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Montag, 24. Juni 2013

Elterliche Projektionen

In letzter Zeit fallen mir des Öfteren Eltern auf, die allerlei auf ihre Kinder projizieren:
  • Da wäre L, die ihre Tochter zum Klavierspielen verdonnert und knallhartes Üben diktiert (mindestens 1 Stunde pro Tag) und sie darüber hinaus in den Ballettunterricht schickt, so dass das Kind einen Terminkalender hat, dessen Dimensionen an einen Manager erinnern. Die Mutter jedoch ist eine musikalische Niete, und Ballett ist wohl auch kaum ihr Ding. Das Kind als Erfüllungsgehilfe unerreichbarer Träume und Phantasien der Mutter.
  • Oder C., die ihre Tochter auf Teufel-komm-raus in das Untergymnasium prügeln will, angeblich weil sie dereinst Tierärztin werden möchte. Überhaupt ist das Kind nach Überzeugung der Mutter hochbegabt in jeder Hinsicht sowie musikalisch und intellektuell allen anderen weit voraus. Die Mutter jedoch ist kaum in der Lage, 1+1 zusammenzuzählen, auch sonst fällt sie bei Gesprächen nicht gerade auf als intellektuelle Bombe. Auch hier: das Kind soll gefälligst das erbringen, was die Eltern selber nicht können. 
Die Liste liesse sich fortführen. Singt das Kind unter der Dusche, ist es gleich prädestiniert für eine glanzvolle Karriere als Opernsänger. Kann es 4+2 zusammenzählen, ist es gleich ein angehender Einstein. Usw usw. Wie wär es denn, liebe Eltern, wenn ihr Euer Arsch selbst ein bisschen bewegen würdet?
Dem Kind wäre damit geholfen, Euch auch.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Das Leben nochmals erleben


In den Kindern erlebt man sein eigenes Leben noch einmal, 
und erst jetzt versteht man es ganz.
Kierkegaard

Mag sein, dass dem, ansatzweise, so ist. Ich erlebe beim Spiel mit meiner Tochter mitunter intensive Momente des Erinnern. Ihre kleinen Triumphe und Niederlagen des Alltags sind qua Erinnerung auch die meinen. Unlängst musste ich meinen damaligen Schulweg nochmals durchwandern und sah mir dabei alles an. Merkwürdig, als sei die Zeit stehengeblieben, verliere ich mich in meinen Gedanken längst verflossener Momente. Ob dabei allerdings das Leben ganz verstanden wird, wage ich sehr zu bezweifeln. Ich bin schon froh, etwas achtsamer zu werden. 

Donnerstag, 12. April 2012

Zwei kleine Jungs

Zwei kleine Jungs spielen stundenlang auf bzw. mit dem Eis des halbwegs zugefrorenen See. Mittels spitzen Steinen, Stöcken und viel Kraftaufwand versuchen sie, durchwegs sorgfältig geplant, Löcher in das Eis zu bohren bzw. zu schlagen. Staunende Mädchen machen mit, feuern an, suchen ihrerseits nach weiteren spitzen Steinen nahe des Seeufers und hoffen, dass das unter der Eisoberfläche unruhig und schwarz wirkende Wasser bald einmal durch das noch nicht gänzlich offene Loch schiesst. Die Jungs schwitzen wie verrückt, feuern sich gegenseitig an, besprechen laufend den Sachverhalt, harren aus, derweil die Füsse schmerzen und die Hände sowieso.

Später wird sie der kalt schneidende Wind zwingen, ihr Vorhaben frühzeitig abzubrechen. Gut gelaunt und befreit von schweren Gedanken ziehen sie von dannen, müde, abgekämpft und mit dem wohligen Gefühl, wieder einmal etwas Handfestes getan zu haben. Die Mädchen protestieren (wir wollen fischen! wir wollen fischen!) und sind insgeheim froh (die kalten Füsse!), das Eisfeld räumen zu können.

Die Jungs sind in Wahrheit längst erwachsen und konnten wieder einmal Kind sein. Später, beim gemeinsamen Nachtessen, werden sie kichernd an ihr Abenteuer denken, etwas fachsimpeln und sich gegenseitig zuprosten. Wie Jungs von damals. Nur dass sie mittlerweile schon etwas älter geworden sind. 

Dienstag, 20. März 2012

Ohne Maskerade

Heute Mittag konnte ich kurz mit meiner Tochter und einem weiteren Kind das Mittagessen einnehmen. Was mir immer wieder auffällt: Kinder sind so, wie sie sind. Nichts von Maskerade und dergleichen mehr. Keine Heuchelei in der Wortwahl, was nicht heisst, dass Kinder in ihrer Ausdrucksweise unsensibel wären. Aber sie reden nicht zwischen den Zeilen, sondern mit ihnen.
***
und mich erwarten weitere Stunden im Geschäft. Abends ein Treffen, jedoch keines des Herzens. Kompromisse da und dort - manchmal hasse ich mich dafür: die Maskerade lässt grüssen. 

Dienstag, 6. März 2012

Pinocchio, wir lieben dich doch so!

Nach einem anstrengenden Tag nehme ich gerne Kinderbücher hervor, blättere darin und lass mich einfach verzaubern....

....Sehnsucht nach unbeschwerter Kindheit, will sagen: nach unbeschwertem Leben








Dienstag, 6. Dezember 2011

Babykonzerte

Früh übt sich.
So ist es.
Da gibt es Babykonzerte.
Jawoll, B-a-b-y-k-o-n-z-e-r-t-e.
Gut so.
Musik kann so etwas wie Heimat vermitteln.
Heimat im Sinne von "zu Hause sein", bei sich sein.
Zuhören können.
In sich gehen können.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer.

Babys im Konzert – warum nicht? Unsere kleinsten Zuhörer (bis Krabbelalter) können auf Decken und Kissen gemeinsam mit Mamis und Papis eine gute halbe Stunde lang kindgerechten Klängen lauschen, die von Musikern des Philharmonischen Orchesters zum Besten gegeben werden. Auch werdende Mütter und Väter sind bei diesem kurzweiligen Konzerterlebnis herzlich willkommen. Kinderwagenparkplätze und Wickeltisch sind vorhanden. Aufgrund der großen Nachfrage bitten wir, die Karten im Vorverkauf zu erwerben.

Montag, 8. August 2011

Neulich auf dem Spielplatz

Ich mag es, auf Spielplätzen zu sein. Dabei beobachte ich nicht nur Kinder beim Spielen, sondern auch deren Eltern bzw. Betreuer. Da sah ich neulich einen älteren Herr, den ich für den Grossvater des Kindes hielt. Prompt hörte ich rufen: Papa komm, spiel doch mit! Und Papa ging und machte alle möglichen und unmöglichen Faxen, wirkte dabei völlig überdreht. Nach einer Weile sagte ihm der Dreikäsehoch: ach Papa, Du bist s-o-o-o-o-o peinlich. Papa war etwas beleidigt, vor allem etwas ratlos.

Vielleicht sollte dieser Vater etwas weniger überdreht sein und nicht um jeden Preis seinem Kind gefallen wollen. Das Kind hat wohl intuitiv gespürt, dass sein Papa dabei war, die Kinderwelt für sich einzunehmen (wenn auch nicht willentlich), so dass das Kind gar keinen eigenen Freiraum mehr hat, weil der allzu lustige Papa diese besetzt und damit dem Kind etwas Wesentliches raubt, nämlich seinen Raum der Phantasie. Wie soll das Kind in seiner Kinderwelt zu Hause sein, wenn der Papa sich diese einverleibt? Und sich benimmt wie ein dreijähriger?

Kinder wollen in erster Linie Eltern, also Erwachsene, die auch Grenzen setzen können und keine sich anbiedernden Kumpels als Eltern, welche die Logik des kindlichen Spiels für sich einnehmen. Damit sage ich nicht, dass Eltern mit ihren Kindern im gemeinsamen Spiel nicht lustig oder ausgelassen sein sollen. Es geht mir vielmehr darum, dass Kinder Anrecht haben auf ihre Ausdrucksweise, ihr Spiel und ihren Humor und dass Eltern diese nicht nachäffen sollen. Nicht nur, weil es dann, gerade aus Sicht des Kindes, eben sehr peinlich wirkt.