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Samstag, 7. Dezember 2013

Liebe, Sehnsucht, Lust

Da schreibt mir eine Kollegin, sie habe kürzlich anlässlich einer Kunstausstellung einen Mann kennengelernt - und die Liebe habe sie schnell und heftig heimgesucht. Aber der Mann, der ganze 22 Jahre älter sei als sie, habe schon eine Freundin, das müsse und wolle sie akzeptieren und die Momente mit ihm einfach geniessen.
.......
Ich habe ihr u.a. die Frage gestellt, ob sie Liebe mit Sehnsucht verwechsle.
Oder mit Lust.
Auf die Antwort bin ich gespannt. 

Dienstag, 27. Dezember 2011

Ungebändigtes Verlangen

Und noch etwas vor dem zu-Bett-gehen:
Manchmal verspüre ich das unheimliche Verlangen, jenen Platz aufzusuchen, wo du selten genug auf mich wartest. Ich nervös hin und her gehend, mit nassen Händen und weichen Knien, und Ausschau haltend auf Dein Kommen. Manchmal verfolgen mich diese Bilder, ich wehre mich nicht dagegen, lasse sie zu, atme tief durch und denke an nichts, sehe bloss Deine leuchtenden und vertrauten Augen.

Und ich stehe in diesem Augenblick auf der Terrasse und blicke auf die nächtliche Stadt, die friedlich vor mir liegt und deren Lichter sich durch den Nebel bemerkbar machen. 

Mittwoch, 31. August 2011

Das geschenkte Buch

Manchmal durchwühle ich meine "geheime" Truhe, in die alles kommt, was nun wirklich nur mich etwas angeht. Da findet man vergilbte Briefe, alte Ansichtskarten, längst überholte Aufsätze und dergleichen mehr.

Soeben habe ich sie wieder geöffnet statt endlich ins Bett zu gehen (morgen muss ich früh aufstehen). Deine Karten sind dort auch aufbewahrt. Deine Schrift. Es sind nur wenige Zeilen, aber diese wenigen Zeilen -ich merke es ihnen an, dass sie das Herz sprechen lassen- genügen, um mich melancholisch stimmen zu lassen. Ich betrachte den Poststempel auf den Briefmarken. Ich denke nichts dabei bzw. will nichts denken. Auch möchte ich emotional nicht berührt werden, aber ich habe keine Chance, dagegen anzukämpfen. Stattdessen blättere ich im Buch, das mir geschenkt worden ist. Etwas fällt aus ihrer Hand, es muss eine Rose sein, schnappe ich beim Durchblättern wie zufällig auf.

Ich werde es morgen auf meine kleine Reise mitnehmen. Werde es wiederum mit Genuss Seite für Seite durchlesen und ab und zu in die vorbeiziehende Landschaft schauen und nichts denken wollen. Verwundere dich aber nicht, dass ich dabei doch an dich denken werde. Vielleicht gelingt es mir bei all dem, wenigstens die Gefühle zu deckeln.

Mittwoch, 24. August 2011

Im Jardin du Luxembourg

Und wenn ich abends wieder zur Ruhe komme und die Alltagspflichten erledigt sind, lasse ich mich von meinen Gedanken, Träumen und Sehnsüchten treiben.

Also stelle ich mir vor:
zum Beispiel Paris
Wir sind im Jardin du Luxembourg,
dort, wo der Senat tagt.



Du und ich.
Es ist Herbst.
Ein strahlender Tag.
Die Sonne, als schiene sie durch Milchglas.
Der Wind, der die Herbstblätter aufwirbelt.
Wir freuen uns auf diesen bevorstehenden Nachmittag.
Die Vögel singen nur für uns.
Der Tisch für den Abend ist schon reserviert.
Bei Rostang im 17e arrondissement.
Wir bestellen das kleine, feine Menü.
Dazu genehmigen wir uns einen Chambertin.
1978, premier cru.

Zuvor gehen wir ins Kleintheater la Huchette,
das seit Jahrzehnten jeden Abend
Ionesco aufführt.
Nur Ionesco.
Die kahle Sängerin.
Die Lektion.
Das befreiende Gelächter dabei!

Später im Hotelzimmer
unser Vollbad,
es duftet nach Eukalyptus.
Unsere Berührungen,
unsere Lust aufeinander.
Grenzen, die ineinander fliessen.
Grenzen, die gar keine mehr sind.
Die Nacht, unser Refugium.
Wir stellen einen Radiosender ein.
France la première
Edith Piaf.
Auch sie singt nur für uns.

Erschöpft schlafen wir Stunden später ein,
als frühmorgens die ersten Vögel von Paris
uns zupfeifen,
dass das Leben so schön sein kann.

Samstag, 23. Juli 2011

Kurzbilanz am Samstagabend

Nie werden wir wissen, wie es hätte sein können zwischen uns. Wir können den Tatbeweis nicht erbringen. Nicht immer kann ich mit dieser Tatsache gleich gut umgehen, zeitweise zerreisst es mir beinahe das Herz. Doch lerne ich sukzessive zu akzeptieren und hüte mich dabei umso mehr vor Resignation. Eines weiss ich mit Gewissheit: das Original lässt sich durch keine Kopie ersetzen, nie und nimmer.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Der Berg ruft

Ein paar Tage Bergluft schnuppern.
Die Stille, den Bergsommer und immer wieder auch den kühlen Bergsee geniessen.
Da und dort eine Alpenrose erspähen.
Small talk inbegriffen.
Die Gedanken pendeln lassen und schon jetzt wissend, wo sie auch sein werden.

Die kleine Reisetasche ist gepackt (man braucht nicht viele Kleider mitzunehmen, und zwei Bücher genügen), die Wohnung aufgeräumt.

Eine eigentümliche Leere macht sich breit in mir.
Melancholie, ja, wie angerührt.

Montag, 27. Juni 2011

Tagträumereien

Wo wir es jetzt gemütlich haben könnten:

in Ascona zum Beispiel, auf der Hotelterrasse einen kühlen Weissen geniessend.

Dazu Melone, Parmaschinken, leicht gepfeffert.
Scampi auf dem Grill.

Die letzten Erdbeeren auf der Zunge zergehen lassen.
Später ein Grappa.
Alles mit Mass.

Noch später ein Bad im See (jetzt 20 Grad warm), dort, wo uns niemand sehen kann.
Herumblödeln.
Nur du und ich.
Nur Gegenwart.
Wir sollten es wagen.
Irgendwann.

Sonntag, 26. Juni 2011

Melancholisch

Ich bin müde, mein Tag war schön.
Schwimmen im See.
Herumtollen.
Abends melancholische Stimmung, wie angerührt.
Ich schwitze, die Fusssohlen brennen.

Vor allem aber:
einmal mehr das Gefühl, etwas ganz Wesentliches endgültig zu verpassen.

Nachtrag
Nein, es ist kein Gefühl. Es ist Gewissheit.

Montag, 23. Mai 2011

Kind sein wollen

Meine Tochter singt gerade unter der Dusche, sie wischt sich den heutigen Tag ab, ehe sie bald ins Bett geht und friedlich zu Mozarts Musik einschlafen wird. Sie ist ein fröhliches Kind, das den Kummer noch kaum kennt.

Manchmal ertappe ich mich beim Gedanken, wieder ein Kind sein zu wollen.

Das ganze Leben noch vor mir haben zu können, nochmals die Weichen stellen zu können.

Nochmals beim Punkt 0 beginnen zu können.
Papa und Mama haben zu können, mit ihnen spielen zu können.
Einfach sein zu können, ohne an morgen zu denken.

Nicht an Rechnungen denken zu müssen, an Steuererklärungen und Katastrophen.
Alles neu entdecken zu können, die Wunder der Natur, die Kräuter des Waldes.
Herumtollen zu können, ohne sich die Frage stellen zu müssen, was andere wohl dazu meinen.

Wenn ich es denn wieder sein könnte, ein Kind, was würde ich wohl in Kenntnis meines bisherigen Lebens anders machen?

Täte ich wirklich anders entscheiden?
Gerne wüsste ich es.

Freitag, 18. März 2011

Melancholie des Freitagabends

Freitagabend - ich spüre so etwas wie den Freitagabendblues. Oder sollte ich von Freitagabendmelancholie sprechen? Ich habe mich frisch gemacht und erlebe so etwas wie ein déjà-vu: Ja, diese sonderbare Stimmung am Freitagabend kannte ich besonders gut als junger Mann. Damals glaubte ich, "alles" sei am Freitagabend möglich. Da hatte ich das Gefühl, etwas "anderes" als unter der Woche läge in der Luft, eine Spannung, eine nicht näher zu bestimmende Lust umgab mich, Neugier auch und etwas Abenteuerstimmung. So wie heute Abend. Aber ich weiss um die Illusion derselben, das ist schon viel. Enttäuscht kann ich nicht mehr werden (eine gewagte Aussage, ich bringe sie mit Vorbehalt an). So werde ich heute Abend statt dessen genüsslich in einer guten Quartierbeiz essen gehen, werde einen schweren Spanier geniessen und mit meinem vis-à-vis nett und durchaus auch anregend plaudern. Mehr will und kann ich nicht von diesem Freitagabend erwarten.

Und gleichzeitig durchlaufe ich Momente des akuten Zweifels. Ich hänge wie eine Spinne in einem Netz und spüre darunter die gähnende Leere. Dagegen hilft nur eines (ich brauchte sehr lange, um dies zu lernen und muss es doch immer wieder neu lernen): die Magie des Augenblicks erkennen und in ihr verweilen - tief durchatmen und den Augenblick -und nur ihn- wahrnehmen. Alles andere sind bloss Täuschungen und Irrwege, die auf Abwegen führen. Ich muss mich oftmals disziplinieren, diesen Augenblick überhaupt wahrzunehmen und mich nicht in spekulativem Denken und Fühlen zu verlieren.

Freitagabend. Die Abenddämmerung setzt ein, der Tisch ist reserviert. Ich habe vor mir einen netten Abend. Das ist doch schon viel, ich bin mir dessen bewusst und werde es dementsprechend auch zu schätzen wissen - ohne jegliche Euphorie.

Donnerstag, 23. September 2010

Unschlüssig

Die Frage "was will ich?" treibt mich in letzter Zeit stark an. Ich verbringe dann und wann meine Freizeit mit B. Wir gehen zusammen etwas essen oder trinken, gehen in die Sauna, ins Theater und dergleichen mehr. Die körperliche Nähe kommt auch nicht zu kurz und tut mir einerseits gut, andererseits verspüre ich auch ein gewisses Unbehagen, das ich allerdings (noch) nicht näher definieren kann, woher es kommt und was es mir sagen will. Ich komme mir zur Zeit wie ein Nomade vor, einer, der diese Lebensform allerdings nicht freiwillig gewählt hat.

Es gibt Momente, namentlich des Nachts, wenn ich plötzlich aufwache, da verspüre ich nur noch existenzielle Einsamkeit, ohne jedoch dabei verzweifelt zu sein. Depressiv bin ich nicht, ich stehe morgens gut auf, habe Appetit und bewege mich ordentlich. Die Arbeit erledige ich ohne Euphorie. Und ich habe einen intensiven Austausch mit meiner Tochter. Nun will ich den vielleicht letzten Sommerabend dieses Jahres geniessen. Den zauberhaften Rotwein aus der Toskana habe ich bereits eingekauft. Kochen wird meine Exfrau, ich werde für das Abwaschen zuständig sein.

Mittwoch, 26. Mai 2010

in Erwartung der Nacht

Ich brauche im Grunde der Dinge nicht viel, um glückliche Momente zu erleben. Manchmal genügt ein schlichter zärtlicher Gute-Nacht-Kuss in Form weniger, aber ehrlich gemeinter Sätze. Heute werde ich vermutlich gut schlafen können, die innere Unruhe, die mich namentlich abends oftmals heimsucht, scheint sich, zumindest heute (dafür bin ich dankbar), zu legen.

Samstag, 15. Mai 2010

Nacht

die Nacht kann unbarmherzig sein
einsam
erdrückend
zäh ist ihre Zeit



die Nacht kann banal sein
sie fliesst dahin
ehe man sich besinnt

die Nacht ist sinnlich
berauschend
erhaben
wenn
verwandte Seelen sich berühren