Donnerstag, 8. November 2012

Apérozeit

Nun beginnen sie wieder, diese verfrühten Weihnachtsapéros.
Belegte Brötchen, Früchte und viel Wein.
Wasser als Dekoration.
Smalltalk überall, wie geht es dir und überhaupt.
Unmerklich fliesst der Alkohol.
Und irgendwann frühabends hat man das Gefühl,
nur noch trinken zu wollen
von diesem feinen Tropfen.
Einmal mehr fühlt man sich dabei einfach zu sauwohl. 

Mittwoch, 7. November 2012

Ausschweifende Strassenfeier, zum Beispiel in Seattle

So soll man sich küssen.
Mann/Frau, Frau/Frau, Mann/Mann
Genau so.
Und nicht nur, weil Obama wiedergewählt wurde.
In Seattle an der amerikanischen Westküste ist der Wahlausgang mit ausschweifenden Strassenfeiern begrüsst worden.

Was klein beginnt....

Aufgeschnappt beim Surfen auf der Homepage der US-Demokraten und gleich notiert:

One voice can change a room. And if a voice can change a room it can change a city. And if it can change a city it can change a state. And if it can change a state it can change the nation. And if it can change the nation it can change the world.

Wer wollte dem widersprechen?

Männlich oder was?

Der Psychologe Herb Goldberg glaubt sieben Grundsätze "maskuliner Imperativen" geortet zu haben, die da wären:


  1. Je weniger Schlaf ich benötige,
  2. je mehr Schmerzen ich ertragen kann,
  3. je mehr Alkohol ich vertrage,
  4. je weniger ich mich darum kümmere, was ich esse,
  5. je weniger ich jemanden um Hilfe bitte und von jemandem abhängig bin,
  6. je mehr ich meine Gefühle kontrolliere und unterdrücke, und
  7. je weniger ich meinen Körper achte,
desto männlicher bin ich.

Gibt es wirklich noch Männer, die so einfach ticken bzw. gestrickt sind? 
Und wenn ja:  was wären das für Männer (Männer?) ?
Ich will es nicht glauben. 
Oder bin ich so blind, es nicht zu sehen?

Oder könnte es auch sein, dass jene Männer glauben, dadurch jenen Frauen zu imponieren, die auf solche "männlichen Tugenden" abfahren?

Dienstag, 6. November 2012

Auf den Punkt gebracht

Ich habe nur noch wenige Dutzend Seiten Stoff, dann hab ich ihn gelesen, diesen grossartigen Roman von Thome. Es liegt nicht bloss daran, dass er Situationen und Landschaftsbilder unglaublich präzis, blumig und nüchtern zugleich in all ihren Facetten zu beschreiben vermag, so dass man glaubt, unmittelbarer Zeuge des Erlebten zu sein. Es sind auch und nicht zuletzt die zahlreichen Fundstellen seelischer Zwischentöne, die haften bleiben und Assoziationen zum eigenen Leben erwecken.

"Manchmal war es schwierig, sich selbst bei einer klaren Empfindung zu ertappen. Gefühle sind bewegliche Ziele. Man hat sie nicht, sie reisen bloss durch" (S. 356 oben). 

"Als er sie den Arm nimmt, steht die Wohnungstür bereits offen, und aus dem Treppenhaus erreicht ihn der kühle Geruch von Bohnerwachs. Es ist eine Sache von Sekunden. Mit einer Hand fährt sie ihm über die Wange" (S. 159).

Fortsetzung folgt

Montag, 5. November 2012

Jerry. der hoffnungslose Kandidat

Wer oder was könnte dieser Mann sein?
Ein Dozent für Philosophie?
Ein schlichter Volksschullehrer adrett gekleidet?
Oder ein Fussballtrainer anlässlich einer Pressekonferenz,
der wortreich erläutert, weshalb seine Mannschaft wiederum verloren hat?


Weder noch.
Dieser Mann ist ein Exot.
Nein, er ist kein Filmschauspieler.
Und auch kein Börsenmakler.
Er ist Präsidentschaftskandidat
und möchte
nächster Präsident der USA werden.
Der Mann ist Trotzkist.
Ja, die gibt es auch in den USA.
Natürlich weiss er, dass er keinerlei Chancen hat.
Aber Jerry tut es trotzdem.
Aus Überzeugung.
Und weil dies für ihn Teil des Kampfes ist.
Irgendwie ein schräger Vogel.
Meine Stimme bekäme er nicht.
Weil ich kein Trotzkist bin.
Und vor allem, weil es ohnehin eine verlorene Stimme wäre.
Ich hoffe, trotz aller berechtigter Kritik, auf Obama.
Vor allem für die Amerikaner/innen.

Montagmorgen

Von draussen dringt Lärm irgendeiner Reinigungsmaschine
durch die weit geöffneten Fenster in die Wohnung.
Die Sonne kämpft sich
erfolgreich
durch die grauweissen Wolken durch.
Zwischenhoch.
Und viel zu mild für die Jahreszeit.
Der Montag erinnert mich je nach Stimmung an ein Hamsterrad.
Ich bemühe mich, das Glas halbvoll zu sehen.
Magische Momente des Augenblicks stellen sich
eh
von alleine ein.

Und noch dies (Wahlspruch des Kaisers Ferdinand des Ersten)
Accidit in puncto, quod non speratur in anno

zu gut Deutsch:
In einem Augenblick kann geschehen,
was man sich in einem Jahr nicht erhofft hätte

Samstag, 3. November 2012

Beschwipst




































Bilanz des heutigen Abends: 
Raclette ist einfach gemütlich.
Der dazu passende Weisswein (Chablis) ohnehin.
Manchmal tut es gut, etwas beschwipst zu sein.
Und dann sitze ich im Korridor der Wohnung der Gastgeberin
und halte das ausgestellte Bild fotografisch fest:
Frauen brauchen Abenteuer!
Ja so ist es.
Männer auch.
Das Leben ist ja ein einziges Abenteuer.
Bein Abschied
schnüre ich aufgeheitert
meine Schuhe
und spüre den Alkoholpegel in meinem Blut.
Gott, tut das gut. 
Zu Hause angekommen bin ich gesättigt.
Brauche nichts
und doch alles.
Ich genehmige mir noch einen Schluck Kirsch.
Den aus Zug.
Und mit Mozart in den Ohren und im Herzen.
Machen wir uns nichts vor: das Leben ist einfach verdammt kurz.
Spielende Kinder in zufriedener Umgebung - kann es wirklich besser werden?

Sich aufraffen


Manchmal muss ich mich regelrecht zu Handlungen zwingen, so wie jetzt: ich muss im Wald joggen gehen und den inneren Schweinehund überwinden. Nach einer Stunde laufen geht es mir jeweils viel besser. Und doch muss ich mich immer wieder dazu aufraffen. Die Vernunft obsiegt - doch gewiss nicht immer. Und das ist gut so. 

Freitag, 2. November 2012

Everybody Hurts


Und jetzt noch einen Schluck Zuger Kirsch auf der Zunge und im Gaumen spüren.
Und nachspüren.
Und frische Himbeeren naschen.
Und in die dunkle Nacht starren.
Mild ist es, und windig.
Und an nichts, bitte an nichts denken.
Sich stattdessen berieseln lassen, Everybody Hurts. 
Der Kirsch schmeckt einfach zu vorzüglich.
Und die Musik verführt zu nächtlichen Träumen.

Der letzte Umzug


Völlig unsentimental und mit fester Stimme sagte mir unlängst meine Mutter, der anstehende Umzug werde für sie der letzte sein. Dann heisse es, auf den Tod zu warten. Und um diesen Schritt zu tun, muss man auch Abschied nehmen können - in mancher Hinsicht.
Derweil geht draussen ein starker Westwind, es ist mild und regnerisch. Und es riecht nach Winter, auch wenn Tauwetter angesagt ist. Manchmal verfluche ich die Vergänglichkeit und verachte den Tod als Ausdruck einer hilflosen Rebellion gegen die  Gesetze des Lebens. 

Donnerstag, 1. November 2012

Entfremdung

Unterwegs notiert:
Am Abend holte Maria mich ab und fragte mich, ob ich sie heiraten wolle. Ich antwortete ihr, das wäre mir einerlei, aber wir könnten heiraten, wenn sie es wolle. da wollte sie wissen, ob ich sie liebe. Ich antwortete, wie ich schon einmal geantwortet hatte, dass das nicht so wichtig sei, dass ich sie aber zweifellos nicht liebe 
Albert Camus, der Fremde

Hier spricht nicht jemand, dem alles gleichgültig ist.
Vielmehr ist es Ausdruck purer Entfremdung.