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Mittwoch, 19. März 2014

Sich verlieren, nicht finden

Kommentarlos hingeschmissen:
Man kann auf sehr viele Arten Sex haben. Mit jemandem zu schlafen, den man gerade getroffen hat, kann sehr erregend sein. Man will sich verlieren und nicht finden. Es ist etwas ganz anderes, als zum Beispiel mit seinem langjährigen Ehemann zu schlafen.
Jane Campion

Sonntag, 28. April 2013

Vom schmerzlich Unberechenbaren

Ich glaube an das schmerzlich Unberechenbare unseres Tuns (Max Frisch).

Das sich Bewegen in geordneten Bahnen, das blosse Verwalten des Alltags, schmerzt lange nicht, und doch kann der Zeitpunkt des Aufbegehrens kommen, manchmal plötzlich und unverhofft, einem Pfeil gleich, der wie aus dem Nichts ins Schwarze trifft. Bis dahin bleibt der Alltag ein Abhaken, ein stetes déjà-vu ohne Aufregung, kein Aufwallen des Blutes, keine Atemnot, und wenn doch, dann aus einer Beklemmung heraus: auch ein luxuriöses Gefängnis mit geregeltem Ablauf, einem höfischen Zeremoniell gleich, kann Ängste auslösen. Spätestens dann kann so etwas wie Aufbruch das Handeln bestimmen, Aufbruch hin zum Unberechenbaren und damit zum Leben, und sei es bloss für eine Episode. Und wenn in einem solch magischen Moment das Handy läutet und am anderen Ende der Ehepartner wissen möchte, was sie gerade tut und sie dabei, scheinbar locker und gar nicht  nervös, nur sagt: es geht mir gut, soll ich heute das Abendbrot besorgen?, wird das Unberechenbare ihres Tuns sie schmerzlich daran erinnern, dass sie etwas tut, was sie eigentlich nicht tun möchte und es doch tut. Weil das Leben sich nicht einsperren lässt. 

Samstag, 27. April 2013

Vom gemeinsamen Lachen in der Küche

Es gibt Sätze, die einen ganzen Sachverhalt, ja eine ganze Geschichte fokussiert auf den Punkt bringen können, das man beinahe nach Atem hecheln muss und das Buch, in dem jener Satz steht, für eine Weile erleichtert und irritiert zugleich auf die Seite legen muss. Und dabei wie selbstverständlich nicht vergisst, der entsprechenden Seite ein grosses Eselsohr zu verpassen: Sätze, die einfach sitzen und beinahe ein ganzes Leben zusammenfassen können. Paff.

Das gemeinsame Lachen nachts in der Küche hatte sie und Renz immer wieder gerettet, am Ende bringt es mehr, als gemeinsam zu kommen (Kirchhoff, die Liebe in groben Zügen, S. 254)

Dienstag, 10. Juli 2012

Treue

Ich stelle mir vor:

Sie kennen sich seit sage und schreibe 53 Jahren. Mit 24 lernten sie sich kennen, bald darauf heirateten sie. Sie gehen immer noch gerne zusammen in den Ausgang zu einer Tasse Kaffee mit obligatem Brötchen dazu. Oder ins Konzert. Man sieht es ihnen an, dass sie sich gerne haben, aufrichtig gerne haben. Sie können sich aufeinander verlassen und haben es mehrmals in ihrer langen Beziehung bewiesen. In schwierigsten Lebenssituationen haben sie zueinander gehalten, haben sich gegenseitig getröstet und Mut zugesprochen, aufgemuntert, auf die Beine geholfen, eine Perspektive vermittelt. Er war immer für sie da, wenn es darum ging, schlicht gegenwärtig zu sein. Und sie tat es ihm gleich.

Ausnahmslos.
Beide sind treue Seelen.

Nur in einem Punkt haben sie es nicht immer so genau und puristisch genommen:
Sie hatte dann und wann ihr kleines Abenteuer, wie sie es schelmisch nennt, und er war auch kein Heiliger und erlaubte sich einige Eskapaden, wie er trocken und mit einer Prise Humor anmerkt. Aber das störte die beiden nicht bzw. beunruhige sie nicht. Denn darauf kommt es im Ergebnis eines langen Lebens nicht an. Treue ist in erster Linie Seelentreue, wie sie es nennt. Oder anders gesagt: auf mich kannst du dich verlassen. Weil ich dich liebe. Darauf kommt es an, meinen beide beinahe im Duett vorgetragen.

Ich frage:
weshalb wird, zumindest in unseren Breitengraden, Treue mit sexueller Treue gleichgesetzt bzw. verwechselt?
Warum diese Obsession?

Was zählt am Schluss des Lebens?
Freundschaft.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Eine Freundschaft, die diesen Namen auch verdient, hat es ohnehin nicht nötig, den anderen zu gängeln, zu kontrollieren und zu überwachen.
Weil Liebe ohnehin Freiheit voraussetzt.
Immer.
Und ausnahmslos.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Keine Frage von entweder/oder

Notos schreibt in seinem jüngsten Beitrag: 
Schott sagt, eine Haupt- und eine Nebenbeziehung sei keine Frage von „entweder“ und  „oder“, sondern die Frage von Liebe. Eine Freundschaft wird auch nicht seriell geteilt, sondern nebenher gelebt.
Ich kann dem nur zustimmen. Warum die nach meiner Überzeugung übermenschliche Forderung aufstellen, nur einen Menschen -und dies nach Möglichkeit ein Leben lang!- lieben zu können, genauer: nur einen Menschen lieben zu dürfen? Als ob ein Mensch all die Bedürfnisse und Sehnsüchte eines anderen Menschen umfassend und abschliessend abdecken bzw. erfüllen könnte. 
Nochmals an dieser Stelle sei gesagt: wer das Monopol in Sachen Liebe will, will herrschen. Es geht ihm dabei nicht in erster Linie um Liebe, sondern um die Durchsetzung seines Besitzanspruchs über eine Person. Was hätte dies mit Liebe zu tun? Liebe geht immer einher mit Freiheit, Liebe und Freiheit sind ein Zweiklang: das eine ist ohne das andere etwas Halbfertiges. Es klingt dann jedenfalls nicht nach Harmonie, sondern nach Unterdrückung.