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Mittwoch, 7. Januar 2015

Charlie

Eingebetteter Bild-Link
Feige Schweinehunde,
vollgepumpt mit der Droge namens
Fanatismus
und
"Religion"
ihr Idioten, lasst Gott aus dem Spiel


bar
jeglicher Selbstironie
geblendet
selbstverliebt
und
darüberhinaus
irregeleitet
weil sie
ohne ihren widerlichen Stoff nicht leben können
verdorbene, verkommene Schweinehunde.

Freitag, 14. Februar 2014

Von Abstimmungen

Zurück aus den Ferien und damit zurück im Alltag. Natürlich, das Abstimmungsresultat hat auch mich -wen nicht- bewegt. An dieser Stelle nur einige Randbemerkungen.

Schweizer Stimmberechtigte reagieren grossmehrheitlich allergisch, wenn aus dem Ausland vor einem Abstimmungstermin Drohgebärden ausgesprochen werden. Denn dann passiert genau das Gegenteil dessen, was man sich im Ausland erhoffte. Und nicht jedes Ja zur Initiative war fremdenfeindlich motiviert: so trivial ist es nicht. Die deutschen Leser/innen frage ich: was wäre in Deutschland, wenn jährlich eine Nettozuwanderung von 800'000 Personen, konzentriert auf die grossen Wirtschaftsräume Stuttgart, München, Frankfurt und Hamburg, zu verzeichnen wäre? Das ist nicht nichts, und damit muss man umgehen können: nicht nur die übervollen Pendlerzüge morgens und abends werden da zu einem handfesten Problem, das nicht ruckzuck-zackzack aus der Welt zu schaffen ist. Steigender Wohnraumbedarf, damit einhergehend: steigende Preise sind naturgemäss Begleiterscheinungen einer starken Zuwanderung - fragt sich bloss, wie eine Gesellschaft damit umgeht. Und ja, nicht alle Schweizer/innen mögen deutsche Vorgesetzte, da sind zahlreiche Missverständnisse an der Tagesordnung: wir sprechen zwar alle Deutsch, doch kulturell gibt es eben doch beachtliche Unterschiede, die man zu berücksichtigen hat -notabene auf beiden Seiten.
Und so weiter.
Direkte Demokratie war noch nie eine einfache Staatsform.

Sonntag, 26. Mai 2013

Bern, danach

Das hier ist weder Belfast noch Paris....es ist Bern.
Idioten, die glauben, mit Krawall Politik zu machen, brüsten sich.
Idioten der heutigen Konsumgesellschaft, der Analyse unfähig.
Söhne und Töchter satter Eltern, orientierungslos und konsumgeil,
die im Adidasleibchen irgendwelche Parolen schreien,
deren Inhalt sie ohnehin nicht verstehen.
Und Montags gehen sie wieder brav zur Schule und kuschen.

Sonntag, 10. März 2013

Der Lohn einer Friseurin

Wie lebt man eigentlich mit rund 1'200 Euro brutto im Monat (bei einer 100%-Beschäftigung) in Berlin? Das scheint der durchschnittliche Lohn zu sein von Friseurinnen, Kellner/innen oder Angestellten der Post. So bleiben für einen Monat gerade mal netto 1'000 Euro zum Leben - in Berlin.

Montag, 18. Februar 2013

Sophie Scholl - heute vor 70 Jahren


Heute vor 70 Jahren wurden Sophie Scholl und weitere Mitglieder der weissen Rose verhaftet, um wenig später nach einem Schauprozess hingerichtet zu werden. Sie steht stellvertretend für all die Menschen, die auch dann nicht schweigen, wenn die Lage aussichtslos erscheint. Sie ist die Antithese zum Opportunismus und zum Anpassertum, dem die meisten von uns, den Schreibenden eingeschlossen, bald einmal erliegen - aus Bequemlichkeit oder Feigheit, aus Unwissenheit oder Dummheit.

Sophie Scholl ist und bleibt auch und gerade in einer demokratischen Gesellschaft ein Ideal, dem wir uns, weil wir als Menschen immer wieder neu zur Aufklärung verpflichtet sind, stets annähern sollen. Ihr Tod sei uns Verpflichtung.

Randnotiz:
Just an jenem 18. Februar 1943 -welche Ironie der Geschichte- hielt Goebbels seine berüchtigte "Sportpalastrede" mit der fanatisch-rhetorischen Frage "wollt ihr den totalen Krieg?!" Ich kann mir keine grösseren Gegensätze vorstellen, die an einem und denselben Tag gleichzeitig stattfinden.

...und weil es gerade passt (hier nochmals eingebettet)...

Dienstag, 5. Februar 2013

von geschönten Doktorarbeiten - hüben und drüben

Schon wieder eine geschönte "Doktorarbeit": ausgerechnet die Bildungsministerin muss ihren Doktortitel abgeben. Welche Ironie der Geschichte, sie, die sich so wortgewaltig von Guttenberg distanzierte und sich "schämte" ob dem, was geschehen war.

So weit, so gut.

Wer wissenschaftliche Kriterien nicht korrekt einhält, muss die Konsequenzen spüren.
Doch
gilt das für alle?
Und unter allen Umständen?
Wirklich?

Nun werden sie bald wieder anlaufen, die unzähligen Talkshows. Und ich sehe schon all die klugen Gesichter, die wild gestikulierend und empört "Rücktritt Rücktritt" rufen. Und dabei einiges arg vergessen, nein: verdrängen, was in aller Deutlichkeit gesagt werden muss.


Wie war bzw. wie ist das genau mit den erworbenen pseudoakademischen Doktortiteln namentlich (aber nicht nur dort) an der sog. "juristischen Hochschule" des Ministeriums für Staatssicherheit? Artikel 37 des Einigungsvertrages hält diesbezüglich klipp und klar fest: In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik erworbene oder staatlich anerkannten berufliche und akademische Abschlüsse oder Befähigungsnachweise stehen nach Artikel 37 Abs. 1 des Einigungsvertrages den Abschlüssen oder Befähigungsnachweisen der Bundesrepublik Deutschland im Geltungsbereich des Grundgesetzes vor dem 03.10.1990 grundsätzlich gleich. Die erworbenen Berufsbezeichnungen, Grade und Titel können in der üblichen Form geführt werden.  

Ich frage:
was haben diese "Doktorarbeiten" für einen akademischen Wert? Ich mache es kurz und bündig und beantworte meine rhetorische Frage gleich selbst: sie sind akademischer Schrott und haben mit Wissenschaftlichkeit nichts zu tun. Man vergegenwärtige sich einmal die Titel dieser erworbenen "Doktorarbeiten" (Auswahl):


  • Die Auswertung des Informationsgehaltes handschriftlich gefertigter, anonymer oder pseudonymer Hetz- und Droh­briefe und deren praktische Bedeutung für die operative Fahndung nach dem Schrifturheber
  • Die Information als immanenter Bestandteil der politisch-operativen Arbeit und deren Leitung
  • Das System der Sicherheitsbeauftragten - ein neues wirksames Instrument der sozialistischen Staatsmacht, das unter Führung des Ministeriums für Staatssicherheit zur Gewährleistung der Sicherheit und Ordnung in der Volkswirtschaft, insbesondere zur Abwehr des Systems imperialistischer Kräfte beiträgt
  • Die staatsfeindlichen Gruppen Jugendlicher und jung Erwachsener und ihre vorbeugende Bekämpfung durch das Ministerium für Staatssicherheit
  • Der Kampf um die Durchsetzung demokratischer Entwicklungsprozesse in Westdeutschland sowie die politisch-operativen Aufgaben zur Förderung und Formierung fortschrittlich sozialer Kräfte und politischer Plattformen
  • Zur Bekämpfung der imperialistischen Störtätigkeit auf dem Gebiet des Außenhandels
  • Psychologische Grundsätze für die die Zusammenarbeit mit IM, die im Auftrage des MfS außerhalb des Territoriums der DDR tätig sind (Untersuchungen an IM der äußeren Spionageabwehr bei direkter Konfrontation mit den feindlichen Geheimdiensten)
  • Aufgaben der Diensteinheiten der Aufklärung des MfS bei der Erhöhung der Effektivität der Arbeit mit Inoffiziellen Mitarbei­tern unter den Bedingungen der imperialistischen Konfrontationspolitik
  • Die weitere Entwicklung und Vervollkommnung der Objekt­bearbeitung durch die Diensteinheiten der HV A und die Abteilungen XV der Bezirksverwaltungen des MfS
Na tolle Leistung. 
Und diese Herren (Damen habe ich in der Liste keine entdeckt - da hat die DDR-Gleichstellungspolitik schlapp versagt) laufen heute in Deutschland erhobenen Hauptes in der Gegend herum. Und die Nachbarn halten sie für ehrenwerte Leute: es steht ja schliesslich "Dr. iur." an der Haustüre. 

Und ja, der Herr Dr. iur. Gregor Gysi, der grosse Politkommissar und Aufklärer aller Talkshows, wird sich in Sachen Bildungsministerin wohl auch bald empört und süffisant lächelnd zu Wort melden. Bloss: wer hat sich in Deutschland die Mühe genommen, seine "Doktorarbeit" zur Hand zu nehmen und einmal zu lesen? 

Dienstag, 18. Dezember 2012

Endlich, Mister President!



Erstmals äussert sich der US-Präsident konkret und nicht bloss rhetorisch zu einer Verschärfung des amerikanischen Waffenrechts: Er steht hinter der Initiative von Senatorin Dianne Feinstein, lese ich soeben in den elektronischen Medien.



Endlich, Mister President, sprechen Sie Klartext im Getümmel! Dianne Feinstein will nicht mehr und nicht weniger als halbautomatische Waffen verbieten. 

Montag, 12. November 2012

Die Steuerfahnder


Steuerfahnder in Deutschland scheinen nicht gerade zimperlich zu sein in ihren Vorgehensmethoden gegen Kunden der UBS. Ein Anwalt meint dazu: «Die Ermittler klingeln oft zu Unzeiten. Sie warten am Morgen früh in ihren Fahrzeugen vor den Gebäuden und schlagen dann zu, wenn die Klienten noch gar nicht richtig wach sind. Das kann schon auch mal zwischen fünf und sechs Uhr morgens sein.». Was lese ich da? Morgens zwischen fünf oder sechs Uhr?? Mit Verlaub: hatten wir das nicht schon einmal? Damals trugen sie allerdings noch lange schwarze Ledermäntel. Das dürfte sich in der Zwischenzeit geändert haben. Immerhin.

Merke:
der Rechtsstaat hat sich an gewisse Spielregeln zu halten.
Zu jeder Zeit.
Und unter allen Umständen. 

Montag, 5. November 2012

Jerry. der hoffnungslose Kandidat

Wer oder was könnte dieser Mann sein?
Ein Dozent für Philosophie?
Ein schlichter Volksschullehrer adrett gekleidet?
Oder ein Fussballtrainer anlässlich einer Pressekonferenz,
der wortreich erläutert, weshalb seine Mannschaft wiederum verloren hat?


Weder noch.
Dieser Mann ist ein Exot.
Nein, er ist kein Filmschauspieler.
Und auch kein Börsenmakler.
Er ist Präsidentschaftskandidat
und möchte
nächster Präsident der USA werden.
Der Mann ist Trotzkist.
Ja, die gibt es auch in den USA.
Natürlich weiss er, dass er keinerlei Chancen hat.
Aber Jerry tut es trotzdem.
Aus Überzeugung.
Und weil dies für ihn Teil des Kampfes ist.
Irgendwie ein schräger Vogel.
Meine Stimme bekäme er nicht.
Weil ich kein Trotzkist bin.
Und vor allem, weil es ohnehin eine verlorene Stimme wäre.
Ich hoffe, trotz aller berechtigter Kritik, auf Obama.
Vor allem für die Amerikaner/innen.

Montag, 22. Oktober 2012

Herr Schuhmacher will ausziehen

Der Herr Schuhmacher und mit ihm weitere 5'000 Personen in der Schweiz geniessen ein Steuerprivileg, das sich hier ganz unscheinbar-bescheiden "Pauschalbesteuerung" nennt. Nur wer über kein Einkommen in der Schweiz erzielt, kann davon profitieren. Nun ist eine Volksinitiative eingereicht worden, die just dieses Privileg abschaffen will. Da hat Herr Schuhmacher gewissermassen präventiv erklärt, er würde die Schweiz allenfalls -ja, allenfalls- verlassen, sollten die Stimmberechtigten dem Volksbegehren dereinst zustimmen. Ho ho, der Herr Schuhmacher droht mit seinem Auszug aus seiner pompösen Trutzburg. Es fragt sich erstens, wohin er denn ziehen möchte, um dieses Privileg unter gleichzeitiger Inanspruchnahme zahlreicher Annehmlichkeiten aufrechtzuerhalten. Und zweitens: wer droht, kommt schlecht an und wirkt vor allem kontraproduktiv. Mancher wird sich hier bloss achselzuckend denken: nun ja, dann soll er doch, wenn ihm das Geld -und scheinbar nur dies- so verdammt wichtig ist.

Nichts verrät so sehr einen beschränkten und kleinlichen Geist wie die Geldgier.
Cicero

Montag, 2. Juli 2012

Der Männerbeauftragte

Bürokratie ist die Vervielfältigung von Problemen durch die Einstellung weiterer Beamter (C.N. Parkinson, britischer Historiker)

Die Verwaltung -sprich der öffentliche Dienst- ist stets kreativ im Erfinden neuer Stellen. So gibt es in Zürich neuerdings einen "Männerbeauftragten". In einem Interview angesprochen auf die Frage, was er mit seiner Arbeit erreichen möchte, meint der Männerbeauftragte: Ich möchte mit diesem Projekt die Leidenschaft der Männer wecken, damit eine eigene Dynamik entsteht – eine von Männern erarbeitete Dynamik. Nicht, weil sie sich dazu gezwungen fühlen, sondern weil sie es wollen.

Eine von Männern erarbeite Dynamik, entfacht durch eine von der Bürokratie initiierte Leidenschaft? Was für eine horrible Vision! Und wohin soll die führen, was beinhaltet sie genau und worin unterscheidet sie sich von anderen Dynamiken, möchte ich gerne wissen. Ich weiss es auch nach dem Lesen des Interviews nicht, aber gravierender ist es, wenn der besagte Männerbeauftragte offensichtlich selbst nicht weiss, was letztlich seine Funktion bezwecken und bewirken soll. Er leiste eben Pionierarbeit, wie er betont. Und wer Pionierarbeit leistet, so schlussfolgere ich, darf wohl auch fabulieren.

Ganz im Ernst: ich sehe den Sinn eines solchen Männerbeauftragten nicht. Wo ist da, bitte sehr, der Mehrwert für die Gesellschaft? Haben wir in unseren Breitengraden tatsächlich keine anderen Probleme? 

Mittwoch, 20. Juni 2012

Des Teufels



















Was zeigt uns dieses Bild?
Vorerst einmal eine junge Frau.
22 Jahre jung.
Eine hübsche Frau.
Zwar schaut sie hier etwas grimmig in die Welt,
aber sie wirkt attraktiv.
Was für einen Hintergrund könnte diese Frau haben?
Könnte sie eine Künstlerin sein?
Eine Sängerin?
Pop, Rock oder doch eher Sopranistin an einer Staatsoper?
Studentin der Künste, der Juristerei oder Kunstgeschichte?
Oder Verkäuferin in einem Supermarkt in Bonn, Zürich oder Warschau?
Wie denkt wohl diese Frau
im allgemeinen und im besonderen?
Welcher Mann möchte nicht diese Frau näher kennen lernen?
Aus Neugier (zum Beispiel).

Eine schöne Frau.
Ja.
Doch
eine Frau mit einer unsichtbaren Maske.
Nur sieht man sie nicht auf Anhieb.

Sieht die hässliche Fratze des Faschismus nun also so aus?
Marion Maréchal-Le Pen, so heisst die Dame. 
Kein alltäglicher Name.
Aber ein prominenter Name.
Und frisch gewählt in die französische Nationalversammlung.
Dort wird sie, glücklicherweise, politisch nichts bewirken können.

Und der Presse entnehme ich unter anderem:
Das Programm der Partei trägt sie voll mit. Nur die Todesstrafe, die würde sie nicht wieder einführen wollen. Als man sie fragte, wo sie ihre Karriere noch hinführen werde, sagte sie: «Ich kann Ihnen meine Zukunft nicht voraussagen: Werde ich Ministerin – oder Präsidentin? 

Gott bewahre.

Freitag, 9. März 2012

Der Aufruf eines Stadtpräsidenten

Der Präsident einer kleinen Stadt im Kanton Jura hat unlängst dazu aufgerufen, für einige Tage auf jeglichen TV-Konsum zu verzichten und sich stattdessen "den Mitmenschen" zu kümmern. Viele haben diesen Aufruf nicht goutiert, haben den Kopf geschüttelt und irgend etwas gemurmelt von das-gehört-sich-doch-nicht. Mal ganz im Ernst: warum regen sich gewisse Leute ob einem solchen Aufruf auf? Ich meine: es gibt in der Tat Gescheiteres zu tun als jeden Abend vor der Glotze zu sitzen. Die Stadtbehörden könnten in jener TV-freien Zeit Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und ein kleines Fest der (neuen) Bekanntschaften organisieren. Wetten, dass der Saal nicht leer bliebe?

Montag, 5. März 2012

Die Furcht vor der Freiheit

Am kommenden Wochenende werden wir in der Schweiz einmal mehr zur Urne gerufen, um über verschiedene Sachvorlagen abzustimmen. Unter anderem haben wir darüber zu befinden, ob alle Arbeitnehmerinnen und -nehmer sechs Wochen bezahlte Ferien haben sollen. Für Aussenstehende mag es kaum nachvollziehbar sein, aber eine klare Mehrheit -man muss kein Prophet sein, um diese Prognose zu wagen- wird mit Nein stimmen, Nein zu mehr Ferien.

Zum einen, weil diese Mehrheit Angst davor hat, materielle Einbussen zu erleiden. Bestimmt spielt dabei die plumpe Angstpropaganda der Wirtschaft eine wichtige Rolle: mehr Ferien = weniger Jobs. Aber das ist nicht der Hauptgrund. Ein bekannter Schweizer Soziologe bringt es in einem Interview auf den Punkt, worum es hier letztlich geht:

Frage:
Erich Fromm hat die Furcht des modernen Menschen vor zu viel Freiheit bereits 1941 analysiert - inwiefern treffen seine Beobachtungen auf die Schweizer zu?

Antwort:
Angst spielt sicherlich mit. Statt selber zu handeln, warten wir offenbar lieber, bis uns mehr Zeit verordnet wird. Erich Fromm hat das autoritäre Verhalten angeprangert. Wir stützen, was uns schadet. Das ist in der Schweiz ein sehr gängiges Muster. Auch heute noch. Bei jeder guten Idee finden wir sofort Gründe, um ja nichts zu verändern. Die Angst vor Veränderung ist jedenfalls ein wichtiger Faktor, denn jede Veränderung ist auch ein Appell an einen selber, die Sache in die Hand zu nehmen. Und das kostet Energie. Also ist es einfacher, sich selber einzureden, dass alles in Ordnung sei, so wie es ist.

Ich hebe aus diesem Interview hervor und behaupte, dass dies weiss Gott nicht nur für Schweizerinnen und Schweizer zutrifft: 
Die Angst vor Veränderung ist jedenfalls ein wichtiger Faktor, denn jede Veränderung ist auch ein Appell an einen selber, die Sache in die Hand zu nehmen. Und das kostet Energie. Also ist es einfacher, sich selber einzureden, dass alles in Ordnung sei, so wie es ist.

Also einmal mehr: Furcht vor der Freiheit, beileibe nicht zur in der Politik zutreffend.
Wie war das schon wieder mit dem goldenen Käfig? 

Samstag, 25. Februar 2012

Pro Kuh 5300 Franken

Lieber gibt die Schweiz pro Bauernhof 51'000 Franken aus. Pro Kuh sind das 5300 Franken: Drei Kühe sind heute der Schweiz gleich viel wert wie eine Studentin oder ein Student. Und das im 21. Jahrhundert...

schreibt die Basler Politikerin und Parlamentarierin Anita Fetz. Nun, die Zahlen habe ich nicht nachgeprüft und lasse sie mal so stehen. Wir Schweizer mögen aber ganz offensichtlich Kühe, die geben immerhin Milch her für die Butter- und Käseproduktion. Studierende haben da einen schwierigeren Stand und rentieren halt etwas weniger, zumindest während ihrer Ausbildungszeit, deshalb der Wettbewerb zwischen ihnen und den produzierenden Kühen um die knappen Finanzen. 

Ich nehme das Ganze mal achselzuckend zur Kenntnis und stelle fest, dass das Absurde allgegenwärtig sein kann. 

Montag, 30. Januar 2012

Heute vor 79 Jahren

Noch gerade realisiert vor dem Zähneputzen:
heute vor 79 Jahren ist Hitler zum Reichskanzler ernannt worden. Hindenburg glaubte, mit der Wahl Hitlers die Nazis einbinden zu können. Wir wissen, dass die Fehleinschätzung des greisen Hindenburg fatale Folgen hatte.




Der heuchlerisch-demutsvolle Händedruck spricht Bände, und nur kurze Zeit später brannte der Reichstag und bald darauf Europa und die ganze Welt.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Inszenierte Massenhysterie

Befohlene, von oben inszenierte Hysterie voller Zynismus und Menschenverachtung. Widerlich.
Wie krank kann ein Regime sein, das solches Schauspiel in Szene setzt? Wenn Bilder mehr auszudrücken vermögen als tausend kluge Worte.

Samstag, 19. November 2011

Beygairat Brigaden

Provokation gehört zur Kultur. Kultur soll provozieren, wachrütteln, Tabus brechen und dabei durchaus die Schmerzgrenzen ausloten. Wer Kunst betreibt, darf anecken, ja oftmals ist es ein Gebot der Stunde. So wie es Aliaa Magda Elmahdi mit ihrem Blog in Ägypten tut.

In Pakistan, so habe ich gelesen, sorgt ein Videoclip für rote Köpfe, nein: für grosse Aufregung. Drei Musiker haben auch hier bewusst den Weg der gezielten Provokation gewählt. Sie nennen sich "ehrlose Brigade" in Anspielung an die sog. "Ehrenbrigaden", welche in Pakistan von Fundamentalisten eingesetzt werden, um den Leuten ihre "Tugenden" näherzubringen, sprich: um sie in ihrem Sinne umzuerziehen und dabei Angst und Schrecken verbreiten. In Pakistan werden Menschen von selbsternannten Gerichten abgeurteilt und hingerichtet, Frauen terrorisiert, Liberale verfolgt, die Meinungsäusserungsfreiheit geknechtet. Und mitten in diesem Klima der Angst und des Schreckens erheben drei junge Männer ihre Stimme, provozieren die Fundamentalisten aufs Blut und riskieren in letzter Konsequenz ihr Leben. Mit bissiger Ironie entblössen sie -auch hier- die Absurdität und Verlogenheit fundamentalistischer Anschauung und Praxis. Und wie in Ägypten treffen sie dabei den zentralen Nerv des herrschenden Unbehagens in ihrem Land und ihrer Gesellschaft. Hut ab!

Freitag, 18. November 2011

Aliaa Magda Elmahdi: Nachtrag

Nein, es kann nicht daran liegen, dass die Frau sich nackt abbildet: dies allein vermag nicht zu erklären, weshalb so viele Menschen (aktuell weit über 2,7 Mio. Klicks innert weniger Wochen) ihren Blog besuchen. Nacktheit im Internet ist ja keine Besonderheit, es wimmelt ja von einschlägigen Seiten, die weit über "blosses Nacktsein" hinausgehen. Viele (arabische) Männer fühlen sich offenbar nur deshalb provoziert durch diese Frau, weil sie sich in schlichter Pose nackt ablichten lässt. Denn wer bloss nackt daherkommt, transportiert Unschuld, und es beunruhigt, ja alarmiert offensichtlich viele Männer, wenn sie sich von der Unschuld (sexuell) provozieren lassen.

Oder ganz schlicht gesagt: der Hund wird zwingend bellen, wenn man ihm auf den Schwanz tritt.

Nachtrag (19.11.)
2'495 Seitenaufrufe für meinen letzten Beitrag: Nacktheit als Renner im Zeitalter der omnipräsenten Sexualität im öffentlichen Raum.

Aliaa Magda Elmahdi

Es gibt Blogs, die viele Leserinnen und Leser anzuziehen vermögen - aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Und es gibt offensichtlich Blogs, da genügt ein Beitrag mit Nacktaufnahmen, und schon werden jede Sekunde neue Besucher registriert. Und es werden dabei mehr und mehr.

Ich habe diesen Blog auch besucht, und ich muss sagen: gut gemacht. Vor allem, wenn man sich die Mühe gibt, den Hintergrund bzw. die Motivation der Schreiberin in Erfahrung zu bringen. Die junge Bloggerin stammt aus Ägypten, studiert Kunst und betreibt mit ihrem Blog nach eigenen Worten ein "Tagebuch einer Rebellin". Mit ihren Bildern will sie gegen die bigotte ägyptische Gesellschaft protestieren, die von Sexismus, Gewalt, Rassismus und mancher Heuchelei geprägt sei.

Indem sie sich auf ganz triviale Weise nackt zeigt und damit empörte Reaktionen namentlich ihrer männlichen Landsleute provoziert, demaskiert sie deren Verlogenheit. Die Bloggerin hat viel Zivilcourage, versteckt sich nicht hinter einem imaginären Namen, sondern zeigt sich frank und frei. Und riskiert damit einiges, ja viel. Bis jetzt hat sie nur einen einzigen Beitrag veröffentlicht - ich hoffe, es bleibe nicht allein bei diesem.

Ich ziehe den Hut vor soviel Courage. Solche Menschen braucht es - nicht nur in der arabischen Welt.

Nachtrag
Drei Stunden nach Veröffentlichung dieses Beitrags haben bereits rund 1'000 Personen (und es werden stündlich mehr) hier vorbeigeschaut. Ich frage mich, woher diese Faszination für diese Frau kommt. Ist es blosser Voyeurismus? Oder echtes Interesse an der Sache selbst?