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Dienstag, 24. März 2015

gemeinsame Lebenslügen.....

aufgeschnappt bei Thome:
gemeinsame Lebenslügen = wenn der eine nicht hören will,
was der andere nicht zu sagen traut.


Warum bloss tun sich Menschen das an?? Man arrangiert sich...denkt an die Rente, die gemeinsame Wohnung....die Furcht vor der Freiheit und damit vor der Verantwortung für das eigene Leben.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Noyuri und Takuya

Heute beim morgendlichen Lesen des NZZ-Feuilletons entdeckt und gleich auf die Einkaufsliste für heute spätnachmittags gesetzt. Die Autorin des besprochenen Romans als "Meisterin zurückhaltender Vertrautheit" taxiert - das darf man sich nicht entgehen lassen.

«Bestimmt will er (der Taxifahrer) unbedingt wissen, in welchem Verhältnis wir zueinander stehen›», flüsterte Takuya ihr zu. ‹Verhältnis. Ja, ob wir verheiratet sind, womöglich gerade einen Seitensprung machen oder beruflich unterwegs sind.› Das Wort Seitensprung schockierte Noyuri für einen Moment. ‹Einen Seitensprung, aha›, sagte sie. Sie war erstaunt, wie heiter ihre Stimme klang. Sie musterte Takuya. Dieser zuckte die Achseln. ‹Das Wort Seitensprung klingt irgendwie beschwingt, oder›?, sagte sie leise.»

Freitag, 10. Mai 2013

...wie ein Zuviel an Sonne

Ich bin mittlerweile auf Seite 440 angekommen in jenem Buch, das die Liebe in groben Zügen behandelt. Meine Zwischenbilanz: das Buch fällt nicht ab, im Gegenteil, das fein ausgelegte Netz gegenseitiger Abhängigkeiten wird immer sichtbarer. Vila und Renz, das Paar, das sich, so scheint es, nicht mehr viel zu sagen hat, geht konsequent "fremd", er macht es nicht einmal heimlich bzw. bemüht sich kaum, es unter dem Deckel zu behalten, sie aber macht aus ihren gelegentlichen Affären ein Geheimnis (oder Renz sieht es einfach nicht, weil er sich das von seiner Frau gar nicht vorstellen kann), auch jetzt, da sie Bühl kennengelernt hat, jenen Mann, der das gemeinsame Ferienhaus des Ehepaars in dessen Abwesenheit hegt und pflegt und ein etwas komischer Kauz ist. Und sie liebt ihn, so scheint es und so glaubt sie es auch, anders als ihre bisherigen Seitensprünge, weil diese eher als Rache gedacht waren, um es ihrem Mann heimzuzahlen. Und so sehnt sie sich nach Bühl (immer wieder Bühl!) und schafft es doch nicht, ihrem Mann klaren Wein einzuschenken, stattdessen wirft sie ihm seine bisherigen Affären wie auch seine aktuelle Affäre mit einer krebskranken Frau, die nicht mehr lange zu leben hat, vor. Auf einer längeren Autofahrt mitten durch die Schweiz dann ihre Erkenntnis, dass sie Renz auf ihre Art doch liebt, Renz als ihre Rüstung, Renz als Voraussetzung, dass sie sich fallen und gehen lassen kann. Und dann die alles durchflutende Erkenntnis, dass Renz ihr Netz ist, weil "Bühl minus Renz ihr zu viel werden könnte wie ein Zuviel an Sonne" (S. 436). Dieser wie beiläufig notierte Satz hat mich gerüttelt. Vila und Renz: da ist einfach zu viel an Wurzeln vorhanden, zu viel an gemeinsamer Geschichte, zu viel an gemeinsamen Momenten nachts in der Küche, als sie beide einen Prosecco zusammen trinken, sich zwar gegenseitig Vorwürfe machen, mal verbal, dann nonverbal, und doch lachen sie gemeinsam, wenn auch die Grenze zum Komischen und Tragischen fliessend ist. Die Bäume bzw. deren Wurzeln sind mehrfach und untrennbar ineinander verkeilt, von aussen nicht sichtbar, eine Symbiose, aus der es kein Entrinnen gibt, nur kleine sachte Nebenwurzeln, die der Hauptwurzel entspringen, aber letztlich von ihr abhängig bleiben und somit aus sich selbst heraus nicht überlebensfähig sind, sind sichtbar und doch dem Leben abgewandt.

"...Bühl minus Renz ihr zu viel werden könnte wie ein Zuviel an Sonne"...
so wie sie -wer das auch immer sein mag- ihr Handy bewusst nicht ausschaltet, wenn sie fremdgeht, weil das Handy die Verbindung sicherstellt zu ihrer Rüstung, die sich in Form ihres Ehemanns auch prompt meldet und wie beiläufig fragt, wo sie jetzt gerade sei, und sie, während sie das pralle Leben ihres Liebhabers in ihrer rechten Hand hält und massiert, bloss etwas stammelt wie ach unterwegs, soll ich das Abendbrot besorgen?, und dann wie erschlagen da sitzt und nicht weiss, ob das, was sie tut, sich richtig oder falsch anfühlt und kampflos das Liebes- bzw. Abenteuernest auf Zeit räumt. Die allumfassende Wurzel kann sich tief eingraben, uns besetzen, so dass es kein Entrinnen mehr gibt, nur -oder immerhin- kleinere Fluchten zulässt, so wie ein Baum kurz vor seinem Sterben noch Angsttriebe erblühen lässt - was für ein schöner, trauriger Anblick, einer Agonie gleich, die im Angesicht des Todes noch kurz rebelliert und all jenes noch zum Blühen bringen will, das ein Leben lang tief in ihm schlummerte.

Sonntag, 5. Mai 2013

Jenseits der Komfortzone

Die Wahrheit, unsere Wahrheit, liegt oftmals jenseits unserer Grenzen. Grenzen, die wir aus Bequemlichkeit, Feigheit oder Ignoranz oft nicht überschreiten wollen. Ja wir ahnen oftmals gar nicht, dass ein zeitweiliger Ausbruch aus der bürgerlichen Komfortzone so eminent wichtig wäre auf die Gefahr hin, vieles zu verlieren, was uns bisher so lieb und teuer war, zum Preis freilich gewonnener Erkenntnisse über uns und unsere Umwelt. Wir erkennen uns dann, wenn wir in unsere Abgründe blicken und dabei sehr genau hinschauen. Wenn wir nicht tun, was wir schon lange hätten tun wollen, aus Furcht, sich im Labyrinth unerforschter Gefühle und Leidenschaften (in einem breit verstandenen Sinn gemeint) zu verlieren, sind wir nur halbwegs uns selbst. Krieg raus, wer du bist, und schnüffle nicht Gott hinterher, denn was die Menschheit ist, begreifst du am besten an dir! Da hat er einmal wieder Recht, der Biermann.

Zum Schluss noch dies: 
mein Filmtipp für heute Abend.
Liebesleben, Arte, 22.50 Uhr
Alles gerät durcheinander im Leben dieser Frau, die doch, verdammt noch mal!, alles hat - scheinbar zumindest: einen lieben Ehemann, gesicherte Finanzen, Aussichten auf eine glanzvolle akademische Karriere, ein schönes Zuhause und und und.
Und doch passiert es, ein (ungewollter?) Ausbruch aus dem Korsett der Bequemlichkeit, ein nicht zu bremsender Drang, jene Grenzen zu überschreiten, die sich plötzlich zu erkennen geben und uns zeigen, dass da noch etwas wäre, jenseits all dessen, was wir kennen und schätzen - oder glauben, es zu kennen.

Donnerstag, 28. März 2013

Im Gefängnis

Neulich ruft er mich wieder an und erzählt mir aus seiner Ehe. Er hat Angst, seiner Frau zu sagen, dass er eine andere Frau kennen gelernt hat, mit der er sich gut versteht. Einfach so. Sie lesen dieselben Bücher, lieben dieselbe Musik und plaudern einfach gerne zusammen. Doch seine eifersüchtig-kranke Ehefrau würde dies nicht verstehen, würde "Verrat Verrat" rufen und ihm den Krieg erklären.
Also lässt er es sein.
Schweigt.
Und geht heimlich an diese Treffen, an denen sie sich gegenseitig Texte vorlesen oder ein Konzert besuchen.

Das selbst gewählte Gefängnis kann grausam sein. Und absurd.


Freitag, 30. November 2012

Kein Nörgeln

Auf meine schlichte Frage, weshalb er eine aussereheliche und bislang geheime Beziehung (er nennt es keine Affäre) habe, antwortet er nach kurzem Überlegen mit fester Stimme: sie nörgelt nicht an mir herum. Ich schwieg und verstand. 

Sonntag, 1. Juli 2012

Vom Sprung ins kalte Wasser

Sie sei vor einem Jahr von ihrem Mann nach 23 Jahren Freundschaft bzw. Ehe verlassen worden, erzählte sie mir kürzlich bei einem Glas Wein und einem feinen Teller Fleisch mit Brot und Käse. Und ja, sie habe sich seit einem Jahr zurückgezogen und könne sich von ihrem Mann emotional doch nicht trennen. Die gemeinsamen Jahre! Die gemeinsamen Kinder! Die gemeinsamen Stunden voller Vertrautheit! Sie könne sich daher keinem Mann mehr öffnen, zumindest noch nicht jetzt, das brauche noch Zeit. Ich höre ihrem Leben zu und stelle mir vor, wie sie mir gerade wortreich erklärt, dass ich mir nur keine falschen Hoffnungen machen solle. Und dann ihre Frage: ach, kannst du mich verstehen?

Gewiss, 23 gemeinsame Jahre wiegen schwer im biografischen Rucksack. Doch ist dies ein Grund für Resignation, Abschottung und Panzerbau? Schritt für Schritt ein neues Leben aufbauen und spüren kann doch wohl nur dann wirklich gelingen, wenn man sich parallel dazu öffnet. So wie man sich vor dem Sprung ins kalte Wasser annetzt und sich damit mit ihm anfreundet. 

Sonntag, 11. Dezember 2011

Nähe, Vertrauen, Vertrautheit

Notiert:
Intime Nähe (nicht in erotischer Hinsicht gemeint) im Sinne einer emotionalen Nähe, im Sinne von Vertrautheit und Vertrauen kann sehr wohl auch ausserhalb einer "normalen" Paarbeziehung existieren bzw. gepflegt werden. Womit sich fragt, ob unter einer solchen Konstellation eine "normale" Paarbeziehung darüber hinaus im besten Fall nur noch die erotisch-sexuelle Komponente beinhaltet.

Oder anders gesagt: wer asexuell ist oder, aus welchen Gründen auch immer, keine "normale" Paarbeziehung leben möchte, kann intimste Momente und Beziehungen sehr wohl auch erleben und leben.

Für mich käme dies nicht in Frage, ich brauche das Gesamtpaket. Aber auch hier kann man sehr wohl geteilter Auffassung sein.

Samstag, 24. September 2011

Von Lügen und Schweigen

Ich habe es mir heute Nachmittag auf der Terrasse ganz bequem eingerichtet. Sonnenschein pur. Ein kleines Lüftchen weht, ich lese Bücher, Zeitungen und allerlei Klatsch kreuz und quer durcheinander. Das tue ich gern. wenn ich mich auf ein bestimmtes Buch bzw. Thema nicht allzu sehr konzentrieren kann.

Bevor ich meine Joggingrunde drehe, lese ich gerade etwas über "Kommunikationsprobleme in Ehen". Die Kommunikation in Ehen, so liest man hier, sei nach wie vor verstockt. Weil man sein Gegenüber nicht verletzen wolle, lüge man lieber, oder spreche nicht das aus, was man eigentlich möchte. Aber aus Scham oder Bequemlichkeit oder Angst oder gar aus Liebe schweige man halt lieber oder lüge etwas zusammen. Und was würden denn die Eheleute einander gerne sagen, wenn sie es denn täten? Hier ein kleiner Auszug (ich wähle jene Sätze bzw. Geständnisse aus, die ich in einem gewissen Sinne rührend oder auch besonders komisch-tragisch finde) nicht ausgesprochener, sondern nur gedachter Sätze:
  • ich freue mich, wenn mein Mann sagt, er müsse noch arbeiten oder er wolle einen Film schauen und ich allein ins Bett kann.
  • mein Mann ist wahnsinnig rücksichtsvoll im Bett, sehr zärtlich, mit vielen Küssen. Und er fragt ständig, ob es schön für mich sei. Dabei will ich doch wieder mal hart rangenommen werden.
  • irgendwie glaube ich, dass da noch etwas Besseres kommt.
  • mein Mann ist ein guter Vater, so pflichtbewusst, nachsichtig, total unerotisch. Ich könnt kotzen, wenn ich ihn sehe, wie er unserem Sohn Brei in den Mund schiebt.
  • Wenn ich abends mit einer Frau etwas trinken gehe, lüge ich meine Frau an und sage, es sei ein Mann, weil ich keine Lust habe auf ein Theater.
  • wenn wir alleine sind, wissen wir gar nicht mehr, was wir miteinander anfangen sollen.
  • wenn ich alleine bin, trinke ich Latte macchiato und esse Kuchen.
  • ich würde meine Frau gerne fragen, ob sie sich tatsächlich vorstellt, bis ans Ende ihres Lebens nur noch mit mir Sex haben zu wollen. Ich traue mich aber nicht.
  • Ich habe einen Geheimcode für das Handy und den Laptop. Ich erzähle meiner Frau, dass ich das tue im Falle eines Diebstahls. Tatsächlich ist es zum Schutz meiner Privatsphäre vor meiner Frau. Ich merke auch, wenn sie rüber schielt, wenn ich den Code eingebe.
Und so weiter.

Und ich fühle mich ertappt.
Weil ich auch meine kleinen Lügen parat habe, obwohl ich nicht mit jener Frau verheiratet bin.

Kleine Lügen des Alltags.

Ich denke, dass der (Ehe)partner / partnerin kein Beichtstuhl aus Fleisch und Blut ist. Kleine und grössere Geheimnisse gehören zum Menschsein. Gewiss, Probleme sollen angesprochen werden. Doch ein jeder braucht auch seine Freiräume, seine Phantasien und letztlich seine (kleinen) Fluchten aus dem Alltag. Es gilt, eine Balance zwischen "Wahrheit" und "gelebter Autonomie" zu finden - jeder und jede wird hier naturgemäss eine andere Gewichtung vornehmen.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Beim Frisör

Woran erkennt man, dass man älter wird und sich gewisse Rituale in das tägliche Leben einschleichen, die auf Kosten der Spontaneität gehen?

Zum Beispiel daran, dass man sich kaum mehr vorstellen kann, den Coiffeur (schweiz. für Frisör) zu wechseln. Seit rund 20 Jahren gehe ich immer zur gleichen Fachfrau. Sie weiss genau, wie ich den Haarschnitt mag, ich muss keine langatmigen Erklärungen abgeben. Auch unsere Gespräche bzw. Themenwahl folgen einem gewissen Ritual. Man kennt sich - und gleichzeitig kennt man sich wenig. Man spricht zum Beispiel über das Älterwerden, da beide etwa gleich alt sind. Man spricht über seine Heimatstadt, da beide dieselbe haben. Am Schluss bekommt sie immer das gleiche Trinkgeld, und der Abschied ist ebenso rituell vorgegeben ("auf Wiedersehen, herzlichen Dank und alles Gute und bis zum nächsten Mal").

Ich wüsste nicht, weshalb ich ein anderes Geschäft aufsuchen sollte. Irgendwie erinnert es mich an eine in die Jahre gekommene Ehe: es läuft gut jenseits jeglicher Euphorie. Jeder erfüllt seine Rollen und weiss genau, worauf er bzw. sie sich einlässt. Das genügt doch, oder nicht?

Donnerstag, 19. Mai 2011

Langjährige Partnerschaften

Ich stelle mir vor:

Ein Paar (in einer Ehe oder einem Konkubinat lebend) kennt sich schon seit 10, 15 oder 20 Jahren. Was sie vor allem verbindet ist Vertrautheit. Vertrautheit der Gedanken, der Gefühle, des Intellekts, der alltäglichen Bewegungen. Eigentlich haben sich beide in einem gewissen Sinn auseinandergelebt, und doch haben sie sich gern. Sie wissen, was sie vom anderen erwarten dürfen, sie wissen, dass sie sich vertrauen dürfen. Sie unterstützen sich gegenseitig und nehmen sich für den anderen Zeit, wenn Probleme vorhanden sind. Auch wenn sie sich nicht mehr lieben als Mann und Frau: sie lieben sich dennoch, einfach "anders", nicht nach dem üblichen Schema: Die körperliche Komponente ihrer Liebe ist zu einer weit umfassenderen Liebe mutiert. Sie teilen sich manch Geheimnis, sie unternehmen Vieles zusammen, und sie lieben auch ihre gemeinsamen Kinder. Nur eines teilen sie nicht mehr: das gemeinsame Bett. Und wenn sie es dennoch tun, dann bleibt etwas draussen: die Leidenschaft.

Soll sich dieses Paar deswegen trennen? Heute sehe ich eine solche Konstellation pragmatisch: Warum nicht ein Arrangement treffen? Warum sich nicht gegenseitig zubilligen, dass sie ihre leidenschaftlichen Seiten und sexuellen Bedürfnisse "woanders", das heisst ausserhalb ihrer Beziehung, ausleben können? Warum dieses Entweder-Oder, dieses Schwarz-Weiss-Denken, vor allem: dieses besitzergreifende Denken? Ich meine: etwas mehr Ehrlichkeit gerade in langjährigen Beziehungen wäre angebracht. Ein offenes Gespräch auch und gerade über emotionale und sexuelle Bedürfnisse würde manches Unheil, manches Leiden ersparen.

Dienstag, 12. April 2011

Guten Fragen - diffuse Antworten

Folgendes Email hat mich heute erreicht, wofür ich mich herzlich beim Absender bedanke:

Nun lieber Peter ich lese dich nun schon ein Weile und verfolge still deine Gedanken und sein. Was ich mich schon lange frage, warum änderst du nicht, was dich schon so lange bedrückt ich möchte fast sagen erdrückt. Für mich als jemanden der "un"betroffen von aussen deine Hilferufe wahrnimmt, die vor Selbstmittleid und versuchten (Selbst)Erkenntnis voll sind... du scheinst am Ertrinken im Strudel von Melancholie... ich denke die Schmerzensgrenze ist erreicht.

Es macht mich betroffen zu lesen dass du mit B. Zeit verbringst und du dir dabei gemeinsam einsam vorkommst. Ich denke wäre ich in der Lage von B. so käme ich mir irgendwie missbraucht vor. Ausser natürlich die Regeln sind klar, doch denke ich nicht, dass B. mit dir vor einem so romantischen Hintergrund den Abend verbringen würde. Es verkäme zu einem Schauspiel.

Was ich nach der (allzu)langen Einführung eigentlich sagen will. Warum änderst Du nicht bewusst dein Leben, die Voraussetzungen dazu sind ja wirklich gegeben.

Eigentlich wäre alles ganz einfach im Leben.
Eigentlich.
Aber oftmals geht es nicht so, wie wir gerne möchten. Dennoch ist es nicht so, dass ich deswegen gesenkten Hauptes durch die Welt liefe. Ich singe gern und lache auch mal ganz laut. Das befreiende Gelächter also? Mag sein.

Das Leben lässt sich nicht auf Knopfdruck ändern. Ich jedenfalls kann das nicht. Die individuellen Rahmenbedingungen sind nun mal gegeben und lassen sich nicht von heute auf morgen auf den Kopf stellen. Die bekannten Sachzwänge, ach, wer würde sie nicht kennen? Mag sein, dass ich ein Opportunist bin. Deswegen bin ich aber noch lange kein Schweinehund. Ich heuchle nicht und mache nichts vor. Ja, ich arrangiere mich in einem gewissen Sinn mit meinem aktuellen Leben. Das wäre wiederum ein Verhalten, das mich an die Ehe mit ihren subtilen Mechanismen der Verdrängung erinnert.

Montag, 17. Januar 2011

Wo beginnt der Treuebruch?

Aufgeschnappt beim Lesen des Romans "Himmelreich" von Rolf Dobelli (Diogenes-Verlag, 2008, S. 17):

Wo beginnt der Ehe(Treue)bruch?
  1. Beim Gedanken an eine andere?
  2. Beim ersten Abendessen mit einer anderen?
  3. Beim ersten Abendessen mit einer anderen, das man zu Hause als Geschäftsessen verkauft?
  4. Wenn man einer fremden Frau Blumen schenkt - ohne dass sie im Spital liegt?
  5. Bei der ersten Umarmung, respektive beim ersten Kuss?
  6. Beim Geschlechtsverkehr?
  7. Beim wiederholten Geschlechtsverkehr?
  8. Beim Geschlechtsverkehr mit der eigenen Frau, während man an die andere denkt?

Mittwoch, 1. September 2010

zunehmende Klarheit

Heute habe ich mich einmal mehr gefragt, wie „echte“ Alleinerziehende (ich mache es ja bloss zu 50 %) ihr Pensum unter einen Hut bringen:

Arbeit, Kind(er), Haushalt, sonstige Verpflichtungen, Hobbies, Vereinstätigkeiten, Sport (hab ich was vergessen?). Am Arbeitsplatz habe ich den Arbeitshut an, später den Papahut, und diese Hüte sind nicht immer kompatibel. Zwar schätze ich es sehr, zwischen diesen Welten zu pendeln, aber manchmal ist es schon anstrengend. Arbeiten, Sitzungen, einkaufen, Kind abholen, allenfalls noch auf den Spielplatz gehen, nach Hause kommen, Abendessen vorbereiten, Hausaufgaben besprechen, allenfalls noch einige Minuten mit der Querflöte üben, Küche sauber machen, Kind unter die Dusche stellen, Kind bemuttern (das Verb „bevatern“ gibt es bezeichnenderweise nicht), Kind pflegen (Zähne reinigen etc.), ins Bett bringen, Gute-Nacht-Geschichte….und schon ist der Abend halbwegs vorbei.

Ich frage mich: hätte da, realistischerweise, eine Partnerin Platz in meinem Leben? Ich weiss eines: es müsste eine Frau sein, die ich durch und durch liebe – und umgekehrt, sonst würde dies nicht hinhauen. Wäre ich Emmi nicht begegnet, ich glaube, ich würde mich womöglich mit einem Kompromiss zufrieden geben und mit einer Frau zusammenleben, die ich sicher mag, aber sonst? Auch wenn ich mit Emmi den Alltag nie geteilt habe und ihn auch nie teilen werde (da nicht möglich), weiss ich dennoch, was ich will bzw. was ich brauche. Halbe Sachen genügen mir nicht, ich will alles oder nichts. Das Herz muss springen, die Seele muss berührt werden, das Feuer muss lodern. Ich weiss, dies ist nicht wenig.

Natürlich, ich bin nicht naiv, auch unter diesen Voraussetzungen kehrt irgendwann der Alltag ein, auch unter diesen Voraussetzungen müssen alle Beteiligten nach einem Interessensausgleich suchen (der nicht mit einem Kompromiss verwechselt werden darf, bei dem alle etwas nachgeben), und auch das grösste Feuer muss zeitweise neu entfacht werden. Aber der Alltag ist erträglicher, nein: lebenswert, wenn man ihn mit einer seelenverwandten Person teilen kann, vor allem dann, wenn der Alltag droht, uns aufzufressen.

Alles andere sind doch faule Kompromisse, die früher oder später einfach nicht aufgehen.
Scheitern auf Zeit. Oder sich arrangieren, so gut es geht.
Nein, dies möchte ich nicht.

ps
zwei neue Leserinnen sind hier neu dazu gestossen: Giannina (http://klanggebet.wordpress.com/uber-klanggebet/) und angel creolinha. Willkommen! Übrigens: Kommentare schätze ich sehr.

Sonntag, 1. August 2010

1. August

An Schlafen ist zur Zeit nicht zu denken, zu gross ist die Knallerei wegen des 1. Augusts. Also schreibe ich. Was ich heute getan habe:
  • 4 stündige Wanderung mit meiner Exfrau
  • anschliessend schwimmen mit meiner Exfrau im Fluss
  • Abendessen mit meiner Exfrau
  • Wein getrunken mit meiner Exfrau
  • Gespräche geführt mit meiner Exfrau über Gott und die Welt
Tage mit meiner Exfrau sind gut, weil es keine "falschen" Erwartungen gibt. Man gibt sich exakt so, wie man ist. Man versteckt sich nicht, man sagt vielmehr das. was man denkt und fühlt, direkt und unverblümt. Sie erzählt mir allerlei aus ihrem Leben, ich tue es auch. Sie erzählt mir von unerfüllter Liebe, ich auch. Wortlos nimmt sie ein Taschentuch zur Hand und drückt mir ohne jegliche Vorwarnung einen kleinen Pickel im Gesicht aus. Und erzählt dann weiter, und ich auch. Unsere Tochter ist zur Zeit nicht da, sie ist bei Verwandten meiner Exfrau.

Eigentlich hätten wir es so handhaben müssen während der Ehe.
Haben wir aber nicht.
Aber man kann immer dazu lernen, auch und vor allem dann, wenn man getrennt ist.
Weil man dann vermutlich ehrlicher sein kann.
Eigentlich komisch.
Aber nicht exotisch.

Sonntag, 18. Juli 2010

Vernunftehe

Irgendwann, so lautet eine gängige These (und die sich empirisch auch durchaus belegen lässt), wird aus einer Liebesbeziehung eine "normale" Beziehung, die sich dem Alltag stellen muss. Dann, wenn dieses Stadium erreicht ist, arrangiert man sich gegenseitig. Der Alltag wirkt zeitweise zermürbend, die Erotik bleibt eh auf der Strecke, beide haben ihre Pflichten zu erfüllen. Alltag halt. Von Romantik bleibt da nicht mehr viel übrig.

Wenn dem so ist, so müsste man sich konsequenterweise für eine sog. Vernunftehe bzw. Vernunftpartnerschaft aussprechen. Demnach ginge es in erster Linie wohl darum, von Beginn einer Partnerschaft an nach dem Optimum zu suchen, ganz im Sinne der ökonomischen Maximierung. Wenn ich dies auf meine Situation übertrage müsste ich also nach einer Frau Ausschau halten, die ein etwa gleichaltriges Kind hat wie ich (damit die Kinder schön zusammen spielen und aufwachsen können), die ähnliche Interessen hat wie ich und das Leben aus einer ähnlichen Perspektive betrachtet. Natürlich wären beide auch daran interessiert, eine gemeinsame ökonomische Basis zu haben. Emotional müsste man sich nicht gross verstehen, und körperliche Anziehungskraft wäre sekundär. Diese würde sich allenfalls mit der Zeit einstellen, weil, ganz pragmatisch gedacht, beide halt auch ihre diesbezüglichen Bedürfnisse haben, und die würde man wohl zwei mal wöchentlich ausleben, einem mechanischen Akt gleich. Aber da wäre kein Feuer, keine Leidenschaft, keinerlei Begierden, kein Berühren des Herzens und der Seele, nichts. Und wenn der eine geht, wird seine Wärme, wenn sie überhaupt da ist, nicht vermisst.

Und genau hier, an diesem Punkt, werden mir die Anhänger der Vernunftehe sagen: eben, genau dort wirst du ohnehin mal ankommen, Romantik und Leidenschaft hin oder her.

Im Ernst: das kann es ja wohl nicht sein. Ich könnte mich nicht dazu überwinden, eine Beziehung primär aufgrund rational-ökonomischer Gründe einzugehen und diese während Jahrzehnten (!) zu leben. Vermutlich bin ich ein hoffnungsloser Fall, indem ich immer noch an die romantische Liebesbeziehung glaube.

Oder habe ich etwas Wesentliches übersehen?