Dein Lebenszeichen hat mich bewegt.
Ich werde mich melden, weil ich nicht anders kann - Du bist mir heute zuvorgekommen.
Ich kann Dich nicht loslassen, dazu habe ich keine Chance.
Du siehst: auch diesbezüglich ist die Gegenseitigkeit gegeben.
Heute war ich mit meiner Tochter wieder einmal auf dem Friedhof, genauer: beim Grab meines Vaters. Rituale sind wichtig, namentlich für Kinder. Meine Tochter empfindet den Tod (immer noch) als eigentlichen Skandal. Es sei gemein, dass man stirbt. Ich versuche zu erklären und erläutere ihr, dass der Tod zwangsläufig zum Leben gehört. Aber das will sie nicht verstehen. Ich insistiere nicht. Dann geht sie von einem Grab zum anderen, liest die Jahreszahlen auf den Grabsteinen und rechnet jeweils, wie alt die verstorbene Person geworden ist. Gleichzeitig beobachte ich eine alte Frau, wie sie, leicht zitternd, zu einem Grab geht. Ich lese auf dem Grabstein: Arthur Flückiger, 1919-2007. Ihr Mann, denke ich mir. Er ist alt geworden. Sie berührt mehrmals den Grabstein, steht vor dem Grab und schweigt. Dann entfernt sie alten Blumen, die sie wohl vor einigen Tagen vorbei gebracht hatte, und schmückt das Grab mit frischen Blumen. Was mag sie wohl denken, fühlen? Wie lange kannten sie sich, 50 Jahre, 60 Jahre? Und nun ist sie allein, seit drei Jahren, und besucht regelmässig das Grab ihres verstorbenen Mannes. Wer wird mein Grab dereinst besuchen?