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Sonntag, 25. August 2013

Wieder einmal Sartre....

....beim Durchblättern des Ekels aufgeschnappt:

„Und es stimmte, ich war mir dessen immer bewusst gewesen: Ich hatte kein Recht zu existieren. Ich war zufällig erschienen, ich existierte wie ein Stein, eine Pflanze, eine Mikrobe. Mein Leben wuchs auf Geratewohl und in alle Richtungen. Es gab mir manchmal unbestimmte Signale; dann wieder fühlte ich nichts als ein Summen ohne Bedeutung.“

Montag, 11. März 2013

Angst, präzisiert

Es geht mir nicht um Angst in einem pathologischen Sinn verstanden. Ich habe keine Depressionen, stehe morgens frisch auf und frühstücke, als ob ich Schwerarbeiter wäre. Es geht mir um etwas gänzlich Anderes, und dies muss ich unterstreichen, um nicht missverstanden zu werden: Ich gehe von Sartres Begrifflichkeit aus, derzufolge Angst als Bewusstwerden meiner grundsätzlichen Unbestimmtheit als Mensch zu verstehen ist. Ich weiss, dass dies nur ein Deutungsmuster sein kann und Sartre kein Säulenheiliger ist. Es muss und es gibt noch andere Stimmen in der Philosophie, die diesen Pfad verlassen haben. Daran will ich mich vermehrt orientieren oder zumindest die Spurensuche aufnehmen.

Mittwoch, 6. März 2013

Abends an einer Theke

Gelegentlich gehe ich abends spontan und ohne jegliche Abmachung in die Stadt, lasse mich treiben und lande, vielleicht, an einer Theke. Jene, die alleine da sitzen, starren entweder auf ihr Bier (meistens ist es Alkoholika) oder spielen nervös mit ihrem Handy, als ob sie kommunizieren würden (vielleicht tun sie es ja auch). Ich bestelle meistens ein kleines Bier (2,5 dl), wenn ich Lust darauf habe, und beobachte das Geschehen. Ich sehe vor allem unzufriedene Gesichter oder solche mit leerem Blick. Es sieht nicht so aus, als würden sie ein Gespräch suchen, aber warum sitzen sie inmitten von Menschen und trinken Bier, möchte man rhetorisch in die Runde werfen. Frauen sind selten alleine zu sehen, und wenn doch, dann signalisieren sie gewissermassesn präventiv Desinteresse und spielen mit ihrem Handy, wühlen in ihre Handtaschen oder wissen nicht, wohin sie blicken sollen. Es ist nicht so, dass ich einen Marktplatz schwatzwilliger Menschen erwarte, wenn ich ein Lokal betrete, aber etwas mehr Offenheit täte ja schon gut. Wenn ich mich herumhöre in meinem Bekanntenkreis, so wird meine Wahrnehmung grossmehrheitlich geteilt: wir Schweizer sind zurückhaltend, mitunter kühl, abweisend, eher nicht gesellig, und wenn doch, dann in der Gruppe. Bei der ersten Begegnung herrscht vorerst einmal Skepsis wohl nach dem Credo: was will der Kerl bloss von mir?

Soll ich nun das Klischee des unbeschwerten Südländers bemühen? Ich war noch nie in Bologna, ob es dort anders ist? Oder irgendwo in einer pulsierenden Stadt in Spanien, es muss ja nicht immer Madrid oder Barcelona sein. Ich könnte abends gegen 22 Uhr den Zug besteigen und 10 bis 12 Stunden später dort den Test antreten, irgendwo mich setzen, niemand würde mich kennen, ich würde ein Glas des regionalen Weins bestellen und mich herum sehen und dann ...

zum Schluss noch dies:
wie heisst es sinngemäss irgendwo in Sartres Roman "der Ekel": Paris, New York, Tokio: irgendwann ist alles dasselbe. 

Samstag, 25. Februar 2012

Pro Kuh 5300 Franken

Lieber gibt die Schweiz pro Bauernhof 51'000 Franken aus. Pro Kuh sind das 5300 Franken: Drei Kühe sind heute der Schweiz gleich viel wert wie eine Studentin oder ein Student. Und das im 21. Jahrhundert...

schreibt die Basler Politikerin und Parlamentarierin Anita Fetz. Nun, die Zahlen habe ich nicht nachgeprüft und lasse sie mal so stehen. Wir Schweizer mögen aber ganz offensichtlich Kühe, die geben immerhin Milch her für die Butter- und Käseproduktion. Studierende haben da einen schwierigeren Stand und rentieren halt etwas weniger, zumindest während ihrer Ausbildungszeit, deshalb der Wettbewerb zwischen ihnen und den produzierenden Kühen um die knappen Finanzen. 

Ich nehme das Ganze mal achselzuckend zur Kenntnis und stelle fest, dass das Absurde allgegenwärtig sein kann. 

Samstag, 26. November 2011

Begierde

Gefunden bei Sartre (in: das Sein und das Nichts, Reinbek 1974, S. 507)

Begierde ist der Fleischwerdungsversuch des Bewusstseins. Und: Ich werde zu nichts als heisser, feuchter Haut.

Kann man es treffender formulieren?

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Erwartungen

Wer hofft, kann nur enttäuscht werden. Wer aber keine Erwartungen hat und von einem illusionslosen Skeptizismus ausgeht, kann im besten Falle vom Glück überrascht und eines Besseren belehrt werden. Daher hart Sartre Recht: der Optimismus bedarf als Ausgangspunkt der Hoffnungslosigkeit.

Montag, 16. Mai 2011

Mit der Hoffnungslosigkeit beginnt der wahre Optimismus

Manche Situationen bzw. Erwartungen im Leben erachte ich als schlicht hoffnungslos. Eine Liebe zum Beispiel kann hoffnungslos sein, weil die Umstände kein Zusammenwachsen erlauben, aus welchen Gründen auch immer.

Mit der Hoffnungslosigkeit, so hat es Sartre erkannt, beginnt aber der wahre Optimismus dessen, der nichts erwartet. Ich weiss sehr wohl, dass dies ein sehr hoher Anspruch ist, nichts zu erwarten, und in dieser reinen Form wird er wohl auch nie zum Tragen kommen. Doch sobald ich etwas erwarte, kann ich, folgerichtig, enttäuscht werden. Diese Einstellung kann auch ins Defätistische kippen, indem ich alles, was um mich herum und mit mir passiert, mit Demut -oder schlicht achselzuckend- zur Kenntnis nehme. So hat es Sartre wohl sicher nicht gemeint. Der wahre Optimismus, so wie ich ihn verstehe, lässt keine rosaroten Brillen zu, er ist nüchtern und akzeptiert in einem übergeordneten, existenziellen Sinn verstanden, die Bedingungen menschlichen Daseins. Dazu gehören auch Trauer, Einsamkeit und Tod. Der Mensch ist in seinem Handeln frei: er entscheidet immer -auch wenn er vermeintlich "nicht entscheidet"- und trägt immer die Konsequenzen seines Handelns.

Ich lerne: die Sehnsucht, die ich in mir trage, soll frei von Hoffnung sein, ja sie ist es auch. Ich erwarte nichts von ihr. Ich nehme sie an, ich spüre ihr nach und versuche zu verstehen, was mir diese Sehnsucht sagen will. Vielleicht werde ich dereinst noch zu einem wahren Optimisten.