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Samstag, 19. Oktober 2013

Von der Leere


Heute hat man mir einmal mehr gesagt:
sei doch dankbar für das, was du hast. Du hast doch so viel....

Ja, das stimmt.
Und doch.
Ich komme mir wie amputiert vor.
Sehnsucht kann grausam sein, auffressend, den Schlaf raubend.
Was ich sonst noch verspüre: Leere.
Leere, Leere, Leere. 

Sonntag, 4. März 2012

Wann ist der Mann ein Mann?

Einmal, so las ich heute in der Sonntagspresse, sei der Mann den Frauen
zu hart,
dann zu weich,
einmal zu unabhängig.
dann doch zu anhänglich.

Plakativ, vielleicht, aber ein Kernchen Wahrheit steckt da schon drin: schiebt er den Kinderwagen und bereitet er den Brei vor, ist er ein Softie, kümmert er sich nicht um die Kinder, ist er ein Macho - oder bestenfalls ein Ewiggestriger. Sucht er Nähe, ist er bald aufdringlich, wahrt er Distanz, ist er unnahbar, kalt. So wie jene Frau, die mich gross instruierte über ihre Unabhängigkeit und Freiheit. Meldete ich mich für einige Tage nicht, kam schon bald der Vorwurf: he, wo steckst du?

Frauen sind schwierig - Männer ohnehin. 

Sonntag, 22. Januar 2012

Sonntagabend

Der Sonntagabend erfüllt mich immer wieder mit einer gewissen Melancholie, nur weiss ich nicht, wie ich diese einzuordnen habe. Ich schaue zurück auf die vergangene Woche und überlege mir, was gut gelang und was weniger. Dann folgt der Blick auf die anstehende Woche, nur dass ich dabei oft im luftleeren Raum stehe. Zwar weiss ich, was mich geschäftlich erwartet, ansonsten stochere ich im Trüben. Manchmal freue ich mich auf die neue Woche (ohne dass ich dafür einen handfesten Grund hätte), manchmal fürchte ich mich aber auch vor ihr (auch hier: ohne ersichtlichen Grund).

Der Sonntagabend als Ort des existenziell Verlorenseins, als Dreh- und Ausgangspunkt zwischen Vergangenem und Zukünftigem, aber auch als Symbol des ewig Wiederkehrenden. Auch akustisch scheint der Sonntagabend anders zu sein, er klingt merkwürdig still, ja manchmal geradezu feierlich. Zeitweise ertappe ich mich, wie ich mich abzulenken versuche, vorzüglich mit einem TV-Krimi. Ich lasse es aber meistens sein und blättere durch dieses oder jenes Buch oder schreibe an Texten, um mich diesem sonderbaren Gefühl zu stellen. So wie jetzt. Und (als ob mich das Leben rufen würde) meine Tochter will noch eine Gute-Nacht-Geschichte. Die kleine Hexe, das lese ich gerne. 

Samstag, 21. Januar 2012

Bitte keine Vorhänge

Notiert:
Übrigens mag ich keine Vorhänge.
Und auch keine Rollos oder wie die Dinger heissen.
Ich will freie Sicht haben aus meiner Wohnung.
Will den grauen oder blauen Himmel sehen,
die Vögel und den Wagen der Müllabfuhr,
den Nieselregen oder den Hagel.
Ich mag die Morgen-, Mittags- und Abendsonne.
Aber auch die dunkle Nacht und die Sterne am Himmel.
Ich kann lange am Fenster stehen und auf die Stadt blicken.
Am Liebsten
erblicke ich das ferne Morgen- oder Abendrot der Alpen.
Dann relativiert sich Manches,
und Vieles demaskiert sich als das, was es ist:
als blosse Nichtigkeiten des Daseins,
als allzu Menschliches,
als Eifersüchteleien und dumme Eitelkeiten. 

Mittwoch, 4. Januar 2012

Lebenskompromiss und Lebenslüge


Mit der Amputation allein ist die Wurzel eines Problems noch nicht gelöst, sprich: ist die Radikalität der Problemlösung noch nicht konsequent zu Ende gedacht. Was nützt es einem starken Raucher, dass man ihm sein Raucherbein amputiert und er doch nicht mit dem Rauchen aufhören kann?

So ist es auch mit der Liebe. Wenn man, salopp gesagt, „den falschen Menschen“ liebt, falsch deshalb, weil er bereits „besetzt“ ist: kann man in einer solchen Situation die Begegnung als solche leugnen bzw. abbrechen und darauf hoffen, das Problem sei damit gelöst? Löse ich es tatsächlich dadurch, dass ich jenen Menschen einfach nicht mehr sehe bzw. ignoriere und so tue, als existiere er nicht (mehr) in meinem Leben, getreu dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn? Kann ich, nachdem ich mit jenem Menschen gebrochen habe, meiner Frau anders begegnen und ihr jubelnd und mit einem bunten Blumenstrauss in der Hand zurufen: ach meine Liebe, wie liebe ich dich doch!

Ich nenne dies reine Symptombekämpfung, weil dadurch das Problem nicht an der Wurzel gepackt wird, und das hiesse: zu problematisieren, weshalb ich meine Frau oder meinen Mann nicht mehr liebe. Dies wäre die ehrliche, radikale Frage, die ich zunächst einmal im stillen Kämmerlein für mich zu beantworten hätte. Der nächste Schritt wäre, mit meiner Frau offen darüber zu sprechen und auszuloten, weshalb dies so ist, weshalb es dazu gekommen ist, was mir fehlt bzw. auch was ihr fehlt, was meine Sehnsüchte sind und weshalb sie diese nicht (hinreichend) erfüllen kann. Daraus resultierte der logische Folgeschritt: was, wenn überhaupt, können wir gemeinsam tun, um die Partnerschaft zu retten?

Oder anders gesagt: ich lege meine Lebenslüge ab und versuche, in der Wahrheit zu leben.

Aber oftmals gehen wir nicht so weit. Wir klemmen ab und wägen sorgsam ab, einem Richter gleich, der eine Güterabwägung vornimmt. Stecken den Kopf in den Sand und denken: schwamm darüber, ich arrangiere mich in meinem Lebenskompromiss (huch, ich fühle mich am Rande auch ertappt). oder sollte ich eher sagen: in meiner Lebenslüge? Nun ja, das ist durchaus eine mögliche Haltung, die ich nicht verurteile, weil auch ich kein Held bin und radikale Veränderungen in meinem Leben nicht unbedingt suche oder schätze. Oder weil ich Angst habe vor tatsächlich oder vermeintlich unangenehmen Konsequenzen, die da wären: Scheidung, Trennung, finanzielle Einbussen, und ja ja, mein guter Ruf könnte ja leiden!! Ich kenne auf Anhieb mindestens drei Paare aus meiner nächsten Umgebung, die so leben. Die sich nicht mehr viel zu sagen haben, die sich zwar gegenseitig durchaus unterstützen, der eine kocht, der andere wäscht ab, nun ja, man tut, was man kann, und abends ist man zusammen (zuerst zur Tagesschau, dann zu einem netten Spielfilm) und ist es doch nicht, und das Thema Sexualität will ich hier in diesem Kontext schon gar nicht thematisieren.

Als zeitweiliger Zauderer kenne ich den vermeintlich bequemen Weg des Lebenskompromisses. Doch weil ich diesen Weg kenne, weiss ich auch, wohin er früher oder später führen wird und zu welchem Preis er aufrecht zu erhalten ist. 

Montag, 12. Dezember 2011

Eigentlich nichts Neues

Einmal mehr bin ich müde und will doch nicht ins Bett.
Lese hier und dort.
Unkonzentriert.
Unruhe ohne ersichtlichen Grund.
Zu viel Arbeit, zu wenig Ausgleich.
Ja ja, immer dieselben Erklärungen,
die doch nicht weiterhelfen.

Freitag, 9. Dezember 2011

die letzte Stunde

notiert nach einem längeren Telefongespräch:

letztlich stellt sich die banale und doch fundamentale Frage, wie man sich sein Sterben im Idealfall vorstellt, wer bei diesem Prozess dabei sein sollte und welche Hand uns auf die letzte Reise begleitet.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Küsse

Es gibt Küsse, die einfach gut tun.
Küsse, die nach mehr schmecken.
Küsse, die von Vertrauen getragen werden.

Doch auch dies:

Küsse ohne jegliche Folgen.
Küsse, die von Trauer und Verlustängsten getragen werden.
Küsse voller Verzweiflungen.
Küsse des Abschieds und der Tränen.




und auch dies:

Küsse der Täuschungen.
Küsse, die von Lügen getragen werden.
Heuchlerische Küsse.

Was besonders schmerzt - für beide, wohlverstanden:
Küsse, die nicht auf Gegenseitigkeit beruhen.
Bekannte und doch nicht vertraute Küsse.
Seelenlose Küsse.
Einsame Küsse.

Das tut weh.
Betrug und Selbstbetrug im selben Paket.

Sonntag, 4. Dezember 2011

....als ein Schrecken ohne Ende

Notiert:
Sie wollte ihn nicht gehen lassen. Der Versuch, ihn in ihrer Wohnung festzuhalten, misslang jedoch. Er konnte gerade noch den Wohnungsschlüssel ergattern und sich davon machen. Tränen, Dramatik, bitte-bleib-bei-mir-Parolen. Er lässt sich nicht umstimmen, bleibt höflich, aber bestimmt.

Und ja, dann kommt ihm der Satz in den Sinn:
lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Im Zug

Im Zug notiert:

Sie: wie konntest du ein Jahr mit dieser Frau zusammen sein, obwohl du sie nicht liebst?
Er (bleibt eine Weile lang stumm, sucht nach Worten): ehrlich gesagt kann ich dir diese Frage nicht mit abschliessender Bestimmtheit beantworten. War es Gewohnheit? Bequemlichkeit?
Sie: du solltest darüber nachdenken...
Er will was sagen, doch wird er von der Lautsprecherdurchsage unterbrochen. Er schweigt

Freitag, 2. Dezember 2011

Weihnachten, Neujahr und die damit verbundenen Erwartungen

Ich weiss nicht, ob ich mich auf Weihnachten und Neujahr freuen soll.
Da sind so viele Erwartungen da und dort.
Ich spüre die Tendenz in mir, mich in diesen Tagen zu verkriechen.
Deckel zu.

Stille Nacht, heilige Nacht, ja natürlich.
Und dann auch noch die obligate Weihnachtsgans
die ich, abgesehen von allem, wirklich lecker finde.

Und am 31. Dezember ist bestellte Fröhlichkeit angesagt.
Richtig erlöst bin ich dann, wenn die Kirchenglocken
unmittelbar nach Mitternacht
das neue Jahr einläuten.
Dann atme ich tief durch und denke mir: geschafft.
Und dann beginnt alles wieder von vorne.

Heute ist nicht mein Tag.
Wenigstens regnet es. Endlich.

Dienstag, 29. November 2011

Lebenswege

















Das Leben folgt nicht immer einer klaren und durchwegs logischen Spur. Manchmal sind Umwege in Kauf zu nehmen, um zu sich selbst zu kommen. Oder man landet für eine Zeit lang in eine Sackgasse und befürchtet, den Ausgangspunkt nicht wieder zu finden. Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen. Wer frei ist, kann sich verfahren, kann Unfälle bauen, die Orientierung verlieren, die Richtungen verwechseln, die falsche Autobahnausfahrt nehmen, sich als Geisterfahrer betätigen und dergleichen mehr.

Freiheit hat ihren Preis. Und der kann manchmal hoch sein.

Wer demgegenüber im selbst gewählten goldenen Käfig sitzt, muss sich diese Fragen kaum stellen, die Hinweistafeln nach West, Süd, Ost und Nord mögen ihn nicht gross beschäftigen. Manchmal vielleicht sehnt sich der gefangene Vogel nach Freiheit, nach der Möglichkeit, Richtung Süden zu fliegen. Aber der goldene Käfig behagt ihm, trotz allem. Er arrangiert sich.

Unfreiheit hat ihren Preis. Und der ist hoch, zu hoch für meinen Geschmack.

Wohin des Weges? Ich weiss es nicht immer. Wer die eine Richtung wählt, muss zwangsläufig auf die andere verzichten. Es fällt mir zeitweise schwer, mich entscheiden zu müssen. Doch wer nicht entscheidet, wird zum Spielball der Umstände.

Das Ziel, es selbstbestimmtes und damit emanzipiertes Leben zu führen, ist anspruchsvoll, oftmals mühselig, anstrengend. Doch es gibt realistischerweise keine valable Alternative, die dem Leben und seinen Möglichkeiten gerecht würde.

Donnerstag, 24. November 2011

Die Zeit verrinnt

Und wieder habe ich dieses schale Gefühl, dass die Zeit schlicht davonrast. Sie verrinnt, macht sich auf und davon. Schon ist wieder Donnerstagabend, das Wochenende steht vor der Türe, um bald wieder doch nur den Montag einzuläuten. Dieses absurde Gefühl, ganz Grundlegendes zu verpassen, Chancen nicht als solche zu erkennen, blind durch die Gegend zu laufen und dabei Manches, das es zu entdecken gäbe, nicht zur Kenntnis zu nehmen. Besonders nachts kann mich dies in schlaflosen Momenten schlicht zur Verzweiflung bringen, vor allem auch dann, wenn die Kirchenglocken gnadenlos jede Viertelstunde akustisch zu Protokoll geben.

Nichts ist für mich so geheimnisvoll und bedrohlich zugleich wie die Zeit, die uns für einen kurzen Lebensmoment geschenkt wird.

Donnerstag, 10. November 2011

Der junge Werther in uns

Mit 20 mag man sich wie Werther vollends in Gefühlen verlieren, man verliebt sich schrecklich in eine Person und schwärmt nur noch, ach, die Schmetterlinge im Bauch!

Und dann, mit 30, 40 und darüber hinaus? Legen wir unseren Werther beiseite, weil es peinlich sein könnte, ihn weiterhin auszuleben? Je älter, umso kopfgesteuerter, vernünftiger? Und das hiesse: man tastet bei einer neuen Bekanntschaft mit angezogener Handbremse ab, man wägt sorgfältig ab und glaubt, dass die Gefühle gewissermassen nachgeschoben werden, wenn wir glauben, dass das Gegenüber nach zerredeten Runden zu uns passen könnte - allenfalls und mit Vorbehalt. Was sich dahinter verbergen könnte: vielleicht die Angst, wie Werther verletzt bzw. enttäuscht zu werden. Und vielleicht auch dies: die Befürchtung, von seinem näheren Umkreis wie ertappt zu werden nach dem Motto: ach, mein Lieber, was für ein Schwärmer du doch in deinem Alter noch bist! Und dann schauen wir beschämt in den Spiegel und murmeln nur noch im Selbstgespräch: Mensch, wann wirst du erwachsen?

Ja, lieber Werther. Wie lange kann man dich ertragen?
Man könnte jetzt auch einwenden: Werther? Nein, niemals, nicht mal mit 20!
Und doch, bei allerlei Schwärmerei, die von ihm ausging: er ist mir sympathisch geblieben.

Mittwoch, 9. November 2011

Kontrollzwang

Was ich nicht ausstehen kann nebst neureichen Idioten:

Leute, die unter Kontrollzwang leiden, die mich bedrängen und alles wissen wollen, wo und wann und wie lange ich mich mit wem getroffen habe und am liebsten all meine emails und sms zu Gesicht bekämen. In solchen Konstellationen kommt mir meine Mutter in den Sinn, die ähnlich tickte. Logisch, dass ich heute in analogen Situationen sehr empfindlich reagiere und nur noch eines will:

fortrennen, so schnell wie nur möglich.

Vom Lebenskompromiss

Nochmals und allenfalls akzentuierter als bisher:

Manchmal wiegt er schwer, der Lebenskompromiss. Manchmal zerrt er an mich und lässt mir keine Ruhe mehr, im übertragenen als auch im tatsächlichen Sinn gemeint. Wer den Lebenskompromiss lebt - und ich gehe davon aus, dass dies viele tun, ach, ich brauche nur mein näheres Umfeld genauer anzuschauen - weiss, wovon ich rede. Wer ihn lebt, wählt in erster Linie die Bequemlichkeit. Er gibt sich mit dem Mittelmass zufrieden, ganz nach dem Motto: ach, mehr liegt für mich ohnehin nicht drin. Aber auch, weil er glaubt, es gebe keine Alternativen zu seinem Kompromiss, und wenn es solche gäbe, wären die damit einhergehenden Veränderungen bezüglich Umfeld, Gewohnheiten etc. zu mühsam, zu unsicher, ja ja, man hat schliesslich seine Rituale, lebt in seinem Alltagstrott. Wer wählt schon den unsicheren Weg, vor allem, wenn man nicht mehr 30 oder 40 ist? Und darüber hinaus auch noch verheiratet ist und sich im Gestrüpp des goldenen Käfigs wiederfindet?

Ich weiss sehr wohl: der Lebenskompromiss macht uns letztlich krank, schleichend krank. Es sei denn, man habe ihn ganz internalisiert bis zur Unkenntlichkeit, bis man letztlich tatsächlich glaubt, so, wie man lebt, wolle man leben.

Was für ein Lebensselbstbetrug.

Freitag, 4. November 2011

2. Lebenshälfte

Randnotiz:

Wie lässt sich ein Leben ab der 2. Lebenshälfte wenn nicht umkrempeln, so doch in andere Bahnen lenken? Wie weit ist man bereit, eine Person in sein bisheriges Leben zuzulassen, mit ihr etwas aufzubauen, Neues auszuprobieren, Risiken einzugehen etc.? Das sog. allein sein birgt, bei allen Nachteilen, auch Vorteile, mit der Zeit beginnt man gar, jenes Leben wenn nicht zu lieben, so doch zu schätzen. Der sog. Neuanfang ist ein Projekt mit ungeahntem Ausgang.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Über das Wollen

Heute war wieder so ein Tag: im Grunde der Dinge nur mühsam. Was mich vor allem müde macht an solchen Tagen sind die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten. Ständig unter Menschen zu sein kann verdammt anstrengend sein, morgens, mittags, nachmittags, ununterbrochen. Zwischen den Sitzungen smalltalk da, ein Apéro hier, ein Schwätzchen dort. Und dann sollte man sich auch noch konzentrieren, aufmerksam sein, zu allem und jedem eine Antwort bereithalten.

Habe ich mir dieses Leben so vorgestellt, als ich 20 war? Und wie war das noch mit 30? Manches schleicht sich in unser Leben auf leisen Sohlen ein, es entstehen Gewohnheiten und Rituale, die lange Zeit als solche gar nicht zur Kenntnis genommen werden. Und plötzlich steht man eines Morgens nach dem Duschen vor dem Spiegel und denkt sich wie beiläufig: was tue ich da überhaupt? Genauer: will ich das, was ich tue, wirklich tun? Und hätte ich Alternativen, würde ich das, was ich tue, immer noch tun? Eine substanzielle Antwort bin ich mir immer noch schuldig.

Montag, 17. Oktober 2011

Lebenskompromiss

Der Lebenskompromiss wiegt schwer, sich von ihm zu befreien ist ein Gebot der Stunde, und doch. Man wägt ab, wird träge und wagt den Aufbruch nicht. Doch im Innern brodelt es zeitweise ganz gehörig, ganz im Sinne von: da muss doch noch etwas passieren, das kann es doch nicht sein. Das innere Gefängnis ist eine harte Strafe, die nicht verjähren will.

Sonntag, 25. September 2011

Alles Luxusprobleme (?)

Manchmal -und dies in letzter Zeit immer öfters- habe ich schon das Gefühl, ich sei im falschen Film, beruflich wie privat. Dann kommen Fragen auf, immer wieder dieselben: will ich das, was ich mache, wirklich tun, und wenn Nein, was sind die realistischen Alternativen?

Fragen, die zeitweise meine mentale Situation destabilisieren, klüger wäre es, mich ganz auf das zu besinnen, was ist. Und zwischen den Fragen und Zweifel immer diese Sehnsucht, unterbrochen z.B. von einem Telefonat, das mich seltsam unberührt lässt. Auf die sattsam bekannte Frage "wie geht es dir" lautet die Antwort von mir (ich gebe zu, etwas unehrlich): ach, soweit gut, ich bin ja gesund, bin Vater eines fröhlichen und gesunden Kindes, und finanziell gehöre ich zwar nicht zu den Topverdienern, aber es geht mir trotzdem gut.

Demnach hätte ich also Luxusprobleme, nur Luxusprobleme. Grund also, glücklich zu sein? Ich erlaube mir auch hier den Luxus, meine diesbezüglichen Zweifel anzubringen.