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Montag, 20. Dezember 2010

Lebensabschnittpartnerschaft (?)

Die sich anbahnenden Weihnachtstage sind anspruchsvoll, ich muss meine Zeit einteilen. Ich verbringe meine Freizeit oftmals mit B. Abends bin ich mit ihr zusammen, übernachte bei ihr bzw. sie bei mir. Eine Nähe stellt sich ein, schleichend und manchmal auch schneller, als mir lieb ist. Ich frage mich, ob sich einfach zwei Menschen, die ihre jeweiligen Sehnsüchte haben, zufällig gefunden haben - für eine Weile, gewissermassen als Überbrückung. Also eine Art "Lebensabschnittpartnerschaft". Und wenn dem so wäre, so frage ich mich: na und? Vielleicht ist diese Form die ehrlichste menschlichen Zusammenlebens (weil man nicht etwas Unrealistisches erwartet, Stichwort "ewige Liebe"), vorausgesetzt, beide leben bewusst mit dieser Option bzw. können sich mit ihr arrangieren.

Was jedenfalls gut ist: euphorisch bin ich nicht.

Sonntag, 7. November 2010

Sonntagabend

Ich weiss nicht, was gegen Sehnsucht zu machen ist. Sie überfällt mich regelmässig, heute hat sie mich wiederum fest im Griff. Ich treibe in letzter Zeit häufig Sport, gehe joggen und schwimmen. Ich treffe mich mit B und verbringe nette Momente. Ja, nette Momente. Die Liebe meines Herzens aber ist weit weg, räumlich und faktisch, einer Chimäre gleich. Und doch kann ich nicht loslassen, weil das Gefühl der Sehnsucht stärker ist als alles andere. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Meistens geht es gut, heute aber tut es etwas weh, dem Faktischen einmal mehr in die Augen zu schauen. Der bittere Apfel, den ich nun als Teil meines Abendessens verspeisen werde, wird mir in jedem Fall schmecken.

Donnerstag, 23. September 2010

Unschlüssig

Die Frage "was will ich?" treibt mich in letzter Zeit stark an. Ich verbringe dann und wann meine Freizeit mit B. Wir gehen zusammen etwas essen oder trinken, gehen in die Sauna, ins Theater und dergleichen mehr. Die körperliche Nähe kommt auch nicht zu kurz und tut mir einerseits gut, andererseits verspüre ich auch ein gewisses Unbehagen, das ich allerdings (noch) nicht näher definieren kann, woher es kommt und was es mir sagen will. Ich komme mir zur Zeit wie ein Nomade vor, einer, der diese Lebensform allerdings nicht freiwillig gewählt hat.

Es gibt Momente, namentlich des Nachts, wenn ich plötzlich aufwache, da verspüre ich nur noch existenzielle Einsamkeit, ohne jedoch dabei verzweifelt zu sein. Depressiv bin ich nicht, ich stehe morgens gut auf, habe Appetit und bewege mich ordentlich. Die Arbeit erledige ich ohne Euphorie. Und ich habe einen intensiven Austausch mit meiner Tochter. Nun will ich den vielleicht letzten Sommerabend dieses Jahres geniessen. Den zauberhaften Rotwein aus der Toskana habe ich bereits eingekauft. Kochen wird meine Exfrau, ich werde für das Abwaschen zuständig sein.

Dienstag, 21. September 2010

ein netter Abend

Gestern Abend bei B. Smalltalk, Weisswein, dunkles Brot, Käse und Bündnerfleisch. Und Gewürzgurken. Ab und zu geht mir durch den Kopf: was mache ich da eigentlich? Ich will aber nicht grübeln, geniesse die Abendstimmung und die äussere Ruhe. Während sie spricht, bin ich zeitweise abwesend und woanders, was bestimmt nicht aus Boshaftigkeit geschieht. Ich versuche, mich ganz im Hier und Jetzt zu bewegen. Am Morgen danach ist frühes Aufstehen angesagt. Am Frühstückstisch wird nicht viel geredet. Smalltalk, aber auf Sparflamme, aber auch ohne Peinlichkeiten. Das dunkle Brot schmeckt gut, der Käse ist würzig, der Sonnenaufgang prächtig. Ein neuer Tag erwartet mich.

Ich bin auf einer ganz eigentümlichen Art und Weise müde, eine Welle kolossaler innerer Leere erfasst mich. Lichtblick: die anstehenden Herbstferien als illusionsbeladener Fluchtweg aus dem Alltag. Will ich zuviel vom Leben? Oder pointierter gefragt: was will ich eigentlich vom Leben? Ich drehe mich mental im Kreis.

Heute Abend bin ich allein zu Hause.
Gestern war ich nicht allein - und war es doch.