Sonntag, 24. März 2013

Logbuch...(IV)

Alkoholismus hat etwas mit Tod und Trauer zu tun, nicht unbedingt mit einer schon erlebten Trauer, aber mit einer Trauer, die immer in Aussicht steht und täglich spürbar ist. Diese Trauer ist das Präludium zu einem Verlust, der sich irgendwann einstellen wird, das steht fest, dem entgeht niemand. Es ist nicht nur die Trauer um den möglichen Verlust geliebter anderer, es ist auch die Trauer um den Verlust der eigenen Existenz.
Connie Palmen, Logbuch, S. 176 unten.

Ich ersetze "Alkoholismus" durch "Sucht", weil ansonsten der Text zu einschränkend auf mich wirkt: wenn aber allgemein von "Sucht" gesprochen wird, erkenne ich mich im Text wieder. Sucht als Metapher für alles Menschliche und allzu Menschliche. Und ich unterstreiche diesen einen Satz: Trauer.....als Präludium zu einem Verlust, der sich irgendwann einstellen wird. Also: vorweggenommene Trauer, die sich irgendwann zwangsläufig einstellen wird. Andere mögen erst dann von Trauer befallen sein, "wenn es soweit ist", ich aber -schön, dass ich dabei nicht alleine bin- kann in Trauer verfallen ob eines Ereignisses, das noch gar nicht eingetreten ist, das aber irgendwann doch eintreten wird. Trauer als treue Begleiterin des Alltags, als tragende und damit verlässliche Basis des Daseins schlechthin.

Für diesen kleinen Abschnitt bin ich Connie Palmen unendlich dankbar.
Und Dir, ich wiederhole mich, für den Hinweis auf dieses Büchlein, dessen Inhalt so ungemein klug ist. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen