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Mittwoch, 21. Juni 2017

Im Fluss

Seit letzten Herbst habe ich nichts mehr geschrieben. Und heute habe ich das Bedürfnis, in die Tasten zu hauen. Aus einer Laune heraus. Ich lasse mich von den Sätzen treiben und weiss nicht, wohin sie mich treiben werden.

Obwohl ich nicht mehr schreibe, kommen hier immer wieder Leser, oder sind es vielmehr Leserinnen? Gerne wüsste ich etwas mehr über Euch. Und über Eure Motive, weshalb Ihr da seid.

Geht es mir gut? Soweit ja. Ich bin gesund, ich geniesse den Sommer, der viel zu heiss und zu feucht ist. Ich arbeite viel, zu viel, freue mich auf die kleinen Ablenkungen des Alltags, gehe manchmal an Konzerten, gehe essen und geniesse einen guten Tropfen Wein. Und manchmal packt mich eine nicht näher zu beschreibende Sehnsucht, die unergründlich bleibt. Und wohl bleiben muss.

Ach und die ewige Angst vor der Vergänglichkeit. Dieses Hadern. Und das Unvermögen, es letztlich zu akzeptieren. Nein, ich denke nicht ständig daran. Nur manchmal, so wie jetzt, an diesem lauen, ja warmen Sommerabend, nachdem ich mich im Fluss trieben liess und das anschliessende kühle Bier genoss.

Kürzlich war ich am Konzert von Konstantin Wecker. Eine gleichaltrige Frau spricht mich an, nennt mich beim Namen. Ich bin irritiert und gebe zu, sie nicht gleich zu erkennen. Es war meine Jugendliebe. Peinlich. Und irgendwie traurig. Dabei war sie es, die mich damals für Wecker begeistern konnte. Damals, vor über 30 Jahren. Verdammt.

Ich mag den Sommer nicht wirklich. Diese aufgezwungene Heiterkeit. Dieses Schwitzen durch alle Poren. lch habe Sehnsucht nach Bergen und kühlem Wasser. Bald bin ich wieder im Engadin.

Und sonsts?
Ich gestalte mein Leben.
Einsam bin ich nicht, doch manchmal schon. Auch wenn ich inmitten von vielen Menschen bin.
Liebe? Ach.

Samstag, 27. August 2016

Distanz schafft Nähe

Distanz schafft Nähe.
Distanzlose Nähe wäre unerträglich.
Und ich brauche beides.
Du auch.

Samstag, 21. Mai 2016

Von der Verdrängung

Eigentlich

ist es ihm bewusst, dass er den Tod, genauer: den Alterungsprozess verdrängt.
Er ist ja noch jung, denkt er, jedenfalls kommt ihm dies vor allem beim Joggen
beinahe
triumphierend
in den Sinn
und namentlich
beim lang andauernden Sex.
Er geniesst seine Manneskraft,
die ihm bislang nicht im Stich gelassen hat,
seine Achtsamkeit und seine Ironie, vor allem auch Selbstironie.
Er erlebt so etwas wie eine Alterslosigkeit,
auch wenn er morgens
keinen jungen Mann im Spiegel betrachtet,
der noch nass hinter den Ohren ist.
Noch kann er zupacken,
schamlos auch,
und dass die Lust tiefe Ewigkeit beansprucht,
kann er jederzeit unterschreiben.

Einmal wird es auch ihn erwischen.
Nicht heute, nicht morgen.
Doch irgendwann.
Und dann wird er baff sein und sich sagen hören:
also auch ich,
ja, auch ich. 

Sonntag, 24. April 2016

Bei der Lektüre Frischs notiert

Es ist so: das eigene Leben lässt sich kaum nicht adäquat beschreiben, nur jenes von anderen. Indem ich versuche, mein eigenes Leben zu beschreiben, tappe ich zwangsläufig in die Falle des vermeintlich Objektiven und Wahren. Umso mehr ist fabulieren angesagt -Biografie, ein Spiel-, um sich der Wahrheit wenigstens anzunähern. Denn nichts dürfte realer sein als die Fiktion. 

Donnerstag, 21. April 2016

Noch 30 Jahre (zum Beispiel)

Werde ich gleich alt wie mein Vater, so habe ich noch rund 30 Jahre zu leben.
30 Jahre.
Das ist wenig - und viel, wenn man weiss, was man von ihnen möchte / will, und sie entsprechend gestalten kann.
Ich weiss ganz ehrlich nicht genau, was ich von ihnen möchte, abgesehen von den frommen Wünschen nach Gesundheit.
Ach die Liebe.
Und darüber hinaus? Die alltägliche Freude ob dem vermeintlich Kleinen?
An die Konferenz der Pinguine will ich unbedingt. 

Sonntag, 1. November 2015

Wortlosigkeit

Einmal mehr bin ich wortlos, wenn es darum ginge, einen Text für das Tagebuch zu verfassen. Worüber sollte ich schreiben, müsste ich schreiben?
Mögliche Stichworte: gutes Wochenende. Wenig gegessen, kein Alkohol getrunken, also diesbezüglich zwinglianisch gelebt.
Einmal Sex gehabt, spätnachmittags: berauschend.


Heute war Reformationssonntag.


Morgen beginnt wieder eine neue Woche: keine wirkliche Lust auf Arbeit.
Korsettgefühle.
So fühlt sich Leben an.
Und nur selten bin ich traurig, und wenn, dann ohne ersichtlichen Grund.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Wo bin ich?

Wo ich sei, fragt sich bzw. mich eine Leserin.
Danke für die Nachfrage und die kurze Mail!


Ja, wo bin ich denn?
Diese Frage stelle ich mir regelmässig, vor allem dann, wenn es mir gut geht.
Es geht mir gut, also habe ich nichts zu schreiben.
Ich arbeite, koche, fahre Zug.
Abends bin ich oftmals in der Badewanne. Melisse, vor allem.
Ich mache meine Wäsche, gehe einkaufen, treffe mich mit Kollegen (manchmal).
Und treffe mich ab und zu mit meiner Partnerin.
Askese und Ekstase als notwendiges Gleichgewicht.
Ich gehe gerne tafeln.
Und trinke sehr gerne ein gutes Glas Wein.
Ich liebe Ausgelassenheit und das befreiende Gelächter.


Das Flüchtlingsdrama nehme ich zur Kenntnis, hilflos und scheinbar teilnahmslos.
Ich liebe das Schöne dieser Welt und damit die Oper.
Manchmal gehe ich tanzen und lasse die Sau raus zur Musik von den Deep Purple und den Stones.
Ich verdränge den Gedanken an das Sterben und den Tod.
Es geht mir gut.
Und lebe ein Leben ohne Spektakel.


Gott, wie die Zeit rast.


Und ich freue mich auf die dunklen Tage, auf Nebel, Nieselregel und Grau.
Ich mag das Gefühl der falschen Unsterblichkeit nicht.
Ich mag den Sommer nur bedingt, und blauer Himmel langweilt mich bald einmal.
Ich will die Nordlichter sehen - und im nächsten Sommer die Mitternachtssonne.


Zeitweise fällt mir ein, was ich längst vergessen habe.
Ich denke über Sätze nach, die wie beiläufig hingeschmissen worden sind:
Aus Liebespaaren werden Lebenspartner (oder so ähnlich): modern verpackte Durchhalteparolen.


Flughafen Düsseldorf, Wartehalle (zum Beispiel).
Später im Hotelzimmer zaghaftes Begehren.
Küsse ohne Zukunft sind die Besten (Kirchhoff), ach ich weiss nicht.
Ein Wochenende in Wien, lang ist's her.
Wein aus dem Burgenland mag ich nach wie vor.
Und es wird mir übel, wenn ich an die jetzige Koalition im Burgenland denke (SPÖ/FPÖ).
Vor zwei Jahren ein langer email-Austausch, aus dem nichts wurde.


Wochenende: Zürich.
Und bald wieder im Opernhaus (la Bohème in einer Neuinszenierung).
Ich liebe das Leben.
Manchmal bin ich melancholisch.
Alle wollen sich ein Stückchen vom Glück abschneiden.
Wollen geliebt werden.


Wer schreibt, liest sich (Frisch):
Ich bin träge geworden.

Sonntag, 19. April 2015

Beziehungsnetzwerk

Ein Artikel aus der Zeit führt mich einmal mehr zur simplen Frage: was wollen wir eigentlich?
Und: worauf richtet sich unser Augenmerk?


Im Zeitalter des Internets geraten Beziehungen immer mehr unter die Logik des Marktes, Eva Illouz hat das sehr schön und nachvollziehbar aufgezeigt. Vereinfacht gesagt: irgendwo da draussen gibt es "den besseren" bzw. "die bessere", also kann man und frau sich gar nicht richtig festlegen, denn jeder Entscheid für jemanden führt automatisch zu einem Ausschluss des potenziell vermeintlich und tatsächlich noch Besseren. Beziehungen als Frage der Optimierung, um nicht zu sagen der Maximierung.


Ja, was wollen wir eigentlich? Eine Frau (bzw. einen Mann) für die Oper, eine weitere für Ausstellungen, die dritte für die Ekstase, eine weitere für Gespräche über Gott und die Welt? Ein Mensch vermöge ja ohnehin das gesamte Spektrum an Interessen und Vorlieben nicht abzudecken, also wird diversifiziert, auch dies ganz nach der Logik des Marktes. Vielleicht sind wir einfach überfordert mit der Monogamie. Wollen ihn immer wieder, den Kick, der überall und jederzeit auf uns wartet, ja uns heimsuchen kann, dies sogar frühmorgens im Café gleich um die Ecke, wenn wir es am wenigsten erwarten würden. Doch irgendwann wird der Moment kommen, da Solches nicht mehr zählen wird. Ermüdungserscheinungen machen sich zwangsläufig bemerkbar. Beziehungsnetzwerk -was für ein schönes Wortspiel- kann auch in ein Stressnetzwerk münden, in dem es vorab an eines fehlt: an Tiefe. So schwimmen wir an der Oberfläche und weichen den elementaren Fragen des Lebens -unseres Lebens- aus. Ja, am Schluss werden wir ohnehin dazu verdammt sein, den Garten zu pflegen.

Montag, 29. Dezember 2014

Dies und das und 2015

Vermutlich ist es schon so: schreiben ist namentlich dann ein Gebot der Stunde, wenn es nicht anders geht. Schreiben geschieht in erster Linie -gewiss nicht nur, aber doch schwergewichtig- aus einer existenziellen Not heraus. Mentale Stärke benötigt keiner Schreiberei, oder doch? Wenn dem so ist, so bliebe jenes Schreiben doch nur an der Oberfläche. Satuiertheit neigt zur bedeutungslosen Langeweile, so wie Städte, die von sich behaupten, sie seien nun gebaut. Ja, vielleicht gehöre ich momentan auch zu jener Sorte der Satuierten, die nicht mehr schreiben müssen. Und wenn sie doch schreiben, so stehen sie vor dem weissen Blatt und starren das Papier bloss an, ohne dass sie eine Antwort erhielten. Und auch dies: die letzten Monate waren so anstrengend und bereichernd zugleich, dass ich einfach keine Kraft mehr hatte, mich abends noch aufzuraffen, um zu schreiben. Lieber las ich ein Buch, unterhielt mich mit meiner Tochter und Freunden, schrieb Mails oder genoss einen guten Film. E la nave va, zum Beispiel, und dies auch im übertragenen Sinn.

Vorsätze fürs 2015 habe ich keine, und wenn doch, dann ganz profane: mehr Bewegung, mehr Sport. Zu viel Arbeit ist ungesund, aber wenn es nicht anders geht und die Arbeit Spass macht, wird man bald zum Süchtigen. Diese Tage verbringe ich daher umso mehr auf unspektakuläre Weise, schlafe viel und merke: je mehr man schläft, umso mehr Schlaf benötigt man. Also: rauf auf die Berge!

Und die Liebe? Sollte ich dazu etwas schreiben? Ist auf ihr Verlass? Nein, eher ist es so, dass sie kommt und geht, wie ein Blatt, das im Herbststurm herumgewirbelt wird. Immer wieder dies: was zählt, ist der Moment, morgen können wir bereits tot sein, was nicht mit Unverbindlichkeit zu verwechseln wäre. Jeder Mensch braucht emotionale Sicherheit. Was ich aber nicht mehr tue: alles definieren wollen, was-ist-das-jetzt-und-wohin-geht-das, es ist, wie es ist, gestaltbar: ja, aber letztlich nicht kontrollierbar, gut so.

Euch allen: frohe, entspannte Feiertage, alles Gute für das 2015, das sich nicht wie Nietzsches ewige Wiederkehr des Gleichen anfühlen mag, auch wenn der Rahmen sich nun mal nicht auswechseln lässt: ja ja, die berühmten und, seien wir ehrlich, allzu oft bemühten Sachzwänge. Es wäre schon viel, wenn wir sie dann und wann auf die Schippe nehmen und sie, temporär und wie Lausbuben und Lausemädchen, elegant umschiffen: Ätsch! Und nicht alles immer so ernst nehmen, das Leben ist ja anspruchsvoll genug. Nun dann, auf zum Tanz des Alltags, möge 2015 uns jene kleine oder auch grössere Überraschung bieten, die uns, sanft, auch mal aus der Routine katapultieren mag.

Sonntag, 16. November 2014

Erkenntnisse

Ich schreibe nicht mehr so häufig, weil ich aktuell keinen Anlass dazu sehe. Vielleicht schreibe ich nur dann, wenn es mir schlecht geht. Dafür habe ich neulich meine Beiträge diagonal durchgelesen und komme zum Schluss: vieles, was ich schrieb bzw. schreibe, ist nur gültig für den Augenblick. Liebeskummer zum Beispiel ist oftmals bloss eine Momentaufnahme, dem Herbstwind gleich, der das Laub wunderbar durcheinanderwirbelt und Platz schafft für neues Laub, das den Boden für den Winter wärmen wird. Und ich dachte mir schon, ob ich alles oder doch so manches löschen soll vom Geschreibsel, aber auch dies wäre unehrlich, denn im Augenblick des Schreibens war es ja doch wahr. Gewiss, gesicherte individuelle Wahrheiten gibt es wohl, aber diese offenbaren sich nicht in Gefühlsausdrücken, sondern in Überzeugungen. Laub, so weit das Auge reicht, und der Himmel ist wolkenverhangen, der Wald in seinen prächtigsten Farben und kontrastiert aufs Wunderschönste mit dem dominanten Grau des Novembers. Am Horizont erblicke ich die Alpen, im Föhnlicht versunken. Mein Leben ist anstrengend, fordernd, aber auch lustvoll, mal karg, mal ausufernd. Wie es mir in letzter Zeit geht - diese wunderbare Musik könnte es nicht besser auf den Punkt bringen.

Donnerstag, 25. September 2014

Du und ich

Du und ich. Wie hast du es neulich gesagt? Wir, du und ich als ein Miteinander, seien für die schönen Momente des Lebens da, für mehr reicht es nicht, du bist in deinem Film, ich in meinem. Dein Alltag ist dort, meiner ist da. Das wussten wir von Anfang an, dass dem so ist - ist nicht traurig, vermutlich bewahrt es uns auch vor allerlei Trübsal, Enttäuschungen und Missverständnissen. Also kommen wir zusammen, wenn es der Moment erlaubt, wenn das sog. Zeitfenster es zulässt, mal hier, mal dort, dann reden und trinken und essen wir zusammen, gehen an eine Ausstellung, an ein Konzert, in die Berge, schlafen miteinander, als hätten wir noch 1000 Sommer vor uns, und erzählen uns Geschichten, wie es damals denn war, du in deinem Film, ich in meinem, du mit 20, ich mit 20, ja weisst du noch? Und ich weiss, hätten wir uns damals getroffen, es wäre nicht gut herausgekommen mit uns, alles zu seiner Zeit, Und was morgen ist, wissen ja eh nur die Götter, so sie uns überhaupt zusehen.

Samstag, 30. August 2014

Herbst

Die Tage und Wochen vergehen schneller als mir lieb ist. Der Herbst wird sich bald bemerkbar machen und uns an die Vergänglichkeit erinnern. Manchmal, ob der ganzen Hektik des Lebens, habe ich das Gefühl bzw. die Einbildung, all dies hätte mit mir nichts zu tun: auch eine Art Verdrängung. Die Wochen und Monate vergehen, Jahre ziehen durchs Land, und irgendwann steht man da und fragt sich: wie war das möglich? War ich nicht erst 20, 30, 40 Jahre alt?


Meine musikalischen Jugendidole von damals, sie werden alt und grau, stehen trotzig auf der Bühne und wollen uns sagen: da sind wir noch!


Die Blätter, sie fallen schon in diesen Tagen, die Verfärbungen der Blätter, sie sind unübersehbar.

Dienstag, 5. August 2014

Lebenszeichen

Oh, neue Leserinnen. Herzlich Willkommen, auch wenn ich aktuell so wenig schreibe.

Nicht, dass ich schreibfaul bin.
Aber ich bin irgendwie schreibmüde.
Ich drehe mich im Kreis, obwohl es mir gut geht.
Eigentlich.
Beruflich schwimme ich, aber tauche nicht unter,
ich liebe das Rückenschwimmen und habe Ausdauer.
Manchmal trinke ich gerne etwas über den Durst,
aber immer massvoll, der schwere Burgunder ist eine Sünde Wert.
Ich finde und habe gefunden und bin doch ein Suchender,
vielleicht auf immer und ewig.
Und ich bin melancholisch unterwegs,
aber das ist ja nichts Neues.
Danke für die Treue!

Sonntag, 6. Juli 2014

Von archivierten Mails

Heute habe ich nach langer Zeit wieder einmal in "alten Sachen" herumgewühlt: die Angewohnheit wohl eines jeden Historikers. Es waren archivierte private Mails aus den letzten 8 Jahren, die ich mir punktuell zu Gemüte führte. Manchmal schlug mir beim Lesen ein unglaublicher Pathos entgegen und Texte, die ich längst vergessen hatte und die mir doch so bekannt vorkamen.

Was mag wohl A. jetzt tun? Ist sie noch in ihrem durchstrukturierten, abgesicherten Alltag gefangen? Und was mag aus C. geworden sein, die ewig Suchende, ist sie nun fündig geworden, so man dies überhaupt werden kann? Und dann auch......_.

Blicke zurück bergen die Gefahr verklärter Sentimentalität. Blicke zurück sind hingegen dann sinnvoll, um das aktuelle individuelle Handeln in einen grösseren Kontext zu stellen und namentlich danach zu fragen: inwiefern habe ich dazu gelernt, inwiefern wiederhole ich mich mit bzw. in meiner Geschichte und bin damit Gefangener meiner selbst? Nur da und dort schlägt mir ein déjà vu entgegen, vieles scheint offenbar überwunden zu sein. Doch gänzlich "alte Muster" lassen sich nicht "einfach so" aus der Welt schaffen. Sie zu erkennen ist schon viel. 

Mittwoch, 2. Juli 2014

Im Juli

Lange habe ich hier nichts mehr geschrieben.
Das liegt wohl daran, dass ich schlicht nichts mehr zu schreiben habe.

Dabei sind viele Baustellen offen: beruflicher Umbruch, neue Liebe (die so neu auch nicht ist). Damit einhergehend: ein Gefühl des zeitweiligen Hochgefühls.

Das Gefühl, zumindest für einen Moment angekommen zu sein.

Was vor mir liegt:
Ferien bis anfangs August.
Ferien im Hochgebirge, also: Sommerfrische, und wenn ich Glück habe:
Begegnung mit dem ewigen Schnee und damit mit dem intensiven Leben (ein Lob auf die Kälte! ganz im Sinne Nietzsches).

Was ich aktuell tue: aufräumen am alten Arbeitsplatz, mich auf die neuen Herausforderungen vorbereiten. Viel lesen, zum Beispiel: wider die Natur.

Und abends wird dann und wann auf die Pauke gehauen mit Grill und schwerem Rotwein und intensiven Gesprächen.
Spurensuche.

Das Leben ist schön.
Und so traurig.
Die Liebe ist trügerisch.
Nichts ist von Dauer.
Manchmal bin ich furchtbar melancholisch.
Was täte ich ohne Mozart?
Meine Tochter ist der einzige Mensch, den ich bedingungslos liebe.
Und manchmal habe ich schlicht Angst.
Und ich vermisse dich zeitweise, zum Beispiel heute Abend.
Die Schneeballschlacht steht also bald bevor. Auf 3000 Meter über Meer.
Ich liebe das Leben. 

Freitag, 6. Juni 2014

Was wäre das, männlich?

Aufgeschnappt:
Da fragen die Männer nun, was ich männlich finde! Aber ich weiß nicht, was männlich ist. Ich kann nur sagen, was ich herrlich finde: Witz. Und Mut. Und Klugheit. Außerdem Souveränität und Selbstironie, Verlässlichkeit und Treue. Dämlich finde ich die Abwesenheit von all dem. Es gibt dämliche Männer und herrliche Frauen. Und umgekehrt.
Ich mag abends im Bett Füße, die wärmer sind als meine. Und es macht mir Spaß, mit Männern darüber zu reden, wie Frauen sind und wie Männer sind. Mit Frauen darüber zu reden, ist ein bisschen langweiliger, denn wir sind uns zu einig; viele Frauen gemeinsam wissen immer genau, was männlich ist. Eine Frau allein ist mit dieser Frage überfordert. Doch eins steht fest: Nichts ist männlicher als die Angst, nicht männlich gefunden zu werden.

Montag, 28. April 2014

Wenig, viel bis nichts

Schreiben ist für mich grundsätzlich ein Akt der Befreiung. Indem man schreibt, beschreibt man seine Gefühle und Abgründe und relativiert sie sogleich, weil man über sie reflektiert und, im gleichen Atemzug, im besten Fall relativiert. In den letzten Tagen und Wochen jedoch kommt mir schlicht nichts in den Sinn, was ich schreibend zu bewältigen hätte. Obwohl sich einiges angesammelt hat an Verunsicherungen, Mutmassungen und Hoffnungen. Doch die Sätze lösen sich auf, ehe sie niedergeschrieben werden. Ich habe zur Zeit wenig zu sagen, bewältige meinen Alltag, erledige meine Pflichten (auch mit Freude), treffe mich mit Kollegen. Auch lese ich in letzter Zeit wieder vermehrt, vor allem Eva Illouz. Das ist wenig und viel bis nichts zugleich. 

Donnerstag, 28. November 2013

Es weihnachtet sehr

In vier Wochen ist Weihnachten schon vorbei, dabei bin ich noch gar nicht in Weihnachtsstimmung. Die beinahe penetrant weihnächtlich geschmückten Schaufenster tragen nicht dazu bei, mich in eine solche Stimmung zu versetzen, auch die Intimität vortäuschende Strassenbeleuchtung trägt wenig dazu bei. Unvermeidlich ferner die Musikerinnen und Musiker der Heilsarmee, die überall den Topf am Kochen halten möchte und um eine Gabe bittet: ich mag deren feierlichen Gesang schlicht nicht ertragen. Ich muss schon bei guter Laune sein, den Topf meinerseits mit einem kleinen Batzen zu alimentieren. Eine Armee, die Heil bringt?

Es weihnachtet sehr, und damit geht ein weiteres Jahr zu Ende, ohne dass es richtig angefangen hätte: das Rad hat sich einfach weitergedreht. Natürlich waren da Ereignisse zu verzeichnen, schöne und weniger schöne, mühsame und erbauende, die allesamt ein labiles Gleichgewicht zwischen Pessimismus und Hoffnung wahren. 

Montag, 25. November 2013

Von der leeren Wohnung

Abends erscheint mir die leere Wohnung nur deshalb erträglich, weil ich weiss, dass dies vorübergehender Natur ist. Eine leere Wohnung als Lebensprinzip erschiene mir daher als schlicht nicht vorstellbar. Ich weiss sehr wohl, dass nicht wenige diesen Zustand schätzen, andere mögen ihn gar herbeisehnen. Für mich hat es jedoch etwas Frustrierendes, auch wenn ich es durchaus zu schätzen weiss, nach Gusto ein Bad nehmen zu können, lesen zu können, einfach sein zu können......doch nur im Kontrast zum Gegenteiligen erscheint mir dies als überhaupt denkbare Lebensform zu sein. Als Dauerzustand dagegen: Nein. 

Dienstag, 19. November 2013

Was hast du heute gefunden?

Vielleicht müsste man beim Suchen sich mehr auf das Finden konzentrieren.... 
Was hast du heute alles gefunden?
aus einer Mail, die mich heute erreichte.

Was habe ich heute alles gefunden?
Die Antwort fällt mir etwas schwer. Doch da war nichts, was ich gefunden hätte, was ich nicht bereits gekannt hätte. Stichworte hierzu: Herbstmelancholie, Müdigkeit vor allem Nachmittags, Nieselregen.

Ich war heute auf der Suche nach nichts - und fand auch nichts.
Und was hiesse dies, sich auf das Finden zu konzentrieren? Ich müsste zuvor wissen, wonach ich suche, nur dann kann ich mich darauf auch konzentrieren. Ich war heute mehr ein Blatt im Herbstwind, das sich treiben liess. Doch wir Menschen haben vor allem eines gemeinsam: wir wollen gefunden und nicht durch alle Winde durchgewirbelt werden.