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Mittwoch, 7. Januar 2015

Charlie

Eingebetteter Bild-Link
Feige Schweinehunde,
vollgepumpt mit der Droge namens
Fanatismus
und
"Religion"
ihr Idioten, lasst Gott aus dem Spiel


bar
jeglicher Selbstironie
geblendet
selbstverliebt
und
darüberhinaus
irregeleitet
weil sie
ohne ihren widerlichen Stoff nicht leben können
verdorbene, verkommene Schweinehunde.

Donnerstag, 28. März 2013

Gründonnerstag

Gründonnerstag, es ist Abend, und ich bin allein. Was mir gerade recht ist. Meine Tochter übernachtet spontan bei einer Freundin, so dass ich die folgenden Stunden so gestalten kann, wie ich will. Doch was werde ich überhaupt tun? Zum einen passt es mir, dass es unentwegt regnet. Wäre schönes Wetter hätte ich wohl das Gefühl, nach draussen gehen zu müssen, weil die Vögel ihr Abendlied von den Bäumen singen, die Sonne lieblich scheint und der Grill auf der Terrasse darauf wartet, in Betrieb genommen zu werden. Doch davon werde ich verschont. Ich kann stattdessen mit ruhigem Gewissen mich einbunkern und mich der Stimmung, die draussen herrscht, völlig hingeben: ich sehe etwas Nebel, Regen und den Waldrand (gegen Westen). Gegen Osten schaue ich auf die Stadt, die merkwürdig still vor sich hindöst.
**
Wenn ich alleine bin, koche ich nur rudimentär. Heute gibts ein Spiegelei mit Rösti, dazu viel Wasser. Alleine trinke ich nie höchst selten Alkohol, weil mich das deprimieren würde. Ich mag jetzt nicht darüber nachdenken, weshalb ich dies so empfinde. Danach werde ich lesen (Palmens Logbuch), später werde ich mir einen Film aussuchen, die Beine strecken und mich berieseln lassen. Noch später werde ich ein Lavendelbad nehmen und danach ins Bett hüpfen.
**
An Ostern werden wir uns noch vom Winter verabschieden. Wie sich das gehört: man verabschiedet sich von guten Freunden. In den Bergen hat es noch einen Haufen Schnee, juhe. Das heisst: nochmals so richtig im hohen Schnee stapfen, nochmals mit dem Schlitten den Berg runter donnern, nochmals den winterlichen Clown spielen, kalte Füsse spüren, später in der Berghütte eine heisse Suppe essen, dazu dunkles Brot und etwas Alpenkäse. 
**
Meine Tochter fragt mich in letzter Zeit häufig, ob "dieser Jesus" überhaupt gelebt habe. Ja, den historischen Jesus gab es. Ob er denn aber wirklich Blinde sehend gemacht habe, fragt sie weiter, das könne doch nicht sein. Na ja, das wisse ich auch nicht, ich weiss nicht einmal, ob ich daran glaube oder nicht. Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, aber dennoch kann der Satz wahr sein. Ich versuche, das Ganze als Metapher zu erklären. Sie nickt. Und ich bin ratlos und kann im Grunde der Dinge wenig mit Religion anfangen. Vor allem diese Karfreitagshysterie, wie sie noch in gewissen katholischen Gebieten praktiziert wird, ist mir sehr fremd - und auch suspekt. 

Euch allen wünsche ich frohe Ostertage. 

Freitag, 15. März 2013

Der Papst in der Strassenbahn

Päpste sind mir per se suspekt. Und jetzt also dieser heilige Franziskus, der in den Medien -sogar in liberalen Blättern, was mich schon sehr erstaunt- herbei gejubelt wird als "Papst der Armen". Als schlicht wird er bezeichnet, ach, er benutzte gar die Strassenbahn, wie aufregend. Das war jedenfalls eine gute PR-Aktion der jesuitischen Propaganda. Mich würde aber vielmehr interessieren, was der besagte Heilige Franziskus während der argentinischen Militärdiktatur genau tat und auch nicht tat. Dass der Vatikan heute so heftig jegliche Kollaboration zwischen ihm und der damaligen Junta verneint, macht umso hellhöriger. 

Mittwoch, 13. März 2013

Wir haben einen neuen Papst!


Jausa
einen neuen Papst
der neue Papst ist besser
ja besser
als der alte Papst
jeder neue Papst ist besser
wir wollen täglich einen neuen
frischen Papst
jausa
ja täglich
täglich
einen neuen
funkelnagelneuen Papst
schon morgen fangen wir an
morgen schon wollen wir einen niegelnagelneuen
Papst
und den alten schaffen wir ab
und übermorgen schaffen wir den neuen ab
zuerst einen neuen
und dann abschaffen
jausa
jausa
wir schaffen gleich am besten alle ab
bevor der Neue da ist
wird er abgeschafft
dann sparen wir Geld
und Gebete und Tränen
und dann verkaufen wir den ganzen Vatikan
zum Schleuderpreis
zum ersten
zum zweiten
zum dritten
zum Schleuderpreis
Vatikan gefällig
frisch erhaltene Pieta
Juwelen, Fresken und Ornate
Päpste
konzilerprobt
und heilige Banken
und Häuser und Straßen und Seen und Paläste
billig abzugeben
kaufen Sie sich einen Papst
oder wenigstens einen Kardinal
oder einen Erzbischof
vielleicht fürs Parteibüro einer christlichen Partei
und dann verschenken wir das Geld
nein
nein
wir geben es zurück
geben es einfach wieder zurück
jausa
das wird ein Fest
wenn die Jahrhunderte Schlange stehen
die Armen
die Krüppel
die Rothaarigen
die Schwulen
die Alchimisten
und die Frauen
die seelenlosen Frauen
halt nein
1400 sowieso haben sie ja eine bekommen
bravo bravo
und ein Recht aufs Himmelreich
bravo bravo
alle stehen sie an
und trommeln mit den Fingern
und stampfen auf und klappern mit ihren Blechnäpfen
die Zahnlosen
die Aussätzigen die Diebe die Hexen die Huren
alle wollen sie was zurück
ihr Geld
und ihre Seligkeit
und ihre Herzen
und Hirne
alle stehn sie Schlange
aber es ist ja genug da
jausa
jetzt wird verteilt
in nomine patris
et filii
et spiritus sancti
und so wird das alles ja nun auch mal gemeint gewesen sein
denk ich immer
ungefähr so
ungefähr so
muss das ja wohl mal gemeint gewesen sein
als die sich damals prügeln ließen
und kreuzigen und steinigen
und foltern
soviel unbeschreibliche Schmerzen
all die Sanften
während sie singend auf die Löwen zuschritten
im Namen des Menschen
die müssen das nämlich alle so gemeint haben
und manchmal
aber nur wenn man sich sehr bemüht
hört man sie schluchzen
in ihren Katakomben
immer nur nachts
wenn die Heiligenbildverkäufer
ihre Stände abgebaut haben
und strahlend betreten am nächsten Morgen die Ehrwürdens
die Bühne
behängt und geschmückt und beringt wie die Christbäume
und sprechen das agnus dei.
Und wenn sie ihre Hände zum Segen erheben
mach ich mich ganz klein
um auch ja nichts
abzukriegen davon.

Dienstag, 12. Februar 2013

Papst a.D.

Der Rücktritt des Papstes ist mir egal. Weil mir diese mit allzu menschlichem Pomp und Plüsch ausgestattete und kafkaesk konstruierte Institution mit ihren Konzilen, Glaubenskongregationen und unzähligen Kommissionen und Parallelwelten egal ist. Sie, die Wasser predigt und vornehmlich doch immer wieder aus den Tiefen aller möglichen Keller Wein trinkt. Diese Kirche ist nicht zu reformieren, weil eine grundlegende Reform ihre Daseinsberechtigung im Kern in Frage stellen würde. So staune ich über die mehrheitlich wohlwollenden Kommentare in der Tagespresse. Selbst sich liberal bezeichnende Kräfte machen da keine Ausnahme. Kritik, wenn überhaupt, wird behutsam formuliert. Zwischen den Zeilen, und sehr leise.

Es ist schon merkwürdig und entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet dieser Papst, der viele Dogmen aus der Mottenkiste katholischer Ideologie reaktivierte, mit einer Jahrtausend alten Tradition bricht und, man beachte die Kündigungsfrist, per Ende Februar von seinem Amt zurücktritt.
Womit nun die katholische Kirche einen Papst ausser Dienst hat - eine weitere Kategorie in der babylonisch anmutenden Kirchenhierarchie.

Und ja.
Päpste kommen und gehen - die Karawane zieht weiter. Wie lange noch? 

Dienstag, 2. Oktober 2012

Der Agnostiker

Ich bin Agnostiker. 
Ich glaube an nichts, bin aber bereit, an alles zu glauben. Es ist mir unmöglich zu glauben, dass Gott nicht existiert, und es ist mir unmöglich zu glauben, dass er existiert. Ich hoffe auf Gnade.
Ionesco

Schlichte Sätze, die im diametralen Gegensatz stehen zu Fanatismus, Rechthaberei und Hass. Anders gesagt: Sätze, die von einer tiefen humanistischen Haltung zeugen und gerade jetzt so wichtig sind -  nicht nur in Bezug auf religiöse Fragen. 

Freitag, 28. September 2012

Im Konkubinat

Der Gründer der christlichen Kirchen, Herr Jesus Christus von Nazareth, hatte also (tatsächlich) eine Gefährtin, wie uns ein Papyrusfragment in koptischer Sprache nahelegt. Dies jedenfalls die Schlussfolgerung eines renommierten katholischen Theologen. Nun ja, der Sohn Gottes ist ganz Mensch geworden, von daher ist es naheliegend, dass auch er -natürlich auch er!- die Liebe sehr wohl auch als sinnlich und erotisch empfand - und diese auch so auslebte. Und dabei sei er nicht verheiratet gewesen: Jesus als im Konkubinat lebend! Ob das Paar auch Kinder hatte? Ganz ausschliessen können wir das nicht und sollten wir auch nicht: Jesus liebte nachweislich Kinder. Warum sollte er selber keine eigenen gehabt haben?
Wie hiess es im kirchlichen Unterricht? Sei wie Gott - werde Mensch.
Ganz Mensch.

Mittwoch, 19. September 2012

Erzkatholisch und so furchtbar korrekt

Statusmeldung für heute Morgen halbacht nach der Zeitungslektüre und dem Hören der Frühnachrichten:

Irgendwie geht mir  in letzter Zeit dieses penetrante Zelebrieren von politischer Korrektheit auf den Wecker. Die Tugendwächter -unsere Tugendwächter!- melden sich in letzter Zeit vermehrt und mit aufgeschwellter Brust und klugem Gesicht zu Wort. Dabei müsste nur gesagt werden: Mist bleibt Mist. Weshalb dann die Hysterie unserer politischen Behörden? Mist stinkt, das genügt vollends als Argument.


Hätten Sie nicht irgendein Image für mich, 
irgendsowas, was man vor sich hertragen kann? 
Ich schäm mich im Moment ganz fürchterlich -
den andern sieht man´s auch auf den ersten Blick an,
daß sie sich ständig mit was Großem abgeben 
und nicht, wie der Rest der Welt, im Kleingeist ersticken. 
Schließlich erkennt man die, die richtig leben, 
an der richtigen Kleidung und dem richtigen Blick.

Ach, wir sind doch alle so erzkatholisch, 
egal, wie frei und links wir uns geben,
ständig wolln wir unser Gewissen beruhigen, 
uns vor allem ins richtige Bett reinlegen,
ständig wolln wir zeigen, wie sozial wir sind, 
und wie edel, hilfreich und gut, 
ständig wolln wir zeigen, wie mutig wir sind, 
nur leider fehlt uns dazu ständig der Mut.

Hätten Sie vielleicht noch ein Abzeichen frei, 
einen Trachtenjankerl oder´n Jutekleid, 
irgendeine im Moment grade schicke Partei, 
aber bitte: im Namen der Gerechtigkeit. 
Vor allem aber muß es modern und liberal sein, 
auch konservativ, nur es darf nicht banal sein, 
dieses Mäntelchen, um das wir uns so drängen, 
um es dann gemeinsam in den Wind zu hängen.

Ach, wir sind doch alle so erzkatholisch, 
egal, wie frei und links wir uns geben,
ständig wolln wir unser Gewissen beruhigen,
uns vor allem ins richtige Bett reinlegen, 
ständig wolln wir zeigen, wie sozial wir sind, 
und wie edel, hilfreich und gut -
ach, da lob ich mir die ungeschliffene, unausgegorene, 
dreckige Wut!

Freitag, 14. September 2012

Wie weit darf denn Satire gehen?

Sprechen wir doch nochmals über Satire, Polemik und Meinungsäusserungsfreiheit. Den empörten Ruf, ein dummes Filmchen zu verbieten, höre ich. Was alles wollen wir sonst noch verbieten? Hier eine kleine Auswahl an nicht gerade feiner (antikatholischer) Satire. Ich frage: soll das jetzt auch auf den Index wie anno dazumal?



Ganz schön deftig, nicht?

Ostern vorbei? Komm auch du zur Katholischen Kirche, wir haben das ganze Jahr dicke Eier. Immer ein Platz frei im Priesterseminar



















relief that truth is out at last


Donnerstag, 13. September 2012

Achtung Satire: der Prophet liebt auch das Frivole

Ein Filmchen auf youtoube erregt in islamischen Staaten die Gemüter. Wütende Mengen ziehen vor die US-Botschaft und skandieren Parolen des Hasses, plündern und töten. Der dünne und anspruchslose Streifen nimmt eine Weltreligion bzw. deren Prophet aufs Korn, provoziert und polemisiert.

Satire soll bis zur Schmerzgrenze provozieren dürfen und dabei ein befreiendes Gelächter ermöglichen, um nicht zuletzt damit eine Grundsatzdiskussion über individuelle und kollektive Werte zu ermöglichen. Je mehr sich ein Mensch bzw. eine Gesellschaft von Satire provozieren lässt, umso mehr dürfte die angegriffene Satire Wahrheitselemete in sich tragen.

Natürlich, es gibt auch schlechte bzw. als Satire getarnte Feuersalven, die nur darauf ausgerichtet sind, zu beleidigen und zu verletzen. Doch auch dann muss die Meinungsäusserungsfreiheit greifen, die freilich ihre Grenzen haben muss - zu denken ist an jene Polemik, die darauf hinausläuft, ein ganzes Volk systematisch in seiner Würde erniedrigen zu wollen, ja ihm das Existenzrecht schlechthin abspricht (so exemplarisch in "Jud Süss", jenem nationalsozialistischen Machwerk).

Doch beim hier in Frage kommenden Filmchen greift dieses Argument nicht: vielmehr wird hier eine Religion (und nicht ein Volk) aufs Korn genommen, so wie dies auch das Judentum oder das Christentum dann und wann ertragen muss. Wer erinnert sich nicht etwa an Monty Python?

Wer über eine gefestigte Identität verfügt und weiss, wo er steht - als Mensch und/oder als Kollektiv - erträgt Satire, mehr noch: er begegnet ihr mit einem Lächeln, setzt sich mit ihr in selbstkritischer Weise auseinander und sucht die argumentative Auseinandersetzung.
Wer, umgekehrt, auf Satire mit zerstörerischem Hass reagiert, ist schwach, fanatisch und damit unfähig, sich einer rationalen Auseinandersetzung zu stellen.
Oder ganz schlicht gesagt: Satire und Polemik gehören zu einer aufgeklärten und freiheitlichen Gesellschaft.

Eines dürfte auch klar sein: das dünne Filmchen gibt jenen Kräften in den islamischen Staaten Auftrieb, die sich gegen jegliche Liberalisierung auflehnen und das Rad der gesellschaftlichen Entwicklung zurückdrehen wollen. Ein wahrlich gefundenes Fressen! Die Folgen wird namentlich die christliche Minderheit zu tragen haben. 

Sonntag, 15. Juli 2012

Beschneidungen konkret

Vorbemerkung (Nachtrag vom 21.7.2012): 
Die Version des Zentralrates der Juden in Deutschland in Ehren - es gibt aber sehr wohl noch andere jüdische Stimmen. Es wäre an der Zeit, auch diese zur Kenntnis zu nehmen!! http://www.jewsagainstcircumcision.org/


Auf der offiziellen Homepage des Zentralrates der Juden in Deutschland steht bezüglich Beschneidung auch dies (vgl. dort Frage 2):

Wird der Säugling vor der Beschneidung betäubt?
Es spricht nichts gegen eine (lokale) Betäubung des Kindes. Eine Narkose des Säuglings wird in der Regel nicht durchgeführt und nicht empfohlen, da die Narkose dem kindlichen Körper Schaden zufügen könnte und weniger leicht für den Säugling zu bewältigen ist.


Ich unterstreiche: 
Eine Narkose des Säuglings wird in der Regel nicht durchgeführt und nicht empfohlen. 

Was dies konkret bedeutet, kann im nachfolgenden Video aus Kanada verfolgt werden.
Ich denke, die Bilder sprechen für sich.
Ich muss an dieser Stelle sagen: ich finde es einfach nur widerlich.

Solche "Traditionen" haben in einem Rechtsstaat schlicht kein Existenzrecht!
 

Freitag, 13. Juli 2012

Rituelle Beschneidungen, sprich: Amputationen

In Deutschland -und nicht nur dort- wird das Kölner Urteil in Sachen ritueller Beschneidung von Knaben eifrig und in erhitzter Atmosphäre diskutiert. In brüderlicher und allzu verdächtiger Eintracht kritisieren Linke, Grüne, Katholiken, Muslime und sog. Liberale das Gerichtsurteil als verfehlt und der "Tradition nicht verpflichtet". Selbstverständlich wird dabei auch das Totschlägerargument des Antisemitismus bemüht, um das Urteil präventiv in die politische Schmuddelecke zu stellen und so jeden rationalen Diskurs abzuwürgen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland lässt sich gar zur Aussage hinreissen, sollte das Kölner Urteil zur Rechtslage werden, dann wäre in letzter Konsequenz jüdisches Leben in Deutschland nicht mehr möglich (!!).

Wie bitte? Rituelle Beschneidung von Knaben als konstitutives Element religiösen Lebens schlechthin? Sprechen wir doch Klartext: in Tat und Wahrheit geht es hier um nichts anderes als um eine schmerzhafte Amputation und damit um einen irreversiblen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit mit falscher Berufung auf die "Religionsfreiheit". Fragt sich bloss: Religionsfreiheit für wen und in welchem Namen? Sollte ein auf diese Weise malträtiertes Kind dereinst als Erwachsener seine ihm von den Eltern aufgezwungene Religionszugehörigkeit ablegen wollen, wäre es dennoch sein Leben lang körperlich gekennzeichnet. Und dies kann in einem liberalen Rechtsstaat niemals geschützt werden.

Religionsfreiheit ist stets Freiheit des Individuums und darf obskure Praktiken einer religiösen Gemeinschaft, die hier notabene auf Kosten von Minderjährigen gehen, nicht schützen. Auch das bemühende Argument der "Tradition" oder "Kultur" kann einen solchen schweren Eingriff in die körperliche Unversehrtheit nicht rechtfertigen, weil diese ein hohes Rechtsgut, d.h. ein Grundrecht darstellt, das Vorrang vor anderen Rechtsgütern geniessen muss. Ganz abgesehen davon kann mit dem Hinweis auf archaische Traditionen allerlei Unfug gerechtfertigt werden, so etwa die Blutrache oder die Verstümmelung weiblicher Genitalien, auch diese gerechtfertigt mit verbrämt religiösen Argumenten.

Es ist an sich ein Armutszeugnis, dass es des Kölner Gerichtsurteils bedurfte, damit solche Missstände endlich öffentlich thematisiert werden. Aber es ist auch eine Chance, auf solche kruden "Traditionen" hinzuweisen und mit ihnen aufzuräumen. Doch statt mit aufgeklärtem Geist darüber zu debattieren, ruft die Politik unisono gleich mal nach neuen Gesetzen, um solche Amputationen zu legitimieren und sich ja nicht dem falschen Argument des "Antisemitismus" ausgesetzt zu sehen. 

Glücklicherweise gibt es sehr wohl auch in religiösen Kreisen vernünftige Stimmen. So erklärte jüngst der Präsident des Rabbinischen Gerichtshofs für Reformjuden in Israel: Wer als Jude geboren wird, aber nicht beschnitten wurde, ist trotzdem ein vollwertiges Gemeindemitglied. Es wäre an der Zeit, dass solche Stimmen des Augenmasses namentlich von der Politik vermehrt zur Kenntnis genommen werden und dem religiösen Fundamentalismus - welcher Richtung auch immer- eine klare Absage erteilt würde.

Samstag, 7. April 2012

Ostern

Mal ganz ehrlich: wie kann man heute in einer säkularen Welt noch an die Auferstehung glauben? Meine Tochter wird mir morgen anlässlich von Ostern bestimmt wieder fragen, wie es denn möglich sei, dass ein Mensch von den Toten auferstehen kann. Seit sie im kirchlichen Unterricht ist, treibt sie diese Frage an. Ich mache es mir diesbezüglich vielleicht zu einfach und antworte jeweils, dass es für diese Frage keine richtige oder falsche, jedenfalls keine endgültige Antwort geben könne. Natürlich ist es aus einer wissenschaftlichen Sicht schlicht nicht vorstellbar, dass ein Mensch von den Toten aufersteht. Aber darum geht es hier, so meine ich, nicht. Es geht für mich eher um die Idee, dass mit dem Tod nicht alles beendet ist, dass das Leben vielmehr - in mutierter Form- weitergeht.

Doch ich gebe zu, dass ich als Agnostiker bei solchen Themen eher hilflos dastehe und versuche, meine Sicht der Dinge verständlich und jedenfalls nicht religiös verbrämt darzulegen, ohne dabei eine absolute Wahrheit beanspruchen zu wollen. Weil es die ohnehin nicht gibt. So werden wir morgen ein schönes Osterfest in den verschneiten Bergen feiern und uns ganz dem Leben widmen. Nach jedem Regen kommt die Sonne, nach jeder Katastrophe keimt wieder Hoffnung auf: ich denke, dass gerade Ostern als ein Symbol der Hoffnung und letztlich des Lebens verstanden werden kann. 

Sonntag, 18. März 2012

Im Gottesdienst

Heute Morgen im Gottesdienst im Beisein der Kinder aus dem kirchlichen Unterricht. Der Pfarrer spricht über die Angst und wie mit ihr umgegangen werden könnte. Ich höre aufmerksam zu und kann  dem Gesagten grundsätzlich zustimmen.
Was mich aber am meisten gefallen hat war die Gestaltung des Abendmahls: nein, da hat kein Pfarrer das Abendmahl eröffnet bzw. durchgeführt, es waren vielmehr Kinder. Kinder, die das Brot austeilten und die den Kelch mit dem Apfelsaft in den Händen hielten - und Erwachsene und Kinder, die am Abendmahl teilnahmen.
Das ist radikaler Protestantismus jenseits jeglicher kirchlicher Hierarchie. Wohltuend schlicht und subversiv zugleich.
***
zur Erinnerung, was die offizielle Doktrin zur Durchführung des Abendmahls sagt:

Wer darf das Heilige Abendmahl feiern?evangelisch-lutherisch

Nur ORDINIERTE PFARRER UND PFARRERINNEN oder andere ausdrücklich von der Kirche dazu berufene und eingesetzte Personen dürfen das Abendmahl halten.
katholisch

Nur ein GEWEIHTER PRIESTER darf die Eucharistiefeier leiten und Brot und Wein konsekrieren.
Die reformierte Landeskirche der Schweiz ist nicht lutherisch geprägt, sondern geht auf die Reformation eines Calvin und Zwingli zurück. Mit dem heutigen Sonntag ist sie mir wieder etwas sympathischer geworden, und ich werde inskünftig die Kirchensteuer weniger murrend als auch schon bezahlen.

Sonntag, 30. Mai 2010

die Reis-Schale waschen

Den Sonntagmorgen finde ich immer etwas seltsam, namentlich dann, wenn die Wohnung gänzlich leer ist, was heute aber nicht der Fall ist (meine Tochter ist hier). Wer keinen festen Anker im Leben hat, leidet am Sonntag wohl besonders. Meine Mutter hat es insofern einfacher, als sie ein gläubiger Mensch ist. Das gibt Boden unter den Füssen, namentlich wenn es sich um Volksfrömmigkeit handelt, also in einem gewissen Sinn um einen "naiven" Glauben, der auf jede Frage die vermeintlich richtige Antwort bereithält. Gerade der Katholizismus bietet für alles und jeden den passenden Heiligen, den man von der Stube aus bequem anrufen, um nicht zu sagen bestellen kann. Der wird dann weiter schauen und Fürbitte halten. Im Protestantismus ist alles etwas komplizierter, und Protestanten sterben ohnehin allein, sie bedürfen keines Pfarrers.

Was also tun an einem grauen Sonntagmorgen, wenn existenzielle Fragen den Geist bohrend verfolgen und weit und breit kein Trost die Seele beruhigen kann? Ablenkung dürfte, einmal mehr, angesagt sein. Ich brauche jetzt eine Dusche, heissen Kaffee und Sonntagszeitungen. Und bald heisst es dann: Mittagessen zubereiten.

Im Buddhismus heisst es ganz schlicht: geh hin und wasche die Reis-Schale.

Samstag, 3. April 2010

Ostern

Heute hatte ich einen vollen Tag: morgens mit der Exfrau joggen, danach rasch duschen, umziehen, einkaufen. Um 1400 Uhr kommt dann ein alter Studienkollege mit seiner Frau und seinen beiden Kindern vorbei, um etwas Gemeinsames zu unternehmen. Auf dem Programm steht ein Kindertag, ich kenne in einer Kleinstadt unweit von hier einen absolut tollen Indoor-Spielplatz. So gingen wir hin, die Frau des Freundes geht shoppen, die Väter sind mit ihren Kindern am Spielen, stundenlang. Als sich der Hunger meldete, ging die ganze Runde in eine gute Pizzeria. Nun bin ich wieder zu Hause.

Mein Freund ist Existenzialist. Immer wieder stellt er mir die Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz. Er ist ein herzengsguter Vater, dann und wann mit der Erziehung etwas überfordert. Er lässt vieles geschehen bzw. überlässt es seiner Frau. Konflikten mit seinen Kindern (aber nicht solche beruflicher Natur) weicht er eher aus. Warum leben wir überhaupt? Warum gibt es Leben, zu welchem Zweck? Und was ich von Ostern halte. Mir sagt dieses Osterfest wenig, ich kann mit der Auferstehungsgeschichte wenig anfangen. Ich denke je länger je mehr, dass alles vergänglich ist und dass die menschliche Existenz keinem wie auch immer gearteten höheren Sinn folgt. Der Mensch lebt und stirbt, das war's dann. Das heisst für mich aber noch nicht zwingend, dass es keinen Gott gibt. Wenn es ihn denn gibt, dann stelle ich mir ihn als zynisch vor, oder aber er ist in einem tiefen Schlaf. Er kann aber auch wach sein, dann bleibt er jedoch passiver Beobachter und lässt sein Werk unbeeinflusst geschehen. Morgen werde ich nicht in die Kirche gehen, nein, ich werde vielmehr Ostereier mit meiner Tochter färben. Dann verstecken wir das Ganze, und die Mama muss das Nest suchen. So haben wir das Programm vereinbart. Ob er dabei zuschaut, kann ich nicht beantworten, und die Frage beschäftigt mich nicht.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Der gestrige Abend

Die gestrige Veranstaltung war ganz nett in dem Sinne, dass er Impulse vermittelt hat, immerhin, aber das war's dann schon. Ich war fast der einzige Mann unter lauter Frauen, die in kirchlichen Kreisen engagiert sind. Nicht meine Welt, aber ich bewundere in einer gewissen Weise deren Idealismus. Problematisch wird es dann, wenn die kritische Distanz verloren geht und die Welt nur noch durch die rosa Brille betrachtet wird.

Ansonsten hatte ich heute einen anstrengenden Tag im Büro. Viel schreiben, telefonieren, Sitzungen leiten. Da hilft abends ein kurzes, aber intensives Joggen, anschliessend viel Ruhe und die Musik von Mozart. Mein Tag war heute also nicht spektakulär, und jammern über meine Situation mag ich auch nicht angesichts des Elends, das sich in Haiti nach den jüngsten Ereignissen breit macht. Etwas mehr Bescheidenheit ist angebracht, auch so etwas wie Dankbarkeit, dass man in einigermassen geordneten Verhältnissen leben darf. Auch dies ist keine Selbstverständlichkeit. Ein guter Freund sagt mir in regelmässigen Abständen: weisst du, wir leben in einer Oase inmitten einer chaotischen und unberechenbaren Welt. Wer wollte da widersprechen ?

Dienstag, 12. Januar 2010

religiöse Weiterbildung

Ich beteilige mich seit einigen Monaten an einem Weiterbildungskurs der reformierten Ortskirche zum Thema "religiöse Erziehung von Kindern". Morgen Abend ist es wieder soweit mit dem Thema: "beten mit Kindern und religiöse Rituale im Alltag".

Dazu muss ich folgendes sagen: ich selber bin Agnostiker, d.h. die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht gibt, will und kann ich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Vielleicht ist die Frage auch irrelevant, auch das weiss ich nicht. Das heisst aber auch, dass ich keineswegs ein Atheist wäre, denn wer sich zum Atheismus bekennt, ist auch ein Gläubiger, weil er glaubt, dass es keinen Gott gibt. Der Atheist ist aber, genauso wie der Gläubige, nicht in der Lage, seinen Glauben bzw. Nichtglauben zu beweisen. Er behauptet - genauso wie der Gläubige.

Ich bin in einem protestantischen Milieu aufgewachsen. Ich habe meinen Vater als nicht praktizierenden Protestanten kennengelernt, den weltlichen Genüssen alles andere als abgeneigt. Meine Mutter, mittlerweile 86 Jahre alt und bei noch sehr guter Gesundheit, katholisch im volksfrommen Sinn, versuchte, mich nach ihrer Façon religiös zu erziehen. Das gelang ihr denn auch, bis ich etwa 12/13 Jahre alt war. Ab diesem Zeitpunkt besuchte ich den reformierten Kirchenunterricht und begann, mich gegen den Katholizismus aufzulehnen. Ich machte damals so etwas wie einen inneren Bildersturm durch und wurde zum überzeugten Antikatholiken, was meine Mutter sehr kränkte und traurig machte. Doch "gläubig" im strengen Sinn wurde ich nie, aber ich bin trotzdem dem reformatorischen Glauben bzw. der reformatorischen Kultur nicht abgeneigt. So mag ich aus dem Werk von Karl Barth lesen, nicht systematisch, sondern punktuell, d.h. suchend, es ist für mich auch und vor allem eine intellektuelle Herausforderung, die Texte nachzuvollziehen.

Kinder stellen noch Grundsatzfragen nach dem Ursprung und dem Sinn menschlicher Existenz- was wir Erwachsene nicht mehr tun oder zumindest nicht mehr in jener Radikalität, wie es Kinder eben noch tun. Auf grundlegende Fragen der Existenz möchte ich Antworten liefern, nicht im Sinne von Dogmen, ganz im Gegenteil, aber im Sinne von Orientierungen und Möglichkeiten. Wichtig ist mir, authentisch zu bleiben. Ich bete nicht und werde demzufolge mit meiner Tochter auch inskünftig nicht beten, das käme mir lächerlich vor. Trotzdem bin ich gespannt auf die morgige Veranstaltung. Ich werde in dieser Runde vielleicht als etwas exotischen Vogel wahrgenommen, der dann und wann Einspruch erhebt gegen m.E. allzu einfache Erklärungsmuster. Aber der Streit gehört zur protestantischen Kultur, ja, ohne ihn ist für mich der Protestantismus nicht möglich. So gesehen bin ich sehr wohl Protestant, aber ohne festen Glauben.