss unterwegs, ist grundsätzlich gesund, hat kaum Altersbeschwerden. Und heute erzählt sie mir, sie sei vermehrt mit ihrem ersten Ehemann unterwegs, nachdem dessen Frau vor kurzem gestorben ist.

Ich musste schmunzeln: vor 60 Jahren waren die beiden ein Paar, haben sich aber bald darauf scheiden lassen, und nun treffen sie sich wieder, mal auf einen Kaffee, mal auf ein Glas Wein. Aber sie wolle nicht zu ihm ziehen, und gemeinsame Ferien seien auch kein Thema, und wenn doch, wolle sie auf ihr eigenes Hotelzimmer bestehen. Ich höre amüsiert zu, während ich meine Pasta esse.

***
Sonst werde ich heute Samstag nichts Spektakuläres unternehmen. Ich lese, höre Musik, nehme ab und zu die Gitarre hervor und klimpere darauf herum, und heute Abend werde ich es mir ganz gemütlich machen und einen Krimi gucken.
Heute morgen hatte ich ein längeres Telefonat mit meiner Seelenverwandten, die ich so sehr liebe. Ich geniesse es, mich mit ihr auszutauschen; nur schon bloss ihre Stimme zu hören, macht mich glücklich. Gleichzeitig habe ich aufgehört, mich mit an sich sinnlosen Fragen ("wohin führt die Reise, was wird in einem Monat sein, in einem Jahr" etc) zu plagen, d.h. ganz konkret, dass ich meine Gefühle zu A. bewusst zulasse, doch gleichzeitig keine Erwartungen an sie habe - ohnehin weiss sie, wo ich stehe. Das scheint mir ganz wichtig, ja zentral zu sein. Vor allem möchte ich aufhören, das "Schicksal" beklagen zu wollen (sonst tappe ich in die unproduktive Falle des Selbstmitleids). Namentlich kann ich die Rahmenbedingungen anderer Menschen nicht ändern (das machen sie selbst, wenn sie es denn auch tun wollen), und was nicht in meiner Macht steht zu ändern, will ich akzeptieren, weil alles andere mich nur verrückt macht und letztlich ohnehin eine groteske Anmassung wäre. Wenn ich aus innerer Überzeugung heraus zu dieser Einstellung gelange, geht es mir besser, wesentlich besser, ich merke, dass ein innerer Druck mich loslässt. Ich muss schon froh sein, dass ich all dies, was ich wirklich beeinflussen kann, erkenne und danach auch handle. Eine solche Lebenseinstellung wird meine innere Unruhe zu besänftigen wissen, doch ich bin nicht naiv zu glauben, dass sich dies von heute auf morgen einstellt: Rückschläge sind denkbar und wahrscheinlich. Aber die Einsicht und der Wille, effektiv danach zu leben, sind da - immerhin.

Dienstag, 15. Juni 2010

starke Sehnsucht

Die Sehnsucht ist ein schönes Gefühl, ein süsses und zugleich bitteres Gefühl. Manchmal - so wie heute - überwältigt sie mich geradezu, wie ein Geschoss, das mich überfällt und regelrecht durchschüttelt. In solchen Momenten regen sich in mir irrationale Bedürfnisse, ich verspüre eine Aufbruchstimmung und möchte nur noch den Zug nehmen und meine Sehnsucht stillen. Dann möchte ich nur noch ihre Nähe spüren, ihre Stimme hören, ihre Hände berühren. Dieses Gefühl ist viel stärker als meine Vernunft, ich kann es drehen und wenden wie ich will, aber ich habe keine Chance, mit Argumenten der Vernunft gegen meine starken Gefühle, die ich für A. empfinde, anzutreten. Ich mag auch nicht immer meine Gefühle analysieren, ich lasse sie jetzt einfach zu, bewerte nichts und lasse mich von ihnen treiben.

Heute Abend gehe ich in die Stadt und treffe mich mit einer Kollegin auf ein Glas Wein. Die Sehnsucht nach A. wird mich auch dorthin begleiten, sie wird mich umhüllen und wärmen. Und mich wehmütig stimmen. Später, auf dem Nachhauseweg, werde ich mit dem Fahrrad am Bahnhof vorbei radeln, die Züge sehen und das akute Bedürfnis verspüren, sie in meine Arme zu schliessen.

Dienstag, 8. Juni 2010

Das Wesentliche

Dienstag -
blauer Himmel
feucht-warme Luft
in Erwartung eines Gewitters
meine beruflichen Aufgaben warten auf mich
lesen und nochmals lesen steht heute
auf der Prioritätenliste
emotional bin ich weit weg vom Lesestoff
und es stört mich gar nicht -
Hans im Schneckenloch sang gestern meine Tochter
und was er hat, das will er nicht
und was er will, das hat er nicht
ich sing' es anders
und was er liebt, ist fern von ihm
was nahe ist, das liebt er nicht
nicht aus Absicht
das Herz lässt sich nun mal nicht manipulieren -
zwei Körper mögen sich gierig begegnen
eine Nacht lang
grenzenlose Begierden
tanzende Zungen
spätestens am Morgen danach
entpuppt sich das
was man eh spürte
dass
trotz aller Berührungen
das Wesentliche ohnehin
nicht physisch greifbar ist
das kindliche Bedürfnis
aufzubrechen
um wieder zu spüren
wie das ist
umfassend berührt zu werden
Bilder schiessen hoch
der Fluss
das sanfte Grün
die kleine Mauer
auf der wir sassen
beseelte Momente
des vielsagenden Schweigens
einfach nur deine Hand spüren -
eigentlich
braucht es so wenig
um glückliche Momente zu erleben
nun ruft mich
die Gegenwart zurück
doch du
bist allgegenwärtig

Donnerstag, 27. Mai 2010

Anatomie einer Begegnung - Anfang und Abschied

Magische Begegnung
buchstäblich
von heute auf morgen
unangemeldet
wuchtig
kraftvoll
Seelen, die sich berühren
und sich ihre Gefühls- und Gedankenwelten
anvertrauen
weil die Vertrautheit vorgefunden wird
angeregte Gespräche
beredtes Schweigen
Knistern und Entspannung
Lust nach mehr
alles scheint möglich
Höhenflüge
Zärtlichkeiten
als sei man sich
schon lange zuvor begegnet
das Bedürfnis permanent zu schreiben
das Bedürfnis die Stimme des anderen
immer wieder zu hören
das Bedürfnis nach Nähe
das Bedürfnis nach Umarmungen
Hände, die sich berühren
Küsse, die sich ergänzen
Blicke voller Vertrauen
Blicke voller Zärtlichkeiten
für einen magischen Augenblick erahnen
was alles sein könnte
jetzt und danach
und doch

Schnitt - Knall auf Fall

aus Nähe wird Distanz
Küsse mutieren zu Grüssen
Schweigen
die sogenannte Ratio obsiegt
die Lebensumstände spülen alles beiseite
der Frühling kam wie der Blitz
und verabschiedet sich wie der Blitz
Kälteeinbruch
das zarte Grün
es konnte gar nicht wachsen -
was bleibt
Sehnsucht
Erinnerungen
Dankbarkeit, gewiss
vor allem aber
Traurigkeit

Doch dich vergessen
nein
das kann ich nicht

Was ich unmittelbar brauche
Distanz zu mir selbst
Kinderlachen
befreiendes Gelächter
aber auch
das Zulassen von Tränen
welche die Schmerzen der Seele
zu heilen vermögen
liebevoll mit dem inneren Kind umgehen

was ich mir für die Zukunft wünsche
innere Ruhe
Gelassenheit
vermehrte Nüchternheit
Mut zum Skeptizismus
vermehrte Kontrolle meiner Emotionen
ich ahne es bereits
dies wird kein Spaziergang werden

nun werde ich
aus dem Büro schleichen
so tun
als hätte ich alles im Griff
die roten Augen
sind Resultat meiner Sonnenallergie
einkaufen
die Tochter abholen
halt wieder so tun
als hätte ich alles im Griff

Nachtrag zum heutigen Tag (2100 Uhr)

Die Tochter schläft tief und friedlich. Mein Gemütszustand: labil, ein Auf und Ab. Was mir zur Zeit nicht gelingt: mich zu entspannen. Ich bin eine Mimose und reagiere gereizt auf meine Umwelt. Ich sollte noch in die Waschküche gehen, mag aber nicht, schiebe meine Pflichten vor mich hin. Ich versuche, den Abend trotzdem so produktiv wie nur möglich zu nutzen, vielleicht klappt es mit Lesen. Sinnlichkeit und Erotik interessieren mich zur Zeit überhaupt nicht, ebenso wenig interessiere ich mich für das Weltgeschehen, die Zeitung rühre ich gar nicht an (mit Ausnahme des Feuilletons). Ich bin, mit anderen Worten, ganz auf mich bezogen, ich weiss, dass dies ungesund ist und nirgend hinführt, aber es ist aktuell nun mal so.

Morgen Nachmittag hat meine Tochter schulfrei, also werde ich mit ihr etwas unternehmen, je nach Wetter drinnen oder draussen. Die aktive Auseinandersetzung mit meiner Tochter hilft mir, einen Weg des Ausgleichs zu finden, weil sie mich immer wieder mit Fragen konfrontiert, volle Aufmerksam verlangt und mich immer wieder zu verzaubern vermag. Es gelingt mir aber nicht immer, mich ganz auf ihre Welt einzulassen. Ich werde es morgen jedenfalls wieder versuchen. Zuvor hoffe ich auf eine einigermassen gute Nacht.

Dienstag, 25. Mai 2010

Bewältigung des Alltags

Ich hatte mir vorgenommen, eine Schreibpause einzulegen, aber das haut nicht hin. Ich bin offensichtlich schreibsüchtig, weil schreiben in der Tat eine Notwehr ist gegen die Erfahrung der Ohnmacht (Max Frisch).

Heute war mein Arbeitstag sehr ruhig, nachmittags eine Sitzung. Routine. Spektakuläres blieb aus, was mir nur recht ist. Den schönen Sommertag konnte ich einigermassen geniessen, Mittags war ich mit meiner Exfrau essen gegangen. Thema am Mittagstisch (einmal mehr): Seelenverwandtschaft. Ich bin froh, dass ich mich zu diesem Thema austauschen kann, da nicht wenige mit dieser Thematik wenig bis gar nichts anfangen können. Wer die Erfahrung nicht kennt, kann den spezifischen Zauber, der damit verbunden sind, nicht nachvollziehen.

Mein aktueller mentaler Zustand würde ich als schwankend bezeichnen. es ist ein stetes auf und ab. Bewusst lasse ich die verschiedenen emotionalen Zustände zu, ich unterdrücke sie nicht, was ich vor wenigen Jahren noch getan hätte (mit all den negativen Begleiterscheinungen). Natürlich versuche ich, unproduktives Grübeln nicht zuzulassen, Unproduktiv ist es dann, wenn meine Gedanken sich im Kreis drehen bzw. sich im Labyrinth von Spekulationen verlieren. Dagegen ist das bewusste Zulassen der jeweiligen Emotionen nur ein Gewinn, da es mich zu meinem Innern führt. Ich mag meine Sehnsucht nicht unterdrücken, ich lasse sie bewusst zu, spüre ihr nach und lebe mit ihr. Es stellt sich dann eine gewisse Melancholie ein, ich wünsche mir dann in solchen Situationen die unmittelbare Nähe zu A, also jener Frau, mit der ich mich verbunden fühle. Nicht selten ist mit diesem Gefühl auch jenes der Traurigkeit gekoppelt. Auch die lasse ich zu, ohne mich in ihr zu verlieren (was mir allerdings nicht immer gelingt). Das Zulassen der Gefühle ermöglicht Selbsterkenntnis und trägt wesentlich zur Annäherung an die Frage bei: was wünsche ich mir, was fehlt mir, wonach suche ich?

Gestern bin ich erschrocken, als meine Tochter bemerkte: Papa, du lachst ja gar nicht mehr. Dieser Satz hat mir weh getan, weil die Tochter sich offensichtlich Sorgen um ihren Papa macht (ist er krank?). Da gilt es, sich aufzuraffen und ganz und gar im Augenblick zu leben. Ich musste mich gestern wirklich aufraffen und habe den ganzen Nachmittag mit ihr im Freibad verbracht, war mit ihr im Wasser, im Wellenbad, am Herumalbern, Verstecken spielen. Das sind Übungen im Loslassen. Abends dann eine Pizza beim Italiener. Diese Woche ist meine Tochter bei mir. Das diszipliniert mich, weil ich meine Verantwortung wahrzunehmen habe. Ich liebe meine Tochter über alles, sie verfügt über einen feinen Humor und entwickelt bereits einen gewissen Sinn für die Groteske, was sich namentlich an ihren Zeichnungen ablesen lässt. Sie ist im besten Sinne des Wortes ein freches Mädchen, das gedeiht und gerne lebt.

So lebe ich also zur Zeit: aufstehen, duschen/rasieren, Frühstück vorbereiten, die Kleine wecken, sie zur Schule bringen, zur Arbeit gehen, Mittag essen, Arbeit, einkaufen, die Kleine von der Tagesschule abholen, nach Hause gehen, das Abendessen zubereiten...dabei stets dem Diktat der Uhr unterworfen. Was mich am meisten stört ist der unruhige Schlaf und das nächtliche Aufwachen. Abends nehme ich einen sog. Beruhigungstee, der, immerhin, etwas hilft. Was zur Zeit schwierig ist: Musik bewusst wahrzunehmen. Namentlich meinen täglichen Begleiter, Mozart, kann ich zur Zeit nicht über mich ergehen lassen, weil ich mich sonst ganz verlieren würde in meinen Emotionen und Sehnsüchten. Seine Musik übt eine starke Kraft auf mich aus und treibt mich zeitweise an den Rand des Erträglichen. Dagegen kann JS. Bach meine Sehnsucht transformieren, er holt mich ab und lässt mich auf eine ruhige Welle forttragen ins Reich der Träume, der Liebe und der Hoffnungen. Ich höre abends das musikalische Opfer oder die Kunst der Fuge.

Montag, 24. Mai 2010

beseelte Momente - ein erster Rückblick

Dunkle Nacht, ich kann wie erwartet nicht schlafen. Szenen der kürzlich erfolgten Begegnung mit meiner Seelenverwandten -es kommt mir vor, als sei es schon eine längere Zeit her- gehen mir durch den Kopf und haben sich in meinem Herzen eingebrannt:

Wie sie - ich will sie an dieser Stelle A. nennen - mir liebevoll die Hand streichelt, wie sich unsere Blicke den ganzen Tag lang begegnen. Dieses zeitweise beredte Schweigen zwischen uns, weil Worte schlicht überflüssig waren und nur gestört hätten. Wie ich A. unten am Fluss ganz schlicht in meinen Armen halte, wie sich hie und da unsere Küsse wie ganz selbstverständlich und voller Vertrautheit begegnen und ergänzen, wie sie sich an mich anlehnt und ich ihr sanft über das Haar streichle. Ja, das sind magische Momente der Verbundenheit, glückliche Momente, die Liebe, die ich für diesen Menschen empfinde, durchdrang meine ganze Existenz.

Ich ahne aber schon dunkel, dass dieses Geschenk des Lebens nur eine kleine Leihgabe desselben war, ich durfte für einen kleinen Moment meiner Seelenverwandten ganz nah sein, ich habe vor allem das grosse Lebenspotenzial gespürt, das zwischen uns vorhanden wäre. Die Vorstellung (ja das Akzeptieren), dass dieses Potenzial aufgrund der Lebensumstände -ihrer Lebensumstände- brach liegen muss, zerreisst mir das Herz. Nun habe ich eine Ahnung davon, wie es sein könnte, wenn man mit seiner Seelenverwandten den gemeinsamen Wendepunkt des Lebens wagen würde: das Leben im Konjunktiv als Ausdruck ungelebten Lebens.

Ich glaube, dass ich nun eine Schreibpause einlegen muss. Ich will und ich muss der Intensität dieser in diesem Ausmass für mich noch nie da gewesenen Erfahrung nachspüren, die sprachliche Umsetzung und Verarbeitung derselben vermag, zumindest in der jetzigen Phase, nicht wirklich weiter zu helfen und jene beseelten Momente adäquat wiederzugeben. Wann ich wieder fähig bin zu schreiben, weiss ich nicht.

Ich bin, bei allem Schmerz (Tränen laufen mir nun über die Wangen, die die seelischen Schmerzen etwas zu lindern vermögen), dem Leben unendlich dankbar, A. begegnet zu sein.

Samstag, 22. Mai 2010

Trost

Heute Morgen war ich zu Besuch bei meiner Exfrau (wie üblich am Wochenende, entweder kommt sie zu mir oder ich bin bei ihr), während unsere Tochter bei einer Freundin übernachtet hat und somit nicht anwesend war. Meine Exfrau weiss über meine Geschichte Bescheid. Ich habe während des Morgenessens, zwischen Kaffee, Käse und Marmeladenbrot, wie ein Schulkind in ihrer Gegenwart zu heulen begonnen (nicht laut, dafür optisch wahrnehmbar), weil sie mich wie ihre eigene Hosentasche kennt und sofort registriert hat, was bei mir emotional abgeht. Sie hat mich wie eine Schwester (oder Mutter?) getröstet, hat mich in ihre Arme genommen und mich liebevoll über den Kopf gestreichelt, ja, es tat mir gut. Sie weiss, wovon ich rede, da sie in einer ähnlichen Lebenssituation ist. Sie hat mir dann ihre Geschichte nochmals erzählt, gewisse Begebenheiten im Sekundenstil, ich konnte alles nachvollziehen, restlos. Da sassen wir also, zwei Menschen, die ihre Seelenverwandten gefunden haben, die ihrerseits aber in einer anderen, sprich gebundenen Lebenssituation sind.

Wir sind uns einig: solche Begegnungen wählt man sich nicht aus, weder was den Zeitpunkt noch die Person anbelangt, sie werden vor-gefunden, haben ihre eigene Dynamik und tragen namentlich dazu bei, die eigene Seele in ihrer gesamten Tiefe auszuloten. Solche Begegnungen sind von unschätzbarem Wert, sie tragen wesentlich zur Klärung der Aufforderung bei: krieg' raus, wer du bist. Schon allein deshalb ist es ein Geschenk, jenem Menschen zu begegnen, auch wenn es dabei schmerzt. Schmerz gehört nun mal zum Leben, Schmerz ist ein treuer Begleiter des Menschen - weil Menschen lieben und damit auch leiden können.

Im Durcheinandertal

Ich-liebe-eine-verheiratete-Frau. Dieser Satz verfolgte mich unentwegt auf der Rückreise, und er lässt mich seither nicht mehr los, er raubt mir den Schlaf und fordert mich heraus. Ich habe diese Nacht vier Stunden geschlafen, nun bin ich hellwach und denke wieder an jene Frau, die in einer gänzlich anderen Lebenssituation ihr Leben lebt - zusammen mit ihrem Mann (ja, so ist es). Ich kann meine Gefühle trotzdem nicht einfach abstellen, einem Zeitungsabonnement gleich, so funktioniere ich nicht. Natürlich kannte ich von Anfang an die "Begleitumstände", aber ich habe mir das nicht ausgesucht, es war der berühmte Blitz, der mangels Blitzableiter (die fehlende Mauer lässt grüssen) voll eingeschlagen hat und dabei seine Wirkungen nicht verfehlte.

Was ich möchte: akzeptieren, was ist. Das fällt mir nicht leicht (gelinde gesagt), ich gebe es zu, aber daran führt kein Weg vorbei (Wunschdenken?). Auch mache ich mir keine Illusionen, was eine gemeinsame Zukunft anbelangt - Ich merke beim Schreiben dieses kleinen Satzes: es tut weh, dies zu schreiben und damit zu denken, weil das Denken nicht mit meinen Gefühlen, die ich für sie empfinde, übereinstimmt. Die Sehnsucht ist da und lässt sich nicht wie eine Fliege vertreiben. Will ich sie überhaupt vertreiben? Auch wenn ich es wollte, ich kann es nicht.

Bin ich zu sehr "Gefühlsmensch", zu sehr Werther? Wo bleibt die Ratio, wo bleibt meine protestantische Nüchternheit? Sollte ich die Mauer wieder um mich bauen, die ich einst auch hatte und die mich zwar schützte, aber auch krank machte? Was ich beim Durchwandern des Durcheinandertals jedenfalls weiss: ich muss meinen Alltag bewältigen, meinen Pflichten nachgehen. Das fällt mir nicht immer einfach, manchmal fehlen schlicht auch die Kraft und die Lebensfreude, dann vermögen nur noch stille Tränen Linderung herbeizuführen, immerhin. Das Pfingstwochenende steht an. Ob ich die Gelegenheit nutzen werde, all meine Gefühle zu verdrängen? Nein, das schaffe ich nicht (will ich auch nicht), aber ich kann mich etwas ablenken, indem ich mit meiner Tochter etwas unternehme. Zwar erwischt sie mich manchmal dabei, wie ich gedankenversunken emotional anderswo bin, aber ich reisse mich dann jeweils wieder zusammen. Kinder merken viel, sie haben noch einen Sinn für das Unausgesprochene, mehr als Erwachsene.

Ich-liebe-eine-verheiratete-Frau. Nicht irgend eine, sondern meine Seelenverwandte.
Das tut so weh und tut so gut.

Freitag, 21. Mai 2010

endlich

Der kleine Koffer ist gepackt
der Zug wird bald kommen
um mich mitzunehmen
endlich
für einen kleinen Moment
die Sehnsucht stillen
wissend
dass die Sehnsucht nur
für einen Augenblick gestillt werden kann
wissend
dass sie danach umso stärker sein wird
endlich
für einen Augenblick sich ganz hingeben können
die Schere im Kopf ablegen
der Ratio ein Schnippchen schlagen
weil die Ration allein nie genügen kann
hoffend
dass Träume auch in Erfüllung gehen können
Phantasien zulassen
wissend
dass Liebe auch schmerzen kann
nicht an morgen denken
nicht im Konjunktiv denken
nur noch spüren wollen
für einen kleinen Moment
gänzlich verschmelzen können
mit jenem Menschen
mit dem man verbunden ist
nicht wissend
was morgen sein wird
und wenn doch
dann dies
dass die Sehnsucht brennt
und sich nicht bändigen lässt

Mittwoch, 19. Mai 2010

Seelenverwandtschaft

Es ist ein sonderbares,
einmaliges,
berührendes Gefühl,
seiner Seelenverwandten
begegnen zu können;
Nichts und niemand
kann dieses Gefühl
in den Schatten stellen
Nichts und niemand
kann mit diesem Gefühl
in Konkurrenz treten;
wenn nur noch
der eine Wunsch dominiert
seiner Seelenverwandten
ganz nah zu sein
sie zu spüren
berühren
riechen
streicheln
ihr die Hand zu reichen
und ganz und gar
im Augenblick verharren
merken
wie die Wärme den gesamten Körper
erfasst
jede Zelle ernährt
und der innere Frieden
gefunden wird

Samstag, 15. Mai 2010

Nacht

die Nacht kann unbarmherzig sein
einsam
erdrückend
zäh ist ihre Zeit



die Nacht kann banal sein
sie fliesst dahin
ehe man sich besinnt

die Nacht ist sinnlich
berauschend
erhaben
wenn
verwandte Seelen sich berühren

Dienstag, 11. Mai 2010

Vernarrt

Ich bin verliebt - ich sage dies in einem nüchternen Zustand. Es ist "einfach passiert", nichts deutete vor wenigen Wochen darauf hin, es geschah buchstäblich "unbeabsichtigt". Die Heftigkeit und die Wucht der Gefühle sind gewaltig und beeindrucken mich. Auch wenn ich wollte: ich kann mich nicht dagegen stemmen. Es ist ein berauschendes Gefühl, das mich aufwühlt und mich antreibt. Ich schlafe wenig, ich brauche offenbar weniger Schlaf als sonst. Ich spüre einen Vulkan in mir, der daran ist, auszubrechen.

Sehnsucht treibt mich an: das Bedürfnis zu schreiben, das Bedürfnis zu telefonieren, das Bedürfnis nach Nähe ist omnipräsent und zieht sich wie ein roter Faden durch meinen Alltag. Aber gleichzeitig bin ich mir auch der Begleitumstände bewusst, die alles andere als einfach sind. Ja, die Umstände, die Sachzwänge. Die lassen sich nicht wegzaubern. Ich lasse mich dadurch nicht verrückt machen, sondern stelle mich dem Fluss des Lebens. Ich muss auch, ganz im Sinne Dürrenmatts, mit der schlimmstmöglichen Wende rechnen, die dann eintreten würde, wenn, ganz trivial gesprochen, keine Zukunft möglich ist bzw. weil die Umstände sich als die stärkere Kraft erweisen. Ich habe es einfacher, ich bin ungebunden und dadurch "freier". Das heisst, ich muss mit Demut akzeptieren, was das Leben mit mir beabsichtigt. Das hat mit Fatalismus nichts zu tun, sondern vielmehr, glaube ich, mit Nüchternheit, wenigstens im Kopf. Gleichzeitig, ich gebe es zu, rebelliert das Herz. Womit ich wiederum sagen muss: ich akzeptiere meinen inneren Werter, der tief in mir sitzt und meine Ratio herausfordert und manchmal fast zur Verzweiflung bringt. Ich hoffe, dass beide sich dereinst etwas besser verstehen werden. An eine Versöhnung der beiden Kontrahenten glaube ich freilich nicht.

Ja, tu me dois rien...

Samstag, 8. Mai 2010

Sich in passende Kerle verlieben...

In ihrem Kommentar zu meinem Beitrag "Liebe" schreibt Mayarosa folgendes:

Ich bin Ende 30, habe den Mann meines Lebens bisher nicht gefunden und mache mir ebenfalls Gedanken darüber, warum das so ist, was ich ändern muss, und so weiter.Du beschreibst sehr schön das Gefühl, das einen plötzlich elektrisiert. Die Besonderheit der Begegnung. Nur frage ich mich: Elektrisiere ich immer bei den Falschen? Nach welchen Mustern spielen meine Hormone verrückt? Was muss ich ändern, damit ich mich in passendere Kerle verliebe? Ich weiß ja nicht, wie es euch geht. Bei mir wiederholen sich Muster. Die möchte ich gerne durchbrechen, in der Hoffnung, mich dann in jemanden zu verlieben, mit dem ich glücklich werden kann.

Dieses "Elektrisieren" und die damit einhergehenden Tänze der Hormone ist Ausdruck von Begierde und Verlangen, vielleicht auch von Verliebtheit. Jedenfalls macht sich ein akutes oder schleichendes Bedürfnis bemerkbar, jene Person, die so elektrisierend auf uns wirkt, näher -womöglich ganz nah- kennen zu lernen. Das ist das eine, schöne Gefühl. Aber dies ist noch keine Garantie für eine dauerhafte Beziehung. Nun weiss ich nicht, was Mayarosa für Muster meint, die sich wiederholen und die sie, folgerichtig, durchbrechen will. Offenbar verliebt sie sich stets in die "falschen Kerle". Offenbar gibt es da eine Konstante, die "falschen Kerle" gleichen sich (nicht primär äusserlich gemeint, aber vom Typus her, vom Charakter und von dem, was sie repräsentieren bzw. glauben zu repräsentieren). Das wäre wohl der erste Ansatz, zu erkennen, worum es sich da genau handelt.

Letztlich muss man aber scheitern, läuft man der Liebe hinterher - ich weiss aus eigener Erfahrung, wovon ich hier spreche. Die Liebe wird Dich überraschen, das kann noch heute passieren, irgendwo und irgendwann, und sie wird Dich regelrecht durchschütteln. Wenn Du jenem Mann begegnest, der bei Dir die Hormone hochtanzen lässt, ist das schon mal gut und schön und berauschend, oh ja! Wenn darüber hinaus jener Mann -jetzt im übertragenen Sinn gesprochen- Deine Melodie harmonisch aufnimmt und fortführt, wenn er Dich regelrecht spürt, auch wenn Du nicht bei ihm bist, wenn umgekehrt Du diesen Mann spürst, auch wenn er nicht physisch präsent bist, wenn Dich die Sehnsucht packt und fast verrückt macht, wenn sich, pathetisch gesprochen, aber durchaus ernst gemeint, Eure Seelen begegnen, auf dass Ihr glaubt, Ihr hättet Euch doch schon lange zuvor bereits gesehen und gespürt, dann, Mayarosa, hast Du jenen Mann gefunden, nein, vor-gefunden, der irgendwo auf dieser Welt existiert und auch Dir -nur Dir- begegnen muss, er weiss noch nichts von seinem Glück, so wenig wie Du heute von Deinem Glück weisst, aber dieses Glück wird sich einstellen, und zwar dann, wenn es sein muss, nenne es Fügung, Schicksal, wie auch immer. Dies wünsche ich Dir, dass Du Deinem Seelenverwandten begegnest, wo auch immer er sein mag und in welcher Lebenssituation er auch immer sein mag. Ich glaube daran, dass zusammen kommen muss, was zusammen gehört. Natürlich, Komplikationen sind dabei nicht ausgeschlossen, es mögen Sachzwänge da sein und weiteres mehr, die Eurem Glück im Weg stehen. Das Leben geht oftmals seltsame Wege, die nicht immer zu durchschauen sind. Aber der Fluss des Lebens lässt sich nicht zähmen, er bahnt sich seinen Weg. Spüre ihm nach.

Dienstag, 4. Mai 2010

Liebe?

Anna und autum sinnieren in ihren Blogs über Liebe und Abhängigkeiten. Letztlich geht es um die zentrale Frage, ob ich eine Person aus narzisstisch-defizitären Gründen oder aus freien Stücken liebe, frei von inneren Defiziten, Projektionen oder Idealisierungen, frei von Besitzansprüchen und Abhängigkeiten.

Wie erkenne ich nun, ob ich einen Menschen wirklich liebe? 'Wirklich' in dem Sinne, dass ich nicht aus egoistisch-defizitären Gründen den betreffenden Menschen liebe, sondern aus einem gewissermassen 'autonomen' Gefühl heraus? Ist dies überhaupt 'ergründbar', mithin 'messbar' im wissenschaftlichen Sinn?

Wenn ich einem Menschen begegne und dabei das Herz zu pochen beginnt, die Hände feucht werden und dergleichen mehr (physische Reaktionen), dann kann dies ein Zeichen von Verliebtheit sein und/oder von Begierde. Wenn bei dieser Begegnung darüber hinaus der eine erahnt, was sein Gegenüber denkt und fühlt, wenn dieses Gegenüber eine Melodie anstimmt und ich diese aufnehme und harmonisch weiterführe, wenn, ganz im Sinne Rilkes, die Gedanken- und Gefühlswelten sich ganz nahe kommen, wenn ich buchstäblich all seine Wünsche von den Augen ablesen kann, und wenn sich dann, folgerichtig, nach schon kurzer Zeit ein mächtiges Gefühl des Vertrauten einstellt, das uns umhüllt und uns nicht mehr los lässt, dann muss dies eine aussergewöhnliche Begegnung sein, die ich mir nicht 'aussuchen' kann. Sie stellt sich plötzlich, mithin aus dem Nichts, ein. Sie ist vor allem etwas Vor-Gefundenes, etwas, was sich meiner Kontrolle und meinem Willen entzieht, etwas, was ich nicht konstruieren und bestellen kann. Sie ist, anders gesprochen, ein Geschenk, vielleicht ein Akt der Gnade.

Die Liebe verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. So heisst es, ganz radikal, im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 13, in der Übersetzung Luthers (als Agnostiker kann ich ohne Hemmungen die Bibel zitieren). Diese schlichten Sätze sagen im Grunde der Dinge alles, was es zu diesem Thema zu sagen gibt. Wenn ich tatsächlich so weit bin, einen Menschen so selbstlos und so tief zu lieben, liebe ich ihn aus freien Stücken und mit meinem ganzen Herzen, frei von inneren Zwängen, Projektionen und Egoismen.

Samstag, 1. Mai 2010

Von der Vernunft und dem kindlichen Ich

Grau und kühl ist es heute Abend
eingehüllt in einer Decke sitze ich auf dem Balkon
blicke auf die Stadt
und höre dem Regen zu
vor nicht allzu langer Zeit
dachte ich mir
dass es doch irgendwo auf dieser Welt
einen Menschen geben muss
mit dem man sich verbunden fühlt
wo immer dieser Mensch auch sein mag
die berühmte Nadel im Heuhaufen
was riet mir damals mein Umfeld
loslassen
Vertrauen haben
dem Leben Recht geben
und nun weiss ich
dass es diesen Menschen in der Tat gibt
er wohnt zwar nicht um die Ecke
das wäre wohl zuviel vom Leben verlangt
aber es gibt ihn
Ich sitze auf dem Balkon
eingehüllt in einer Decke
nach Wärme suchend
jener Mensch ist nicht da
physisch nicht da
und trotzdem ist er da
ich glaube ihn zu spüren
räumliche Distanz hin oder her
komplizierte Umstände hin oder her
Sachzwänge hin oder her
feiner Regen fällt
ansonsten Stille
ein Gefühl von Dankbarkeit stellt sich ein
Melancholie macht sich breit
die Züge sind jetzt gut zu hören
wegen der Windlage
Die Phantasie sagt mir
aufstehen
den nächsten Zug nehmen
ich mag mein kindliches Ich
weil es immer wieder rebelliert
gegen die sogenannte Vernunft
gegen Sachzwänge
es zwingt mich zu einem inneren Dialog
und lässt mich hoffen
hüpfen
lachen
zuversichtlich sein

Montag, 26. April 2010

aus den Fugen

Mein Leben gerät aus den Fugen, zum Glück. Die Logik der ewigen Wiederkehr des Gleichen (Nietzsche) wird durchbrochen. Der zu bezahlende Preis lässt sich mit Wehmut und Sehnsucht umschreiben, die Umstände bzw. die Konstellation sind kompliziert. Die Konzentration auf die Arbeit wird schwierig, an durchgehenden Schlaf ist zur Zeit nicht zu denken. Ich bin aufgewühlt, ja, und ungeduldig. Die Nüchternheit sagt: bleib auf dem Boden, das Leben sagt: gut so! Ich will nicht immer alles unter Kontrolle haben, so tun, als hätte ich alles im Griff. Wer kriecht, wird nicht stolpern. Aber das Kriechen will ich mir nicht aneignen.