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Donnerstag, 8. September 2016

Du und ich

Du und ich.

Ich fühle im Grunde der Dinge kein wir.
Nur ein du
und ein ich.
Aber das spielt keine Rolle,
weil ich das wir gar nicht vermisse.

Um ein wir zu haben, das trägt, bedarf es vieler Voraussetzungen.
Gemeinsam erlebte Geschichte,
gemeinsam erlebte schwierige Zeit - die schöne führt nicht zu einem wir.
Was gegeben ist: gemeinsame Sprache, ähnlicher Humor, ähnliche Vorlieben.
Liebe zum Genuss, Freude am intellektuellen Widerspruch,
Sinn für Ironie, namentlich für Selbstironie,
was in der Summe nicht ausreicht, um zu einem wir zu kommen.

Nein, ich vermisse es, das wir, nicht.
Du und ich: das ist nicht wenig. 

Montag, 15. Dezember 2014

Wir Glücksucher

Wir, die Glücksucher, mögen uns zeitweise fragen, wo das kleine oder grosse Glück stecken mag. Und wenn wir in Paris oder Berlin sind und nach einem vollgepackten Tag müde das Hotelzimmer aufsuchen, so wissen wir, dass manche vor uns -und manche nach uns- genau auch hier jenes Glück suchten und für einen Moment wohl auch fanden, die Kissen bleiben dieselben, der Blick auf das Brandenburger Tor sah mancher schon vor uns, und das gemeinsame, wärmende Bad haben wir auch nicht erfunden. Sie kommen und gehen, die Glücksucher, ich sehe sie überall, auch wenn es ihnen nicht im Gesicht geschrieben steht, und spätabends, nach dem letzten Drink an der Bar, ziehen auch wir uns zurück und erzählen uns dieses oder jenes aus unserer Biografie, derweil die Uhr tickt und es schon bald wieder Morgen wird.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Von der Wurstbude

Wie wär es denn, einen kleinen Wurststand zu führen? Nicht zu viel denken müssen, keine Berichte mehr verfassen müssen, keine mühsamen Sitzungen erdulden müssen, sich dem Diktat der Zeit etwas entziehen können. Und da und dort ein kleines triviales Schwätzchen halten können, wie geht es denn heute, Herr Müller?

Und doch werde ich keinen Wurststand eröffnen. Weil auch dies kein Garant für Glück wäre. Und natürlich, da sind die sog. Sachzwänge zu beachten, will sagen: die Wohlstandsfalle hat auch mich im Griff. Also werde ich weiterhin molochen und das Lebensgefühl, das mit der kleinen Wurstbude einhergeht, wo auch immer in konkretes Leben umzuwandeln versuchen - gerade dann, wenn es beim Molochen besonders mühsam wird und ich mich im Grunde der Dinge bloss nach einer deftigen Wurst mit viel Senf und dunklem Brot sehne.