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Montag, 6. Juni 2016

Alte Rechnungen

Manchmal können mich banale "alte" Rechnungen aus der Fassung bringen.
Nicht des Betrags wegen.
12. Mai 2001, 8. August 2003.
Sie lösen vielmehr ganze Erinnerungsschübe aus. 

Samstag, 30. April 2016

Vom Erinnern

Ja, so ergeht mir das auch mit dem Erinnern:
manchmal fällt es mir wieder ein, dieses und jenes von damals.
Dann kommt es mir vor, als sei es doch erst gestern gewesen.
Ja, erst gestern!
Und alles wird gegenwärtig, selbst den Geruch -deinen Geruch- nehme ich wahr,
spüre den Wein, den wir tranken, auf der Zunge,
sehe
das Zimmer,
das Restaurant,
vernehme Stimmen,
hach, mag mich gar an eine Kellnerin erinnern,
erinnere mich
an den Schalk deiner Augen,
alles gerät durcheinander
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, was heisst das schon.
Vergangenheit,
die nicht
einfach
vergeht. 

Dienstag, 30. Dezember 2014

...in the arms of someone

Liebe Linda, ich habe Ende Jahr jeweils die sonderbare Angewohnheit, Deine alten Lieder -du weisst schon, it's so easy to fall in love!- hervorzukramen. Und dann liege ich einfach da und bin augenblicklich wieder in jener Stimmung von damals, als es so einfach war, sich zu verlieben und zu verlieren und wir alle dabei dachten, die Jugend würde ewig dauern. Ob ich traurig werde, wenn ich all dies Revue passieren lasse, mitunter im Sekundenstil? Ich lasse es einfach vorbeiziehen. Und dann nehme ich doch noch weitere alte Platten hervor, ich kann es einfach nicht lassen, lay back in the arms of someone, vielleicht sollte ich dies öfters wieder tun.

Sonntag, 6. Juli 2014

Und von archivierten Blogbeiträgen

.....die sind auch interessant zu lesen.

So jener vor über vier Jahren, da muss ich mich Hals über Kopf in jene Frau aus beinahe demselben Quartier verliebt haben, die heute mit einem ewigen Studenten verheiratet ist. Oder hat er jetzt abgeschlossen? Jedenfalls ein Jüngling, so ihre Worte, damals. Auch Frauen suchen zeitweise Frischfleisch. Und sehen in diesem Kontext dann doch ziemlich alt aus - wie Männer halt, die mit junger Dame unterwegs sind und bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten mit dem Kompliment begrüsst werden: eine schöne Tochter haben sie da! 

Von archivierten Mails

Heute habe ich nach langer Zeit wieder einmal in "alten Sachen" herumgewühlt: die Angewohnheit wohl eines jeden Historikers. Es waren archivierte private Mails aus den letzten 8 Jahren, die ich mir punktuell zu Gemüte führte. Manchmal schlug mir beim Lesen ein unglaublicher Pathos entgegen und Texte, die ich längst vergessen hatte und die mir doch so bekannt vorkamen.

Was mag wohl A. jetzt tun? Ist sie noch in ihrem durchstrukturierten, abgesicherten Alltag gefangen? Und was mag aus C. geworden sein, die ewig Suchende, ist sie nun fündig geworden, so man dies überhaupt werden kann? Und dann auch......_.

Blicke zurück bergen die Gefahr verklärter Sentimentalität. Blicke zurück sind hingegen dann sinnvoll, um das aktuelle individuelle Handeln in einen grösseren Kontext zu stellen und namentlich danach zu fragen: inwiefern habe ich dazu gelernt, inwiefern wiederhole ich mich mit bzw. in meiner Geschichte und bin damit Gefangener meiner selbst? Nur da und dort schlägt mir ein déjà vu entgegen, vieles scheint offenbar überwunden zu sein. Doch gänzlich "alte Muster" lassen sich nicht "einfach so" aus der Welt schaffen. Sie zu erkennen ist schon viel. 

Donnerstag, 30. Januar 2014

Geschichten aus dem Leben

Ich mag Geschichten aus dem Leben, mögen sie auch lange zurückliegen: sie verjähren nicht und haben uns zu dem gemacht, was wir sind. Gibt es spannendere Geschichten als solche aus dem Tagebuch, mag dieses auch schon leicht vergilbt sein und manche Spuren des Lebens in sich tragen? Wenn wir in die Vergangenheit blicken, so haben wir immer auch den Bezug zum Heute. Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden (Dürrenmatt), was einmal geschah, ist geschehen und gehört zur Geschichte, unserer Geschichte, auch wenn sie uns die Schamröte ins Gesicht jagt - dann vielleicht erst recht. 

Freitag, 24. Januar 2014

Von den Wiederholungen

Sie verhalten sich nicht zur Gegenwart, 
sondern zu einer Erinnerung. 
Sie meinen die Zukunft schon zu kennen 
durch Ihre Erfahrung. 
Drum wird es jedesmal dieselbe Geschichte.
Max Frisch

Donnerstag, 23. Januar 2014

Die offene Wagentüre

Sie führte als junge Frau ein Tagebuch über ihre Männer, wie sie mir bei einem Glas Rotwein in nüchtern gehaltenem Ton sagte. Und darin hielt sie akribisch fest. wie lange und wie, welche Wirkungen und was danach folgte. Die Männer sind durchnumeriert, das Datum ist festgehalten, ebenso die Orte, das Wetter....ich bitte darum, mehr zu erzählen, weil es Geschichten sind aus dem gelebten Leben, also: Erinnerungen, die unmittelbar nach dem Erlebten eine schriftliche Form erhielten. Sie zögert und erzählt nur Skizzenhaftes, mehr Andeutungen als ausformulierte Geschichten, aber das genügt mir. Einmal, es war Winter, hat sie an einem Abend einen Mann irgendwo an einem Konzert (Heavy Metal) kennengelernt. Das übliche Spiel. Dann, es war gegen zwei Uhr Nachts, gingen sie nach draussen. Leichter Schneefall, menschenleere Strassen eines ruhigen Stadtquartiers. Er öffnete ihr die Wagentüre, sie stieg ein, die Türe wurde nicht geschlossen, er stand direkt vor ihr. Den Rest überlasse ich deiner Phantasie, sagte sie mir mit Schelm in den Augen. Aber das ist schon lange her, schiebt sie gleich nach, um wohl anzudeuten: alte Geschichte, längst verjährt. Ich trinke das Glas Rotwein gemächlich aus und lasse meiner Phantasie -es könnte so oder auch anders gewesen sein- freien Lauf. Später erzählt sie mehr davon: wortlos und wie es wirklich gewesen war. Ich glaube ihr auf Anhieb und bitte um weitere Geschichten.

Von Erinnerungen (Louis Begley)

Der 80 jährige Begley (...) behandelt im Kern die Frage, inwiefern Erinnerungen verlässlich sind oder nur bequem gemachte, gefärbte Lebensdeutungen, so heute im Feuilleton der NZZ nachzulesen über den jüngsten Roman von Louis Begley, Erinnerungen an eine Ehe, Suhrkamp-Verlag.
Wer dieser Frage nachgeht, muss gelesen werden. Ich bin gespannt.

Freitag, 27. Dezember 2013

Abends beim sommerlichen Picknick

In 5 Tagen wird man sagen können: das war letztes Jahr, zum Beispiel im Sommer.

Nach einer ausgedehnten Wanderung setzten sie sich gemütlich auf eine Bank mit Blick auf den Wald und die Berge. Sie packten das Picknick aus und atmeten den Duft des Sommerabends ein, einem Gemisch aus frisch geschnittenem Gras, Waldbeeren, nassem Holz und Pilzen. Aus der Ferne war der Bach zu hören, dem sie zuvor -wohl am Vortag- entlang gelaufen waren, stundenlang. Und an jenem sternenklaren Abend musste nicht viel gesprochen werden, weil es gar nicht notwendig war: es war Sommer, und nicht nur die angenehm kühle Abendtemperatur liess sie immer näher zueinander rücken. Und als es längst dunkel und spät geworden war entschlossen sie sich zum Aufbruch Richtung Hotel, um müde, aber glücklich in den Schlaf zu versinken und sich dabei Geschichten zu erzählen, wie es denn sein könnte in 2 Monaten, in einem halben Jahr, in 1 Jahr, weil sie an eine Zukunft glaubten, eine gemeinsame Zukunft.

Erinnerungen, die bald zum letzten Jahr gehören, zum damaligen Sommer. Und wenn es auch nach Vergangenheit klingt -und es ist vergangen-, so bleibt es doch in bleibender Erinnerung, so nah und doch so fern. Es war Ende Juli/Anfangs August.

Tempi passati: wenn es doch nur so einfach wäre. 

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Erhaben beschwipst

Ich liebe dieses erhabene Gefühl des bloss angedeutet Beschwipstseins und die damit einhergehende Leichtigkeit. Die Gäste -meine Gäste in Form der erweiterten Familie- sind nun alle gegangen, ich bleibe allein zurück und sehe vor mir den wunderbar grauen Himmel. Und in solchen Momenten -ich spüle mit aller Sorgfalt die Weingläser- mache ich allerlei gedanklichen Unfug und muss aufpassen, nicht in ein sentimentales Loch zu fallen. Aber die Macht der Erinnerung hat mich im Griff, vermutlich liegt es am schweren Amarone, der mein Blut kontaminiert hat und mein Gemüt taumeln lässt.
Weihnachten, ach.
Die Vorstellung, dass du auf dem Sofa bist und mit wem auch immer was auch immer tust, verscheuche ich, so gut ich kann. Die Zeit gerät durcheinander, heute ist Mittwoch und es fühlt sich als ewigen Sonntag an, wir haben 2013 und es fühlt sich an wie ich weiss auch nicht. Übrigens habe ich mit Pamuks Museum der Unschuld begonnen. Ich lese mich zügig durch den Roman und denke mir dabei immer wieder: was für ein Trottel bist du doch, Kemal, du liebst Füsun über alles und bleibst doch, vorerst zumindest, bei Sibel - aus Bequemlichkeit, Feigheit, Unvermögen. Er hat sich das entscheidende Datum seines Lebens notiert: 26. Mai 1975, gegen Viertel vor drei. Und ich lege das Buch für eine Weile auf die Seite und notiere meinerseits: 15. Mai 2013, gegen halb drei Uhr nachmittags. 

Freitag, 20. Dezember 2013

Vor Weihnachten

Ich habe Lust, an Weihnachten schweren Wein zu trinken und eine Gans zu essen, das wird meiner Tischrunde gefallen. Am Weihnachtstag habe ich jeweils das Gefühl, die Zeit sei stehengeblieben und beinahe alles sei so, wie es einmal war: ausgelassen, in einem gewissen Sinn festlich, jedenfalls jenseits des Alltags. Und irgendwann spätnachmittags spüre ich meine schweren Beine und mein Grübeln beim Spülen der Weingläser über das, was war und nicht war und hätte sein sollen und überhaupt. Immer wieder gerate ich ins Staunen, wie schnell ein Jahr vorüber geht. Und dieses Gefühl wird von Jahr zu Jahr intensiver und impertinenter. 

Sonntag, 15. Dezember 2013

Vom Erinnern und Vergessen

Manchmal denke ich an jene unbeschwerte Momente aus dem letzten Sommer,
die Wanderung zum Oeschinensee zum Beispiel,
oder das schlichte Sein am Ufer der Emme.
Ich höre ihre Stimme,
sehe ihre Augen,
unseren Rastplatz,
spüre ihre Fröhlichkeit
und Traurigkeit
zugleich,
als sei es
gestern
gewesen.
Was langsam verloren geht
ist die Erinnerung
an den Geruch ihrer Haut.
Ich versuche mich zu erinnern
und
erinnere mich immer weniger.
Ich wehre mich nicht gegen das Vergessen.
Und doch fällt es mir schwer,
weil dadurch
wie ein Teil meiner Selbst
verloren ginge.
Melancholie eines Sonntagabends. 

Dienstag, 3. Dezember 2013

Jetzt im Dezember

Heute Morgen lag dicker Nebel über der Stadt. Kalt. Tagsüber merkt man nicht viel davon: da ein Gläschen Wein, dort bald ein Häppchen, so sehen die Dezembertage oftmals aus und verfliegen wie im Nu. Merkwürdigerweise haftet dem Dezember nicht viel Melancholisches an. Wenn schon Melancholie sein muss, dann bitte sehr im November – der Januar bietet sich auch an, immerhin spricht man da vom Januarloch, in das man fallen könnte.

Dezember. Es scheint, als sei er so etwas wie ein Wonnemonat mitten im Winter, gewissermassen der Juli des 2. Halbjahrs: üppig, inwendig warm, der Familie zugewandt, und zu Weihnachten die obligate Gans oder das Rindsfilet. Dazu bitte ein bis zwei Gläser Rotwein, möglichst schwer und gehörig nach Tannin riechend.

Dezember: das Gefühl, immer wieder nach Hause zu kommen, die Schule hinter sich zu wissen, abends kommt der Weihnachtsmann, vielleicht auch mehrmals. Morgens ausschlafen, vom feinen Kaffee- und Schokoladengeruch geweckt zu werden, und der frisch gepresste Orangensaft steht auch schon bereit. Nachmittags –bald dunkelt es wieder ein- ein kleiner Spaziergang und eine Schneeballschlacht, spätnachmittags werden die kalten Füsse und Hände in der guten Stube bald wieder warm. Die Geschenke liegen bereit, der Baum ist hübsch geschmückt, die Flasche Rotwein (die Anzahl spielt mun keine Rolle mehr) ist schon offen, die Käseplatte ist angerichtet. Später wird gesungen - auch für Beatles-Songs reicht die Zeit: Yesterday darf auch nicht fehlen, auf wenn die Gitarrengriffe nicht immer optimal erfolgen.

Dezember. 

Werther hat sich übrigens nicht im November oder Januar erschossen. 
Er tat dies vielmehr am Vorabend des 24. Dezembers. 

Samstag, 30. November 2013

Von warmen Runden am Samstagabend (Retro)

Als junger Mann war ich samstags immer unterwegs auf der Suche nach Glück.
Immer auf der Gasse.
Manchmal zu viel Bier trinkend und
auf Aufriss.
So hiess das damals
und so heisst es auch noch heute.
Nie unanständig, eher scheu.
Der begleitende Kollege, den ich noch heute sporadisch treffe (bei einem Bier: gewisse Dinge sind und bleiben, wie sie waren), hatte ebenso Pech wie ich in Sachen
Samstag-abend-liebe.
Gegen 23 Uhr
einem Ritual folgend
gings ab in die Disco um die Ecke.
Da drehten wir unsere Runden, immer darauf bedacht,
ein Mädchen
abzuschleppen,
namentlich wenn die warme Runde eingeläutet wurde.
Ach, wie wir sie liebten, und
die kitschigen Melodien immer noch im Ohr.
Die Erfolgsquote war nicht berauschend hoch,
berauschend war eher das dünne Bier.
Und so drehten wir unsere Runden.
Und sonntags schliefen wir unseren kleinen Rausch
im meist leeren Bett
aus,
die Ausnahme die Regel bestätigend.
Und montags telefonierten wir uns
und
schworen
nächsten
Samstag
wird's
besser.
Denkste! 

Sonntag, 20. Oktober 2013

Abendliche Meditation

Dunkel ist es, ja rabenschwarz.
Gedankenverloren sitze ich da und spüre bloss
meine Ratlosigkeit.
Nichts will nach Vorne,
ein Zurück gibt es nicht.
Stattdessen
beengende Gegenwart.
Es gibt die beruhigende Stille.
Und jene der lautlosen
Verzweiflung.
Stilles Weinen zerrt,
wo doch Tränen,
so wie heute Nachmittag,
kurzzeitig Erleichterung brächten.
Manchmal, weisst du,
blicke ich auf das leere Kissen,
das mich anstarrt und das Schweigen
noch unerträglicher werden lässt.
Und wenn die Sonne scheint, bleibt es doch dunkel,
doch dich sehe ich trotzdem da und dort
und auch hier,
immerzu  -
ja, immerzu.
Nein, dies hier ist kein Klagelied.
Es ist Erinnerung,
die tief in mir sich eingenistet hat -
ohne schnelle Aussicht
auf Befreiung. 

Dienstag, 9. Juli 2013

Sommertage

Sommertage stimmen mich auf eigentümliche Weise melancholisch. Anders als im Winter erinnert mich der Sommer an unbeschwerte Kindertage. Strandferien in Italien, und abends der obligate Geruch von Pizza aus dem Holzofen. Ich spüre die Hitze des Sandes unter meinen Füssen, sehe die Menschenmasse  am Strand, die gebauten Sandburgen von uns Kindern, den Eisverkäufer und die Lirascheine unter meinem Badetuch. Gerne erinnere ich mich jetzt daran, und doch, nein, ich will keine solchen Ferien mehr verbringen, schon lange nicht mehr. Vielleicht, irgendwann, werde ich aus Nostalgiegründen dennoch wieder hinfahren.

So sitze ich in der abgedunkelten Wohnung. Ein feines Lüftchen macht sich bemerkbar, der Parkett ist sauber gewischt und voller Glanz. Ich habe einige Stunden freie Zeit. Tue nicht viel. Schreiben, lesen. Ich lasse mich bewusst treiben und spüre den Schweiss auf meinem Nacken.
Heute ist die Gegenwart dünn.
Zähe Stunden, kriechend und schwer.  

Mittwoch, 12. Juni 2013

Klassentreffen

Erstmals seit rund 30 Jahren.

Ich hatte Respekt davor.
Angst, meine ehemaligen Klassenkameradinnen und -kameraden
nicht wieder zu erkennen - in jeder Hinsicht.

Hallo Peter! da und dort, als ich eintreffe.
Ich gebe allen die Hand und zögere.
Entschuldigend frage ich nach dem jeweiligen Namen.
Ach duuuuu bist es, Hallo!
Nur die eine Frau erkenne ich auf Anhieb:
das gleiche spitzbübische Gesicht wie damals,
der exakt gleiche schelmische Blick, dieselbe Frisur, ich bin baff.
Und dort mein damaliger bester Kumpel, den erkenne ich auch ohne Zögern,
ja ja, weisst du noch, damals,
aber natürlich.
Und der Smalltalk beginnt.
Der Wein ist aufgetischt, es riecht nach grilliertem Fleisch,
nach Sommer und nach entspannter Atmosphäre.
Die Sonne erfasst die grosse Terrasse.
Ausgelassene Stimmung.

Über die Gegenwart mag niemand so richtig sprechen.
Die Nostalgie überwiegt.
Wir schauen uns die alten Schulfilme von damals an,
he, das bin ja ich dort, und du, hach,
damals konntest du noch singen.
Ja ja.

Und später da und dort die ersten Bekenntnisse,
das Benennen von Lebenskrisen,
Ehekrisen,
anderen Krisen.

Die eine ehemalige Kameradin fixiert mich,
seit ich angekommen bin.
Ja und du, Peter, fragt sie mich im Flüsterton,
neulich sah ich dich, aber du sahst mich nicht.
Ach ja?
Ja ja, und nun bist du da.
Ja, bin ich.

Keine Fortsetzung.

Zu viel Vergangenheit.
Zu viel Schlacke da und dort.
Zu viel Projektion auch.
Ich bin ja nicht mehr der, den ich damals war.
Oder vielleicht doch?

Plötzlich muss ich aufbrechen.
Vergangenheit ist anstrengend.
Heimsuchend.
Einnehmend.

Flucht.
***

Zukunft ist ebenso anstregend, wenn nicht anstrengender.
Da fiktiv in jeder Hinsicht,
so wie auch die Vergangenheit blosses Konstrukt ist.

Dagegen:
Gegenwart - verdichtet.
Das Vernehmen der Kirchenglocken.
Freier Fall in den Augenblick, dorthin,
wo es keine Klassentreffen gibt.
Keine Erörterungen über
wie-könnte-es-denn-sein-morgen-und-übermorgen.
Weil morgen
ohnehin
alles anders sein kann. 

Samstag, 4. Mai 2013

In der Bar

Was ich manchmal brauche: herumzuhängen spätabends in einer gepflegten Bar, der Pianist spielt ein letztes Lied von Sinatra, ich sitze da, trinke meinen Manhattan und will nichts mehr als die pure Gegenwart spüren und dabei doch immer wieder an längst Vergangenes denken. Ich kann schrecklich melancholisch sein und verflossener Nähe nachspüren, manchmal nachtrauern. 

Mittwoch, 17. April 2013

heisser Sand unter den Füssen

Bei frühsommerlichen Temperaturen kommen Bilder hoch, unbestellt und ungewollt.
Damals im Sommer
heisser Sand unter den Füssen und zwischen den Zehen
und dann
der rettende Sprung auf das Badetuch.
Grosser Sonnenschirm, nackte Haut und
die wiederkehrenden Rufe des Gelativerkäufers.
Auf und ab und immer wieder ins offene Meer.
Abends auf der Hotelterrasse Blick auf das offene Meer.
E la nave va.
Auf den Schulterblättern der obligate Sonnenbrand.
Die klammheimliche
unschuldige
Lust des Bengels auf Abenteuer,
worin diese auch immer bestehen mögen.
Es wird noch in Lire bezahlt.
Der Himmel dunkelblau,
die Geräusche der Brandung deutlich zu vernehmen.
Der Hotelpool ist längst geschlossen,
aber wen kümmert das schon.
Wir drehen einige Runden, der Vater gesellt sich dazu.
Das Gefühl, es könnte immer so sein.
Unbeschwert die Tage verbringen,
nachts die Schmerzen der Sonne auf der Haut bemerken,
so dass man sich ständig wälzen muss
und Zeit hat, Jagd auf Stechmücken zu veranstalten.
Jeder Volltreffer ergibt eine weitere blutige Spur auf der Wand des Hotelzimmers.
Morgens auf der Hotelterrasse der Blick auf das offene Meer,
unvermeidbar.
Frühstück mit italienischem Streichkäse, mit Früchten und hellem Brot.
Leichte Brise.
Durchatmen.
Sehnsucht nach dem italienischen Licht,
nach dem Geruch von Salzwasser und eingemachten Gemüsen.
So muss es gewesen sein,
beinahe
Sommer für Sommer,
in Diano-Marina.