Ich lebe auf einer Insel, um mich herum gerät die Welt aus den Fugen. Wenige Flugstunden von hier entfernt geschieht Ungeheuerliches. Ich lebe demgegenüber meinen Alltag, geniesse manchmal Momente in der Oase, bin abends schlapp und manchmal auch ganz glücklich, jedenfalls zufrieden. Und Freitags geht's in die Oldiedisco.
Dienstag, 26. Januar 2016
Dienstag, 22. Dezember 2015
Triumpf der Illusionen
Ich bin, so es die Umstände zulassen, ein furchtbar melancholischer Mensch, und zeitweise neige ich gar zur Sentimentalität. Letzteres mag ich nicht, schon gar nicht an mich selbst. Aber manchmal packt sie mich, namentlich und mit Vorliebe an Tagen wie diesen. Dann möchte ich die Zeit einfrieren, ja gar die Macht haben, am Rad der Zeit drehen zu können, um nochmals gewisse Stationen des eigenen Lebens durchleben zu können, zum Beispiel die Geburt meiner Tochter. In jenem Moment spürte so etwas wie einen Wendepunkt in meinem Leben, eine neue Hoffnung, worin diese auch immer begründet war, da schien beinahe alles möglich zu sein, es war ein Gefühl des Aufbruchs, der Genugtuung, der Freude, ja für einen Moment fühlte es sich an wie das absurde Gefühl, dass uns tausend Sommer bevorstünden: Triumpf der Illusionen.
Dabei weiss ich sehr wohl, dass uns letztlich alles entgleitet, nichts bleibt, wie es ist, nichts werden wir mitnehmen können, doch Wissen (im Sinne objektiver Tatsachen) und Glauben (im Sinne von Wünschen oder Wahrnehmungen) sind nicht dasselbe, und manchmal stehen sie in direkter Konkurrenz zueinander, was Spannungen und Schmerz hervorrufen kann. Hervorrufen muss.
An Tagen wie diesen muss ich einfach da durch.
Dabei weiss ich sehr wohl, dass uns letztlich alles entgleitet, nichts bleibt, wie es ist, nichts werden wir mitnehmen können, doch Wissen (im Sinne objektiver Tatsachen) und Glauben (im Sinne von Wünschen oder Wahrnehmungen) sind nicht dasselbe, und manchmal stehen sie in direkter Konkurrenz zueinander, was Spannungen und Schmerz hervorrufen kann. Hervorrufen muss.
An Tagen wie diesen muss ich einfach da durch.
Dienstag, 15. Dezember 2015
Kleines Geheimnis
Ein kleines Geheimnis.
Ein Geheimnis aus Fleisch und Blut -
und unendlich weit.
Worte, die berühren,
aus sicherer Distanz.
Wie war das
mit dem Nordwind und dem Gegengift?
Und wieder ist sie da,
die Sehnsucht,
nagend,
ach,
Worte nur,
und doch so nah.
Ich mag dich.
Ein Geheimnis aus Fleisch und Blut -
und unendlich weit.
Worte, die berühren,
aus sicherer Distanz.
Wie war das
mit dem Nordwind und dem Gegengift?
Und wieder ist sie da,
die Sehnsucht,
nagend,
ach,
Worte nur,
und doch so nah.
Ich mag dich.
Freitag, 4. Dezember 2015
An einem Freitagabend
Was fängt man mit einem Freitagabend an, wenn man zu Hause ist und die Seele baumeln lässt? Ab in die Badewanne (Melisse)? Oder lesen (Frischs Tagebücher 1946-49 sind immer wieder eine Fundgrube)? Oder beides kombiniert? Eigentlich möchte ich wieder vermehrt schreiben, aber da gibt es eine Blockade. Thematisch drehe ich mich zu oft im Kreis, nicht leidend, aber doch stehend, es gäbe so viel zu sagen, und doch versagt der Schreibfluss. Weihnachtsstimmung will auch keine aufkommen, trotz Kerzen. Der Freitagabend ist eine Art Fluchtburg, der Montag vermeintlich weit weg, obwohl dieser nicht bedrohlich ist, nur mühsam. So fühlt sich Leben an, mein Leben.
In einer Berner Bar
Guter Groove, und ja, liebe Lesende in Deutschland und anderswo: Ihr werdet den Text nicht verstehen, nun ja, aber der Sound ist trotzdem cool.
Der Titelsong zu Trummers CD-Buch "Heldelieder". In einer Berner Bar treffen sich Menschen, die aus Oberländer Tälern, der kenianischen Steppe, der Hauptstadt selbst, dem Nebel Osteuropas oder der tunesischen Wüste kommen. Kein politischer Beitrag zur Migrationsdebatte, sondern ein empathischer Blick auf ihre menschliche Dimension.
Der Titelsong zu Trummers CD-Buch "Heldelieder". In einer Berner Bar treffen sich Menschen, die aus Oberländer Tälern, der kenianischen Steppe, der Hauptstadt selbst, dem Nebel Osteuropas oder der tunesischen Wüste kommen. Kein politischer Beitrag zur Migrationsdebatte, sondern ein empathischer Blick auf ihre menschliche Dimension.
Mittwoch, 2. Dezember 2015
Langweile verlängert das Leben
Aussage:
Gegen Routine habe ich nichts, gegen Langeweile noch weniger. Routine gibt dem Beziehungsalltag Halt, die Langeweile verlängert das Leben.
Replik:
Verrücktheit und Leidenschaft lassen in einer Beziehung irgendwann nach. Aber ich möchte mich nicht langweilen mit meinem Lieblingsmenschen.
Duplik:
Kein Problem. Werden Sie wieder Single und langweilen Sie sich in Ihrem 50-Quardratmeter-Studio. Dort erleben Sie krass, wie langweilig Sie selber sind. Beziehungen sind keine Unterhaltungs-Shows. Höchstens zeitweise.
aufgeschnappt bei Klaus Heer.
Gegen Routine habe ich nichts, gegen Langeweile noch weniger. Routine gibt dem Beziehungsalltag Halt, die Langeweile verlängert das Leben.
Replik:
Verrücktheit und Leidenschaft lassen in einer Beziehung irgendwann nach. Aber ich möchte mich nicht langweilen mit meinem Lieblingsmenschen.
Duplik:
Kein Problem. Werden Sie wieder Single und langweilen Sie sich in Ihrem 50-Quardratmeter-Studio. Dort erleben Sie krass, wie langweilig Sie selber sind. Beziehungen sind keine Unterhaltungs-Shows. Höchstens zeitweise.
aufgeschnappt bei Klaus Heer.
Freitag, 13. November 2015
Sonntag, 8. November 2015
Vom Montag zum Sonntag
Aufstehen,
Strassenbahn,
Büro,
Essen,
Arbeit,
Essen,
Schlafen,
Montag,
Dienstag,
Mittwoch,
Donnerstag,
Freitag, Samstag, Sonntag,
immer derselbe Rhythmus -
das ist sehr lange ein bequemer Weg.
Eines Tages
aber
steht das Warum da,
und mit diesem Überdruss,
in dem sich Erstaunen mischt,
fängt alles an
Albert Camus
Strassenbahn,
Büro,
Essen,
Arbeit,
Essen,
Schlafen,
Montag,
Dienstag,
Mittwoch,
Donnerstag,
Freitag, Samstag, Sonntag,
immer derselbe Rhythmus -
das ist sehr lange ein bequemer Weg.
Eines Tages
aber
steht das Warum da,
und mit diesem Überdruss,
in dem sich Erstaunen mischt,
fängt alles an
Albert Camus
Samstag, 7. November 2015
Frühling im November
Es mag ja ganz lustig sein, um diese Jahreszeit mit dem Shirt unterwegs zu sein, draussen auf dem Balkon zu lesen bei Temperaturen um die 18 Grad. Ich mag's aber nicht. Im November muss es kalt sein, neblig-trüb, Nieselregen dann und wann. Das Klima spielt verrückt, und viele finden es cool. Ich finde es, ganz banal gesprochen, einfach nur Scheisse.
Freitag, 6. November 2015
Beschwipst am Freitagabend
Heute Abend bin ich beschwipst - Resultat eines ausgiebigen Mahls mit schwerem Rotwein. Das Restaurant ausgebucht, die Stimmung ausgelassen. Ich liebe diesen labilen Zustand zwischen Nüchternheit und Betrunkensein, dieses Pendeln zwischen Askese und Ekstase im selben Augenblick. In solchen Momenten vergesse ich, was ich sonst weiss, ich bin da und lass mich treiben von den Gesprächen am Tisch, bin beteiligt am Geschehen, hellwach und doch halb betrunken, ich summe für mich eine Arie aus Mozarts Repertoire, ich bin da und doch weit weg, ich klammere mich fest im und am Moment, ganz Gegenwart, ganz Freitagabend. Und nur manchmal denke ich an dich.
Dienstag, 3. November 2015
Leeres Blatt
Diktatur des Alltags.
Kleine Fluchtoasen von kurzer Dauer.
Jammern auf hohem Niveau, aber was nützt mir diese Erkenntnis?
Wie war das mit der ewigen Wiederkehr des Gleichen?
Die Tage sind schön, manchmal neblig.
Ich liebe den November.
Kleine Fluchtoasen von kurzer Dauer.
Jammern auf hohem Niveau, aber was nützt mir diese Erkenntnis?
Wie war das mit der ewigen Wiederkehr des Gleichen?
Die Tage sind schön, manchmal neblig.
Ich liebe den November.
Sonntag, 1. November 2015
Wortlosigkeit
Einmal mehr bin ich wortlos, wenn es darum ginge, einen Text für das Tagebuch zu verfassen. Worüber sollte ich schreiben, müsste ich schreiben?
Mögliche Stichworte: gutes Wochenende. Wenig gegessen, kein Alkohol getrunken, also diesbezüglich zwinglianisch gelebt.
Einmal Sex gehabt, spätnachmittags: berauschend.
Heute war Reformationssonntag.
Morgen beginnt wieder eine neue Woche: keine wirkliche Lust auf Arbeit.
Korsettgefühle.
So fühlt sich Leben an.
Und nur selten bin ich traurig, und wenn, dann ohne ersichtlichen Grund.
Mögliche Stichworte: gutes Wochenende. Wenig gegessen, kein Alkohol getrunken, also diesbezüglich zwinglianisch gelebt.
Einmal Sex gehabt, spätnachmittags: berauschend.
Heute war Reformationssonntag.
Morgen beginnt wieder eine neue Woche: keine wirkliche Lust auf Arbeit.
Korsettgefühle.
So fühlt sich Leben an.
Und nur selten bin ich traurig, und wenn, dann ohne ersichtlichen Grund.
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